Eine Katzenbiss-Wunde ist stets ein medizinischer Notfall

Im Sommer herrscht „Katzenbiss-Saison“. Pro Jahr werden bis zu 30.000 Katzenbisse an die Haftpflichtversicherungen gemeldet.[1] Ob beim Spielen mit der Hauskatze oder durch den Kontakt mit streunenden Katzen – ein Katzenbiss ist schmerzhaft und kann darüber hinaus noch gefährlich für den Betroffenen werden. Etwa jeder zweite Biss ist infektiös.[1] Aber wie erkennt der Facharzt in der Sprechstunde, die Symptome einer Katzenbiss-Infektion an seinem Patienten? Und was ist bei der Behandlung von Patienten mit Katzenbissen zu beachten?

Durch die spitzen Zähne der Katze entstehen tiefe Punktionen, die insbesondere an der Hand kritisch werden können. In den Händen liegen die Knochen, Sehnen, Gefäß- und Nervenstränge direkt unter der Haut. Die Muskeln und die Haut werden durch drei Hauptnerven versorgt:

  1. Dem Speichennerv (Nervus radialis),
  2. dem Ellennerv (Nervus ulnaris) und
  3. dem Mittelnerv (Nervus medianus).

Sie sind durch die Sehnenscheiden geschützt. Ein Katzenbiss kann bis auf die Knochen, Gelenke und die Sehnenscheiden gehen. Wenn der Katzenbiss sich entzündet, kann es innerhalb weniger Stunden gefährlich werden.

Breites Erregerspektrum im Speichel der Katze

Das Keimspektrum im Speichel der Katze ist breit gefächert. Es enthält beispielsweise die Bakterien

  • Pasteurella multocida,
  • Staphylococcus aureus,
  • Staphylococcus saprophyticus und
  • Streptokokken

Wie Behandeln?Ein Patient mit einer Katzenbiss-Wunde sollte immer als Notfall eingestuft werden.

Patienten mit Bissverletzungen an Händen oder Fingern direkt zu einem Handchirurgen oder in ein Krankenhaus überweisen. In diesem Falle keine Antibiose verabreichen, da so das Keimspektrum intraoperativ nicht sicher bestimmt werden kann und Resistenzen entstehen können.

Im Falle einer konservativen Therapie stellen Sie die Wunde ruhig und spülen Sie diese aus.

Vorsicht: Drücken Sie die Keime während der Reinigung keinesfalls tiefer in die Haut hinein.

Verordnen Sie in solch einem Fall eine Antibiose.

Kontrollieren Sie die Wunde täglich, bis sie sich schließt und keine Hinweise für einen Infekt aufgetreten sind.

Indikation für ein operatives Vorgehen breit stellen, da im Falle einer fortgeschrittenen Infektion die Folgen gravierend sein können (z. B. Sepsis).

Keime wie Pasteurella multocida können längere Zeit ohne Sauerstoff in der Haut überleben (Anaerobier). Wenn eine Katze in die Hand beißt, dann bohren sich ihre langen Zähne in die Haut und drücken die bakteriellen Erreger tief hinein. Anaerobe Keime vermehren sich zügig in der (anaeroben) Tiefe der Wunde. Schließt sich die Wunde innerhalb von zwei Tagen, so können sich die Anaerobier an den Sehnen und an Sehnenscheiden entlang in den Körper ausbreiten. Ein Hand­chirurg muss dann eventuell die Sehnenscheiden in der Hand öffnen. Die Ausbreitung bakterieller Erreger kann aber auch

  • eine Sepsis,
  • Meningitis,
  • Endokarditis oder
  • die Amputation der betroffenen Gliedmaße zur Folge haben.

Die Symptome einer Infektion bei einer Katzenbisswunde

Indizien dafür, dass sich die Bisswunde entzündet hat, sind eine überwärmte, gerötete und geschwollene Hand. „Sie schmerzt und es kann zu eitrigen oder blutigen Sekretionen im Wundgebiet kommen. Der Patient nimmt oftmals eine Schonhaltung ein und klagt über einen Dehnungsschmerz. Die Funktionen der Hand oder der Finger sind meist eingeschränkt“, so Dr. med. Björn Kamphues, Unfallchirurg am Eduardus-Krankenhaus in Köln.

Hier wurden bereits in der ersten Jahreshälfte 2017 über 20 Patienten mit Katzenbissen behandelt. Die Dunkelziffer der Menschen mit Katzenbissen dürfte jedoch höher sein, weil viele die Infektionsgefährdung unterschätzen.

Ärztliche Vorgehensweise bei Katzenbisswunden

Bisse an Händen und Fingern kritisch

„Es kommt auf die Lokalisation der Wunde und die Wundtiefe an. Die Wunden werden jedoch, aufgrund der oberflächlich sichtbaren, kleinen Eintrittspforte, häufig unterschätzt“, erklärt der Unfallchirurg. Zunächst sollte der Arzt die Wunde auf ihre Tiefe, Sauberkeit und die Anzeichen einer Entzündung analysieren. „Bisse an der Hand oder in den Fingern, die direkt über Sehnen oder Nerven liegen, sind besonders kritisch. In diesem Fall, sollte der Patient direkt zu einem Handchirurgen oder einem Krankenhaus überwiesen werden“, so Dr. Kamphues.

Infektion innerhalb von Stunden

Lokale Infektionen treten meist innerhalb von ein paar Stunden auf. Kann ein Biss an einer Stelle lokalisiert werden, die nicht über Nerven oder Sehnen liegt und es gibt keine Anzeichen für eine Infektion, kann der Arzt die Wunde ruhig stellen. Er kann sie vorsichtig ausspülen. Beim Ausspülen der Wunde muss jedoch darauf geachtet werden, dass keine Keime tiefer in die Wunde gedrückt werden. Anschließend sollte er eine Antibiose verabreichen. Er sollte die Wunde täglich auf eine möglicherweise fortschreitende Infektion kontrollieren und führt die Behandlung weiter bis sich die Wunde schließt.

Fazit

Dr. Kamphues rät: „In jedem Fall, sollten Bissverletzungen durch Katzen ernst genommen und als Notfall eingestuft werden, auch wenn die Verletzung zunächst harmlos erscheinen sollte.“ Katzenbisse sind keine Bagatellverletzungen, sondern bedürfen wegen des Infektionsrisikos einer umgehenden ärztlichen Behandlung.

1 Deutsches Ärzteblatt 93, Heft 15, 12. April 1996 (49), S. A-969 – A-972

Amelie Kaufmann