Wie entsteht eine Väterdepression?

Eine Studie der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Frankfurt untersucht die Vater-Kind-Bindung und die postnatale Depression bei Vätern.

Die postnatale Depression ist auch unter dem Namen Wochenbett­depression heutzutage weitreichend bekannt und auch erforscht. Ebenso gibt es zahlreiche Studien zu Faktoren und Entwicklung der Mutter-Kind-Beziehung und des so genannten Mutter-Kind-Bondings, des ersten Bindung stiftenden Kontakts zwischen typischerweise Mutter und Neu­geborenem direkt nach der Geburt. Anders hingegen sieht es auf Seiten der Väter aus. Weder zum Vater-Kind-Bonding noch zur Vater­-Kind-Bindung ist viel bekannt. Auch Depressionen nach der Entbindung bei Vätern fanden in der Wissenschaft bislang kaum Beachtung. Erste Studien geben jedoch Hinweise, dass auch fünf bis zehn Prozent der Väter von einer postnatalen Depression betroffen sein könnten.

Studie zu unerforschter Väterdepression

Elterliche Depressionen können schwerwiegende Folgen für die Entwicklung des Kindes haben und sollten unbedingt behandelt werden. Daher soll in einer Studie des Universitätsklinikums Frankfurt der Zusammenhang zwischen väterlicher Bindung zum Kind und Depression bei den Vätern untersucht werden. Hierfür werden aktuell noch Probanden gesucht. Studienleiterin ist die stellvertretende Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Frankfurt Dr. Sarah Kittel-Schneider. Sie wurde kürzlich mit dem Jules-Angst-Forschungspreis ausgezeichnet.
Risikofaktoren identifizieren

Bekannte Risikofaktoren für postnatale Depressionen bei Müttern sind unter anderem Frühgeburten, aber auch niedriges Einkommen oder psychiatrische Vorerkrankungen. Diese Faktoren könnten auch bei Vätern eine Rolle spielen. Neben den sozialen und psychologischen Indikatoren gibt es zudem biologische Marker, die möglicherweise schon in der Schwangerschaft Mütter mit einem Risiko für die Entwicklung einer Depression identifizieren könnten. Ein Beispiel ist der Nervenwachstumsfaktor BDNF (brain derived neurotrophic factor). In der Frankfurter Studie soll nun erstmals untersucht werden, ob dieser Faktor auch für Depressionen bei Vätern von Relevanz ist.

Über die DGBS
Die Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS, www.dgbs.de) wurde 1999 als gemeinnütziger Verein ins Leben gerufen und ist mit über 2000 Mitgliedern der zweitgrößte deutsche psychiatrische Fachverband. Sie ist ein unabhängiger, trialogisch aufgestellter Verband, der den Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen, Angehörigen, Professionellen sowie allen am Gesundheitswesen Beteiligten fördert. Hauptanliegen ist es, die Bedürfnisse von Menschen mit einer bipolaren Störung in Öffentlichkeit und Gesundheitspolitik zur Geltung zu bringen sowie die Forschung, Fortbildung und Selbsthilfe zu fördern.

 

Ganzheitliche Untersuchung soll zum Ergebnis führen

Um präzise Ergebnisse zu erhalten und externe Risikofaktoren auszuschließen, wird neben dem Vater auch die Mutter des Kindes in gleicher Weise untersucht. Paare können sich noch in der Schwangerschaft melden und werden dann über ein Jahr nach Entbindung des Kindes begleitet. Beim ersten Termin vor der Entbindung und drei, sechs und zwölf Monate nach Geburt des Kindes wird von den Eltern ein Fragebogen ausgefüllt sowie eine Blutprobe genommen.
So möchten die Frankfurter Forscher untersuchen, welche der verschiedenen Genvarianten des BDNF-Gens bei den Elternteilen vorliegen und welche Auswirkungen diese auf die Ausprägung und Aktivität des Gens sowie die Konzentration des Nervenwachstumsfaktors im Blut haben. Gleichzeitig werden diese Ergebnisse in Relation zur Entwicklung der Eltern-Kind-­Beziehung sowie zur persönlichen Stimmungslage gesetzt.

Mit Einverständnis der Eltern wird außerdem dem Kind kurz nach der Entbindung Nabelschnurblut abgenommen, um daraus ebenfalls die genetische Variante und die Verpackung des BDNF-Gens bestimmen zu können und das mit den Ergebnissen der Eltern zu vergleichen. Dies ist aber keine unbedingte Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie.

Teilnahmeinteressierte können sich per E-Mail melden unter: BindungVaterStudie@kgu.de. Eine individuelle Aussage über die Ergebnisse der Gentests kann nicht getroffen werden.

erstmalig vergeben - jules-angst-forschungspreisBipolare Störungen (DGBS) in München wurde die Leiterin der Studie Dr. Sarah Kittel-Schneider mit dem erstmalig vergebenen und mit 3.000 Euro dotierten Jules-Angst-Forschungspreis ausgezeichnet. Mit dem Forschungspreis sollen Nachwuchswissenschaftler unterstützt werden, die zur bipolaren Störung forschen. Prof. Jules Angst, Honorarprofessor der Universität Zürich, der selbst im Alter von 90 Jahren noch weiter über die bipolare Störung forscht, überreichte den Preis persönlich.

Genetische Ursachen der bipolaren Störung untersucht

Dr. Kittel-Schneider erhielt den Preis für ein Projekt, das sich den Wirkmechanismen von Lithium in der psychiatrischen Therapie widmet und ein Kandidatengen für die bipolare Störung, DGKH (Diacylglycerolkinase eta), näher untersucht. Dabei werden Nervenzellen, die aus Hautzellen gewonnen wurden, von Patienten, bei denen eine Lithiumtherapie wirksam ist und die eine bestimmte Variante des Risikogens tragen, sowie Patienten, bei denen Lithium nicht wirkt, verglichen. Diese Nervenzellen werden dann mit Lithium behandelt. So soll herausgefunden werden, wie die Signal­weitergabe innerhalb der Zellen bei denjenigen Patienten funktioniert, die diese mit der bipolaren Störung in Verbindung stehende Genvariante tragen, in Abhängigkeit von ihrem Ansprechen auf Lithium. Dies ist eine Weiterführung des schon begonnenen Projekts im Rahmen der Frankfurter Nachwuchsförderung. Das Projekt soll dazu beitragen, die Wirksamkeit der Therapie besser voraussagen zu können und neue Anwendungsfälle zu identifizieren. Gerade dieser interdisziplinäre Ansatz wurde von der Jury besonders hervorgehoben.

Quelle: Universitätsklinikum Frankfurt