Welche Rolle ein Nährstoffmangel bei der Prävention und Therapie von Volkskrankheiten spielt, welche Biofaktoren in welchem Alter besonders wichtig sind und wie Arzneimittel zu Biofaktor-Räubern werden können, erfahren Sie im Dossier „Biofaktoren“.
Unser Experte Herr Prof. Dr. med. Klaus Kisters, Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, stellvertretender Leiter des Dialysezentrums Herne und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) beantwortet gerne Ihre Fragen.
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Welche Rolle spielt Zink bei Akne?
Zink ist für Zellteilungs- und Wachstumsprozesse von zentraler Bedeutung. Zink reguliert den Vitamin-A-Stoffwechsel und beeinflusst Entwicklung und Differenzierung von Haut und Schleimhaut. Zudem wirkt Zink antibakteriell, antientzündlich und antiandrogen, kann die Wundheilung fördern und das Immunsystem stärken. Alle diese Effekte machen Zink als Therapieoption in der Behandlung einer Akne vulgaris für den Dermatologen interessant. Auch Prof. Dr. med. Hans Georg Classen, Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) weist aufgrund positiver Studienergebnisse darauf hin, dass eine gezielte Zink-Supplementierung bei entzündlicher Akne helfen kann.
Akne vulgaris ist nicht auf die Pubertät beschränkt, auch Erwachsene können erkranken. Neben hormonellen Ursachen, falscher Ernährung und Hautpflege sowie Stress können Akne-Patienten unter Zinkmangel leiden und insbesondere bei schwer entzündlicher Akne konnten signifikant niedrigere Zinkspiegel gemessen werden.1,2 Umgekehrt zeigten sich orale Zinksupplemente zum Ausgleich eines Zinkmangels erfolgreich in der Behandlung einer entzündlichen Akne.3,4 Der Biofaktor hat sich als wirksam gegen unreine Haut gezeigt und kann das Hautbild bei Akne verbessern.5
Beispielsweise wurde in einer doppelblind-randomisierten dreimonatigen Studie an 332 Teilnehmern nachgewiesen, dass die Supplementierung von 30 mg Zink entzündliche Aknepusteln um bis zu 50 % reduzieren kann und damit vergleichbare Ergebnisse in der Behandlung einer Akne vulgaris wie die tägliche Gabe von 100 mg des Antibiotikums Minocyclin zeigt.6 „Der Biofaktor Zink wirkte zwar nicht ganz so stark wie Minocyclin, war aber wesentlich verträglicher als die Standardtherapie mit Antibiotika“, bestätigte auch Prof. Classen.
Zink wirkt antientzündlich, bakteriostatisch und antiandrogen
Der Biofaktor Zink ist in zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper involviert. Über 300 Enzyme enthalten Zink oder werden durch Zink aktiviert. Der Körperbestand eines Erwachsenen liegt bei 2 g Zink, wovon etwa 98 % in den Zellen vorliegen.1
Ist Zink in ausreichender Menge im Körper vorhanden, hemmt es das Enzym 5-alpha-Reduktase, das bei der Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) eine maßgebliche Rolle spielt. DHT ist an der Talgproduktion beteiligt und fördert dadurch die Entstehung einer entzündlichen Akne. Durch Supplementierung von hochdosiertem Zink kann die DHT-Konzentration gesenkt und die Aknesymptomatik vermindert werden.3
Zink: Therapieoption bei Schwangerschaftsakne
Durch die hormonellen Veränderungen während einer Schwangerschaft verschlechtert sich häufig das Hautbild der Frau. Zudem ist in Schwangerschaft und Stillzeit der Zinkbedarf erhöht8, und der Ausgleich eines Zinkmangels in der Behandlung der Schwangerschaftsakne hat sich als hilfreich gezeigt.9 Aufgrund antibiotikabedingter Nebenwirkungen und der Tatsache, dass Schwangere von der Therapie mit Antibiotika und Antiandrogenen ausgeschlossen sind, ist eine orale Zinksupplementation eine gute Therapieoption für Schwangere. „Aber auch für andere Akne-Patienten mit bekannten Kontraindikationen gegenüber der Standardtherapie kann der Biofaktor eine wichtige Alternative sein“, betont der Mediziner Classen.
