Geschlechtsspezifische Unterschiede bei COPD

Frauen sind zunehmend von einer chronisch-obstruktiven Lungenfunktionsstörung (COPD) betroffen. Vor allem rauchende Frauen mit einer COPD holen zahlenmäßig auf. Genderspezifische Aspekte finden nach wie vor wenig Beachtung in klinischen Studien. Dr. Nadine Lossi, klinische Forschung im Bereich Atemwege, Novartis Pharma GmbH, Nürnberg, beleuchtete mehrere klinische Studien, die die genderspezifischen Aspekte bei einer COPD untersucht haben.

Die geschätzte Prävalenz der COPD in Deutschland liegt bei neun Prozent und nimmt mit steigendem Alter zu (2013). Bei Männern liegt die Prävalenz mit 10,1 Prozent höher als die der Frauen (7,6 Prozent).1 „Frauen und Männer liegen also recht nah beieinander“, sagte Lossi.


Frauen sind anfälliger für Lungen­funktionsstörungen

Frauen sind anfälliger für Tabak-­induzierte Lungenfunktionsstörungen.2 Das kann in der weiblichen Anatomie und Physiologie begründet sein3: Die Lunge der Frau ist nämlich kleiner und ihre Atemwege sind enger. Aber auch hormonelle Einflüsse spielen bei der rauchenden Frau eine Rolle. Eine norwegische Studie (2010) zeigte, dass Frauen mit COPD gegenüber Männern eine reduzierte Lungenfunktion (FEV1 % vom Soll) bei niedrigerer Tabak-Exposition haben.4


Rauchenden Frauen fällt es schwerer aufzuhören

Frauen sind auch bei der Rauchentwöhnung weniger erfolgreich als Männer, wie eine amerikanische Studie zeigt.5 Gepoolte Daten aus dem IGNITE Studienprogramm unterstützen diese Annahme: Während bei Frauen mit durchschnittlich 40 Packungsjahren fast die Hälfte nach der Studiendauer weiterrauchten, waren es bei den Männern mit 45 Packungsjahren nur 35 Prozent.6


Frauen mit COPD exazerbieren häufiger als Männer

Frauen haben häufiger Exazerbationen. Die Auswertung der ECLIPSE-­Studie zeigt, dass Frauen unabhängig vom Lungenfunktionsgrad im Jahr vor der Studie eine höhere Exazerbationsrate hatten als Männer.7 Eine Subgruppenanalyse der TORCH-Studie kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Frauen über einen Zeitraum von drei Jahren ein höheres Risiko hatten zu exazerbieren.8

Atemnot wird stärker empfunden

Die Atemnot ist das häufigste Symp­tom bei COPD-Patienten. Die TORCH-Studie weist auch darauf hin, dass Frauen bei gleicher Lungenobstruktion eine Atemnot gemessen am Medical Research Council Fragebogen zur Atemnot (MRC) stärker empfinden als Männer.8


Angstzustände bei Frauen häufiger

Eine italienische Studie hebt hervor, dass Frauen mit COPD häufiger unter Depressionen und Angstzuständen leiden.9 „Interessanterweise haben Frauen bei gleicher Lungenfunktionseinschränkung hier den Grad der Atemnot stärker empfunden als Männer“, bemerkte Lossi. Die ECLIPSE-Studie zeichnet ein ähnliches Bild unabhängig von einer Lungenfunktionseinschränkung: Bei Frauen wurden Depressionen häufiger diagnostiziert und behandelt als bei Männern.7


Schlechtere Lebensqualität

Frauen sind anfälliger für Lungenfunktionsstörungen, ihnen fällt es schwerer sich das Rauchen abzugewöhnen, sie exazerbieren häufiger und empfinden stärkere Atemnot als Männer mit COPD. Eine brasilianische Studie verdeutlicht (n=90), dass somit auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Frauen mit COPD stärker eingeschränkt ist als die von Männern mit COPD.10


Amelie Kaufmann

1Landis et al. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2014
2Han MK, et al. Am J Respir Crit Care Med 2007
3Sin DD, et al. Proc Am Thorac Soc 2007
4Sørheim IC, et al. Thorax 2010
5Scharf D, Shiffman S. Addiction 2004
6Fucile S, et al. A J of Respir Crit Care Med 2016
7Agusti A, et al. Respir Res 2010
8Celli B, et al. Am J Respir Crit Care Med 2011
9Di Marco F, et al. Respir Med 2006
10Ferrari R, et al. J Bras Pneumol 2010


Quelle: „Genderaspekte pneumologischer Erkrankungen“ der Task Force Pneumologinnen im Rahmen des 59. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. am 16. März 2018 in Dresden.