Was Ärzte bei Praxisvertretungen beachten sollten

Während Angehörige anderer Berufsgruppen bei Urlaubsantritt ihre Wirtschaftsräume abschließen und verreisen können, haben niedergelassene Ärzte, wenn sie ihre Praxistätigkeit über eine längere Zeit nicht persönlich ausüben, bestimmte Vorgaben zu beachten.

Bei Prüfungen der Abrechnungen oder der Verordnungen von niedergelassenen Ärzten wird häufig ein Abgleich mit dem Vorjahresvergleichsquartal vorgenommen. Bei Abweichungen wenden Ärzte dann häufig ein, sie seien im Vorjahresvergleichsquartal längere Zeit wegen Urlaub oder Krankheit an der Ausübung ihrer Praxis­tätigkeit gehindert gewesen, weshalb die Vergleichszahlen erheblich unterschiedlich ausfallen. Probleme können sich dann ergeben, wenn die Ausfallzeiten nicht bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gemeldet worden sind.

Pflicht ist die Meldung an die Kassenärztliche Vereinigung

Wird die Praxistätigkeit länger als eine Woche nicht persönlich ausgeübt, ist dies der KV unter Benennung der vertretenden Ärzte mitzuteilen.

Bei

  • Urlaub,
  • Krankheit,
  • Teilnahme an ärztlicher Fortbildung oder
  • an einer Wehrübung

ist eine Vertretung innerhalb von zwölf Monaten (nicht Kalenderjahr!) bis zu einer Dauer von drei Monaten ohne Genehmigung der KV möglich. Längere Vertretungszeiten sind auf Antrag möglich und werden in der Regel gestattet, zum Beispiel bei

  • längerer Erkrankung oder
  • bei Schwangerschaft.

Vertreter in der Praxis: Wie werden die Leistungen gewertet?

Alle Leistungen, die ein Vertreter in der Praxis erbringt, werden als Leistung der eigenen Praxis angerechnet und gewertet.

Der Vertragsarzt hat sich bei Beschäftigung eines Vertreters gemäß § 14 des Bundesmantelvertrags (BMV) davon zu überzeugen, dass der Vertreter die notwendigen Qualifikationen für die abgerechneten Leistungen erfüllt. Eine KV-Genehmigung für genehmigungspflichtige Leistungen muss der Vertreter nicht haben.

Qualifikation des vertretenden Arztes

Niedergelassene Ärzte können sich nach der Berufsordnung für die deutschen Ärzte grundsätzlich nur durch einen Arzt desselben Fachgebiets vertreten lassen.

Dabei bedeutet „grundsätzlich“, dass unter Umständen Ausnahmen möglich sind, so zum Beispiel, wenn der vertretende Arzt aufgrund seiner Weiterbildung die in der Praxis erbrachten Leistungsbereiche qualifiziert durchführen kann, zum Beispiel im Fachgebiet Gynäkologie ein gynäkologischer Assistenzarzt mit weit­gehend abgeschlossener Weiterbildung.

Haftung: Wer haftet für die Tätigkeit der ärztlichen Vertretung?

In § 14 Absatz 2 des BMV ist außerdem festgelegt, dass der Vertragsarzt für die Erfüllung der vertragsärztlichen Pflichten durch Vertreter in gleicher Weise haftet wie für seine eigene Tätigkeit. Führt zum Beispiel der Vertreter unwirtschaftliche Behandlungen durch und kommt es zu einer Prüfung der Wirtschaftlichkeit der Behandlungsweise mit einem Regress, wird der Praxisinhaber in die Pflicht genommen. Dasselbe gilt für Verordnungen.

Vertretung durch andere Arztpraxen

Außer der Mitteilung an die KV beinhaltet diese Vertretungsform keine Probleme. Die vertretenden Ärzte rechnen die erbrachten Leistungen über Vertreterscheine als eigene Leistungen mit der KV ab.

  • wichtigWird die Praxistätigkeit länger als eine Woche nicht persönlich ausgeübt, ist eine Meldung an die KV erforderlich
  • Bei Vertretungen sind der KV die Vertreter zu benennen
  • Vertretungen grundsätzlich nur durch Ärzte desselben Fach­gebietes
  • Vertreter auf wirtschaftliche Behandlungs- und Verordnungsweise hinweisen
  • Der Praxisinhaber haftet für die wirtschaftliche Tätigkeit der Vertreter
  • In Gemeinschaftspraxen bei gegenseitigen Vertretungen Leistungen, die bei Patienten der Kollegen der Gemeinschaftspraxis erbracht werden, unter der eigenen Arztnummer abrechnen

Ärzte Vertretung in Gemeinschaftspraxen


In Gemeinschaftspraxen rechnet jeder Arzt die erbrachten Leistungen unter seiner eigenen Arztnummer ab. Das gilt auch im Vertretungsfall.


Erbringt ein Arzt in einer Gemeinschaftspraxis Leistungen bei Patienten eines anderen Arztes, hat er die erbrachten Leistungen unter seiner Arztnummer abzurechnen. Dabei ist zu beachten, dass der vertretende Arzt nur Leistungen abrechnen kann, für die er ebenso wie der vertretene Arzt eine KV-Genehmigung hat, falls genehmigungspflichtige Leistungen erbracht und abgerechnet werden.

Diesbezüglich hat es in Gemeinschafts­praxen Streichungen gegeben, weil von Vertretern genehmigungspflichtige Leistungen ohne Vorliegen einer entsprechenden Genehmigung abgerechnet wurden.