Behandlung des diabetischen Fußes in der Hausarztpraxis

Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, davon entfallen circa 90 Prozent auf Diabetes Typ 2. Die Behandlung einer typischen Folgeerkrankung von Diabetes, der diabetische Fuß, ist eine Domäne in Hausarztpraxen.

Neben den durch Diabetes bedingten nekrotischen Veränderungen an der unteren Extremität werden von Haus­ärzten auch andere chronische Wunden behandelt, so zum Beispiel nach Verletzungen, bei arteriellen Durchblutungsstörungen oder venösen Grunderkrankungen. Je nach Genese der Wundheilungsstörungen der unteren Extremität kommen verschiedene Gebührenordnungspositionen (GOP) in Frage.

GOP bei Wundbehandlungen, die der Hausarzt abrechnen kann

In Kapitel 2 des EBM finden sich die GOP für die Berechnung von Behandlungen chronischer Wunden:

  • 02310: Behandlung sekundär heilender Wunden und/oder von Dekubitalulcera, einmal im Behandlungsfall… 205 Punkte.
  • 02311: Behandlung des diabetischen Fußes, je Bein, je Sitzung… 140 Punkte.
  • 02312: Behandlungskomplex eines oder mehrerer chronisch venöser Ulcera cruris, je Bein, je Sitzung… 55 Punkte.

Die Behandlung des diabetischen Fußes nach 02311 ist nur für Hausärzte berechnungsfähig, die im Durchschnitt der letzten vier Quartale je Quartal mindestens 100 Patienten mit Diabetes behandelt haben und die Qualifikation zur Durchführung von programmierten Schulungen für Diabetiker nachweisen können. Für den Nachweis von mindestens 100 Patienten mit Diabetes zählen alle Diabetes-Patienten, auch solche, bei denen keine Behandlung des diabetischen Fußes durchgeführt wurde.

Ausnahme-Kennziffer 32022 in der allgemeinmedizinischen Praxis

Unter Beachtung der Abrechnungsvoraussetzungen für die GOP 02311 stellt sich die Frage, wie ein Hausarzt die Behandlung von mindestens 100 Patienten mit Diabetes je Quartal nachweisen kann. Das kann einmal durch die Angabe entsprechender ICD-10-Codes bei den betreffenden Patienten oder aber direkt mit der Angabe der Labor-Ausnahmekennziffer 32022 geleistet werden.

Mit Wirkung ab dem 1. April 2018 haben sich bei Angabe der Ausnahmekennziffern Labor geänderte Konstellationen ergeben. Bei Angabe einer der Labor-Ausnahme-Kennziffern 32005 und 32023 – so bei Angabe der 32022 für Diabetes mellitus – wurden bisher alle in den entsprechend gekennzeichneten Fällen erbrachten und veranlassenden Laborleistungen nicht auf das Laborbudget angerechnet.

wichtigHausärzte, die in die Behandlung des diabetischen Fußes eingebunden sind, sollten eine Abrechnungs­genehmigung für die GOP 02311 anstreben

Gegenüber den GOP 02310 und 02312, die ebenfalls für die Behandlung von Wundheilungsstörungen der unteren Extremität berechnungsfähig sind, bietet die GOP 02311 erhebliche Vorteile

Die Labor-Ausnahme-Kennziffer 32022 bei allen Diabetikern angeben und dadurch dokumentieren wie viele Diabetiker im Quartal – möglichst über 100 – behandelt werden

Diese Regelung wurde zum zweiten Quartal 2018 geändert: Bei Angabe einer Ausnahme-­Kennziffer werden nur noch bestimmte Laborleistungen, die im Zusammenhang mit der angegebenen Erkrankung stehen, für die zum 1. April 2018 eingeführten Laborfallwertberechnungen nicht berücksichtigt. Da ab dem zweiten Quartal 2018 – im Gegensatz zur bisherigen Regelung – auch beim Ansatz der Ausnahmekennziffern der Laborbonus vergütet wird, sind die Ausnahmekennziffern in allen berechtigten Fällen anzugeben, gegebenenfalls bei multi­morbiden Patienten auch mehrere.

Wer mehr als 100 Patienten je Quartal behandelt, Abrechnung bei KV beantragen

Für die Ausnahme-Kennziffer 32022 bei Diabetikern bedeutet dies, dass bei allen Diabetikern die 32022 mit der Abrechnung anzugeben ist. Aus der Anzahl der angegebenen 32022 ist leicht zu ermitteln, ob mehr als 100 Patienten mit Diabetes je Quartal behandelt werden. Ist das der Fall, sollten Hausärzte unter Nachweis der Qualifikation zur Durchführung programmierter Schulungen bei der Kassenärztlichen Vereinigung die Abrechnung der GOP 02311 beantragen.

02310 nur einmal je Patient und Quartal

Die Behandlung sekundär heilender Wunden und/oder von Dekubitalulcera nach 02310 (205 Punkte/21,84 Euro) kann je Patient und Quartal nur einmal berechnet werden und setzt mindestens drei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte voraus.

Die Behandlung chronisch venöser Ulcera cruris nach 02312 (56 Punkte/5,97 Euro) ist zwar wie die 02311 je Bein und je Sitzung berechnungsfähig, unterliegt aber einer Höchstwertregelung von 4244 Punkten im Behandlungsfall, das entspricht 75-mal der Abrechnung der 02312.

Keine Höchstwertregelung für den Hausarzt bei GOP 02311

Dem gegenüber ist die 02311, ebenfalls je Bein und je Sitzung berechnungsfähig, mit 140 Punkten (14,92 Euro) höher bewertet und unterliegt keiner Höchstwert­regelung. Wird die 02311 abgerechnet ist in demselben Behandlungsfall die Behandlung sekundär heilender Wunden nach 02310 und die Behandlung von Ulcera cruris nach 02312 bei demselben Patienten in demselben Quartal von der Berechnung ausgeschlossen.