Wer zählt zu den Risikogruppen für einen Zinkmangel?
| Phytatgehalt | Zink-Referenzwerte | |
| für Frauen | für Männer | |
| Niedrig | 7 mg/Tag | 11 mg/Tag |
| Mittel | 8 mg/Tag | 14 mg/Tag |
| Hoch | 10 mg/Tag | 16 mg/Tag |
Der nationalen Verzehrsstudie II zufolge nehmen in Deutschland 17 – 44 % der Menschen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht alimentär weniger Zink auf, als von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen.10 Da der Biofaktor insbesondere in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vorkommt – Fleisch, Austern und Meerestiere, Eier, Milch und Milchprodukte – sind vor allem Veganer und Vegetarier gefährdet. Auch bei Senioren ist die Zufuhr über die Ernährung häufig unzureichend. Zusätzlich steigt – wie bereits erwähnt – das Risiko für einen Zinkmangel, wenn Schwangerschaft und Stillzeit den Zinkbedarf erhöhen. Zudem kann die Zinkresorption vermindert sein, zum Beispiel bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Zöliakie oder Darmresektionen. Diabetes mellitus sowie die Einnahme diverser Medikamente wie ACE-Hemmer, Diuretika und Kortikoide führen zu einer erhöhten renalen Ausscheidung des Biofaktors.1,4
Die DGE11 setzt ihre Zufuhrempfehlungen für die Tagesmenge von Zink für Erwachsene in Relation zum Phytatgehalt der aufgenommenen Nahrung. Eine hohe Phytatzufuhr – vor allem in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthalten – kann die Bioverfügbarkeit von Zink um bis zu 45 % reduzieren.
Das sollte bei der Zink-Supplementierung beachtet werden
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Tageshöchstmenge von Zink in Nahrungsergänzungsmitteln von maximal 6,5 mg.14 Die therapeutische Zinkzufuhr bei einem Zinkmangel im Rahmen der Behandlung von Hauterkrankungen liegt mit 10 – 50 mg pro Tag deutlich höher und kann über entsprechend zugelassene Arzneimittel gedeckt werden.
„Die Zinkresorption kann durch Eisen beeinträchtigt werden. Personen, die Eisen-Supplemente einnehmen, insbesondere Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit, sollten daher auf eine ausreichende Zinkzufuhr achten“, warnte Prof. Classen.
Auch die Art der zur Supplementierung verwendeten Zinksalze spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung, sowohl für die Resorption als auch die Verwertung. Zink-Supplemente sollten gut verträglich sein und sich durch eine hohe Bioverfügbarkeit auszeichnen. Organische Verbindungen, zu denen beispielsweise Zinkorotat oder Zinkgluconat zählen, können vom Körper besser aufgenommen werden als anorganische Verbindungen wie Zinkoxid oder Zinksulfat, wobei unter den anorganischen Verbindungen Zinkoxid schlechter bioverfügbar ist als Zinksulfat.12
Fazit
Zinkstatus bei entzündlicher Akne beachten
Aufgrund der immensen Bedeutung von Zink für den Hautstoffwechsel und der positiven wissenschaftlichen Nachweise empfiehlt sich für die tägliche Praxis, dass der Ausgleich eines Zinkmangels sowie der Therapieversuch mit einer hochdosierten Zink-Supplementierung in der Behandlung einer entzündlichen Akne einen festen Stellenwert einnehmen sollte.
Informationen zum Nachweis eines Zinkmangels finden Sie im Beitrag „Neurodermitis und Biofaktorenstatus – Tipps für die Diagnostik“
Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de
Welche Rolle ein Nährstoffmangel bei der Prävention und Therapie von Volkskrankheiten spielt, welche Biofaktoren in welchem Alter besonders wichtig sind und wie Arzneimittel zu Biofaktor-Räubern werden können, erfahren Sie im Dossier „Biofaktoren“.
Unser Experte Herr Prof. Dr. med. Klaus Kisters, Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, stellvertretender Leiter des Dialysezentrums Herne und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) beantwortet gerne Ihre Fragen.
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