Überblick zu Änderungen in der Abrechnung 2018

Mit Beginn des Jahres 2018 ändern sich einige Punkte in der Abrechnung für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Eine Auswahl wesentlicher Neuerungen hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung zusammengestellt.

Abrechnung und Honorar

Orientierungswert um 1,18 Prozent gestiegen

Der Orientierungswert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen ist zum 1. Januar 2018 um 1,18 Prozent gestiegen. Er liegt derzeit bei 10,6543 Cent (vorher: 10,53 Cent). Die Anhebung bedeutet einen Honorarzuwachs von bundesweit circa 438 Millionen Euro.

Erste Stufe der Laborreform kommt zum 1. April 2018

Die Mindestquote für die Vergütung veranlasster Laboruntersuchungen wird von 91,58 auf 89 Prozent abgesenkt. Hinzu kommen individuelle Maßnahmen zur Mengensteuerung, die die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) einführen können. Um den Anreiz für eine wirtschaftliche Veranlassung von Laboruntersuchungen zu erhöhen, wird auch der Wirtschaftlichkeitsbonus neu ausgerichtet.

Wesentlicher Teil der Reform ist die neue Finanzierungssystematik für Laborleistungen. Aus dem Grundbetrag „Labor“, der mit Geldern aus dem haus- und fachärztlichen Honorartopf gespeist wird, werden ab April 2018 nur noch der Wirtschaftlichkeitsbonus und die auf Muster 10 veranlassten Laboruntersuchungen vergütet.

Alle anderen Positionen, zum Beispiel Untersuchungen im organisierten Notfalldienst oder in Laborgemeinschaften, werden in den jeweiligen Versorgungsbereich überführt. Damit sollen die Kosten für Laborleistungen gerechter auf Haus- und Fachärzte verteilt werden.

Auf einen Blick

Orientierungswert um 1,18 Prozent gestiegen

Erste Stufe der Laborreform kommt zum 1. April

Neue Leistung: Botoxbehandlung bei Blasenfunktionsstörung

Leistungen zur Hörgeräteversorgung neu bewertet

Prostataoperation mit Thulium-Laserresektion ab April Kassenleistung

Tumorgenetik: Neue EBM-Leistung - Nachweis der T790M-EGFR-Mutation

Humangenetische Beurteilung: GOP 11235 und 11236 weiterhin ohne QS-Vereinbarung

Neue GOP für die HLA- und HPA-Antikörperdiagnostik

iFOBT: Keine PFG bei GOP 01738

Neue Kassenleistung: Botoxbehandlung bei Blasenfunktionsstörung

Die Botoxbehandlung bei bestimmten Blasenfunktionsstörungen gehört seit Januar 2018 zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.

Urologen und Gynäkologen können die neuen GOP für die Behandlung und die Nachbeobachtung abrechnen, die Vergütung erfolgt extrabudgetär. Voraussetzung für die Abrechnung der Botoxbehandlung ist eine Genehmigung der KV.

Neue Kassenleistung ab April 2018: Prostataoperation mit Thulium-Laserresektion

Die Thulium-Laserresektion wird zum 1. April 2018 als weitere Methode zur Behandlung des obstruktiven benignen Prostatasyndroms in den Anhang 2 des EBM aufgenommen. Sie kann dann alternativ zur

  • transurethralen Resektion der Prostata,
  • zur Holmium-Laserresektion und
  • zur Holmium-Laserenukleation eingesetzt werden.

Ärzte benötigen eine Genehmigung ihrer KV.

Die Abrechnung erfolgt über die bereits bestehenden GOP für die Holmium-Laserverfahren: 

  • Für den laserendoskopischen urologischen Eingriff (OP-Kategorie RW3) mit einer Schnitt-Naht-Zeit bis 45 Minuten Dauer rechnen Ärzte die GOP 36289 ab.
  • Zudem gibt es einen Zuschlag je weitere 15 Minuten Schnitt-Naht-Zeit (GOP 36290).

Neue Kassenleistung: Tumorgenetik - Nachweis der T790M-EGFR-Mutation

Es wurde als sogenannte Companion Diagnostic der Nachweis der T790M-EGFR-Mutation vor der Gabe von Osimertinib (Tagrisso®) in den Abschnitt 19.4.4 EBM (In-vitro-Diagnostik tumorgenetischer Veränderungen zur Indikationsstellung einer pharmakologischen Therapie) aufgenommen.

Der Nachweis ist laut Fachinformation des Arzneimittels Tagrisso® eine zwingend erforderliche Leistung vor Verordnung bei erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom. Die Fachinformation sieht in diesem Fall auch die Möglichkeit der Bestimmung im Plasma vor.

Die Untersuchung wird abgebildet durch die indikationsbezogene GOP 19460 (Nachweis der T790M-EGFR-Mutation in freien Nukleinsäuren). Die Vergütung erfolgt wie für alle Leistungen des Abschnitts 19.4.4 extrabudgetär.

Humangenetische Beurteilung: GOP 11235 und 11236 weiterhin ohne Qualitätssicherungsvereinbarung

Für die Abrechnung der

  • GOP 11235 (Zuschlag zur GOP 11233 für komplexe genetisch bedingte manifeste Erkrankungen) und
  • GOP 11236 (Zuschlag zur GOP 11233 für Fehlbildungssyndrome bis zum vollendeten 18. Lebensjahr)

benötigen Ärzte eine Genehmigung ihrer KV. Da die Verhandlungen zu einer Qualitätssicherungsvereinbarung noch nicht abgeschlossen sind, können Ärzte bis Jahresende 2018 weiterhin beide GOP ohne Genehmigung abrechnen.

Neue Kassenleistung: LA- und HPA-Antikörperdiagnostik

Seit dem 1. Januar 2018 wird die HLA-Antikörperdiagnostik in der Systematik der HLA-Antigendiagnostik

  • als transplantationsvorbereitende Untersuchung im EBM-Abschnitt 32.3.15.1 und
  • als allgemeine immungenetische Untersuchung im Abschnitt 32.3.15.2 abgebildet.
  • Die bisherige GOP 32530 zum Nachweis von zytotoxischen Allo-Antikörpern wurde gestrichen und
  • als GOP 32915 (Abschnitt 32.3.15.1) und GOP 32939 (Abschnitt 32.3.15.2) fortgeführt.

Es gibt neue Leistungen zur weiteren Spezifizierung von Antikörpern gegen HLA-Antigene der Klassen I und II. Sie stehen jeweils in den Abschnitten 32.3.15.1 und 32.3.15.2 und berücksichtigen neue technische Verfahren in diesem Bereich.

Die Untersuchungen zum Nachweis und zur Spezifizierung von Allo-Antikörpern gegen HPA-Antigene wurden mit den GOP 32948 und 32949 neu in den EBM-Abschnitt 32.3.15.2 aufgenommen.

Bisher konnten niedergelassene Ärzte diese Leistungen nicht abrechnen. Mit diesen Anpassungen wird insbesondere den Anforderungen einer Versorgung mit histokompatiblen Blutprodukten im vertragsärztlichen Bereich Rechnung getragen. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

iFOBT: Keine Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung bei GOP 01738

Ab Abril 2018 gilt: Die GOP 01738 (Hämoglobin im Stuhl, immunologisch) gehört nicht zur fachärztlichen Grundversorgung. Ärzte erhalten deshalb keine Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung (PFG), wenn sie im Behandlungsfall die quantitative immunologische Bestimmung von occultem Blut im Stuhl (iFOBT) im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung abrechnen.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung