Was ist bei der Abrechnung der psychosomatischen Grundversorgung zu beachten?

Bei Stichprobenprüfungen ist vermehrt aufgefallen, dass bei den psychosomatischen Positionen 35100 und 35110 die Abrechnungsvoraussetzungen nicht ausreichend beachtet, beziehungsweise nicht dokumentiert wurden.

Aufgrund der festgestellten Auffälligkeiten bei den psychosomatischen Ziffern wollen die Kassenärztlichen Vereinigungen verstärkt die korrekte Abrechnung überprüfen. Deswegen werden nachfolgend die Abrechnungsvoraussetzungen für die Positionen 35100 und 35110 erläutert.

Unabdingbar: Psychosomatische Diagnose angeben

Die meisten Beanstandungen gab es, weil bei Abrechnung der 35100 und 35110 keine entsprechende psychosomatische Diagnose angegeben wurde.

Neben einer somatischen setzt die Abrechnung dieser Positionen immer auch die Angabe einer psychosomatischen Dia­gnose voraus.

Beispiele:

  • Angst- und Zwangsstörungen,
  • psychisch bedingte sexuelle Funktionsstörungen,
  • psychisch bedingte Essstörungen,
  • psychische Reaktionen auf außergewöhnliche schwere Belastungen wie Trauerfall, Trennung, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen etc..

Was muss die Dokumentation bei der psychosomatischen Diagnose beinhalten?


Die alleinige zusätzliche Angabe einer psychosomatischen Diagnose allein begründet die Abrechnung der 35100 und 35110 nicht ausreichend. Laut Leistungslegende zur Nummer 35100 ist ein schriftlicher Vermerk über die ätiologischen Zusammenhänge (der somatischen und der psychosomatischen Erkrankung) obligater Leistungsinhalt.


Die Dokumentation der ätiologischen Zusammenhänge kann stichwortartig erfolgen, aber in einem Modus, dass ein fachkundiger Kollege die Zusammen­hänge zwischen der somatischen und psychosomatischen Erkrankung nachvollziehen kann.

Auch hier gab es zahlreiche Beanstandungen, weil zwar sowohl für den somatischen als auch den psychosomatischen Bereich eine entsprechende ­Diagnoseangabe erfolgte, die ätiologischen Zusammenhänge aber nicht dokumentiert waren.

Immer somatischewichtig und psychosomatische Diagnose angeben.

Die ätiologischen Zusammenhänge zwischen Somatik und Psychosomatik dokumentieren.

Bei Interventionen nach 35110 die ­Interventionsinhalte dokumentieren.

Mindestdauer für 35100 und 35110 fünfzehn Minuten.

Die 35110 kann bis zu dreimal an einem Tag berechnet werden anlässlich verschiedener Konsultationen (mit Uhrzeitangabe).

Immer erst Differentialdiagnostik nach 35100 erbringen, dann verbale Interventionen nach 35110.

Bei Abrechnung der Intervention nach Nummer 35100 sind die wesentlichen Interventionsinhalte, ebenfalls zumindest stichwortartig, zu dokumentieren. Auch hier muss ein fachkundiger ­Kollege anhand der Dokumentation nachvollziehen können, welche psychosomatischen Interventionsinhalte bei Abrechnung der Nummer 35110 erbracht wurden.

Zeitvorgaben der 35100 EBM

Die Mindestdauer für die Berechnung der 35100/35110 beträgt 15 Minuten. Bei länger dauernder Leistungserbringung resultiert keine weitere Abrechnungsmöglichkeit.


Interventionen nach Nummer 35110 können bis zu dreimal an einem Tag abgerechnet werden, allerdings nur, wenn die Erbringung anlässlich dreier verschiedener Konsultationen (jeweils mit ­Uhrzeitangabe) erfolgte und drei Interventionen an einem Tag erforderlich waren, zum Beispiel bei einem akuten psychosomatischen Geschehen.


Erst 35100, dann 35110

Es wurde auch beanstandet, dass in einigen Fällen verbale Interventionen nach 35110 abgerechnet wurden ohne vorherige Differenzialdiagnostik nach 35100.

Die Differenzialdiagnostik kann auch in früheren Quartalen erbracht worden sein, im Zweifelsfall muss aber belegt werden können, dass primär die Differenzialdiagnostik durchgeführt wurde und dann erst verbale Interventionen erfolgten.

Dem Vernehmen nach wollen und werden die Kassenärztlichen Vereinigungen Prüfungen der sachgerechten Abrechnung der psychosomatischen Positionen nicht nur bei Stichproben nach dem Zufallsprinzip, sondern auch gezielt durchführen und dabei auch die Dokumentationen einbeziehen und prüfen. Um Streichungen zu vermeiden, sollten Ärzte bei Abrechnung der 35100/35110 unbedingt die vorstehenden Hinweise beachten.