Stress und seine Folgeerkrankungen können auf unterschiedliche Weise angegangen werden. Eine optimale Versorgung mit Magnesium, Vitamin D und Vitamin B12 kann unterstützen, Stress-bedingte Symptome und Erkrankungen zu mildern.
Chronischer Stress erhöht das Risiko für Erkrankungen – beispielsweise Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depressionen. Um Stress und seine negativen Folgen anzugehen, ist neben mentalem Stressabbau, einer bewussteren Lebensweise und gesunder Ernährung auch die optimale Versorgung mit den Biofaktoren Magnesium, Vitamin D und Vitamin B12 essenziell.
In der täglichen Praxis zeigt sich: Immer mehr Menschen fühlen sich gestresst. Statistiken zeigen, dass bis zu 80 % der Befragten zumindest gelegentlich unter Stress leiden und dass die Anzahl krankheitsbedingter Fehltage aufgrund von Stress und seinen gesundheitlichen Folgen weiterhin ansteigt (1-3).
Das Stressmodell von Selye (4)
Bereits 1936 beschrieb der Mediziner Hans Selye Stress als „unspezifische Reaktion des Körpers auf äußere Bedrohungen“. Seine Theorie unterschied drei Phasen:
Alarmreaktion: Adrenalin- und Cortisol-Ausschüttung versetzen den Körper in höchste Alarmbereitschaft, wodurch Blutdruck, Blutzucker und Puls ansteigen.
Widerstand: Der Organismus passt sich an und erhält ein erhöhtes Stressniveau aufrecht.
Erschöpfung: Bei dauerhafter Belastung erschöpfen sich die Ressourcen, und gesundheitliche Schäden können entstehen.
Vom klassischen zum modernen Stressmodell
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Verständnis von Stress deutlich verändert. Was bedeutet das konkret? Neue Modelle betrachten Stress weniger als eine Reiz-Reaktions-Kette, sondern als einen komplexen Anpassungsprozess des gesamten Organismus.
Das Allostase-Modell (5-9)
Stress wird als ein dynamischer Anpassungsprozess verstanden. Der Körper versucht, durch physiologische und psychologische Mechanismen, ein Gleichgewicht – die sogenannte Allostase – aufrechtzuerhalten. Wenn der Anpassungsprozess dauerhaft überfordert wird, entsteht eine allostatische Last, die körperlich und psychisch erschöpfen kann. Eine Schlüsselrolle spielen die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) und das autonome Nervensystem. Unter Stress wird Cortisol ausgeschüttet, begleitet von Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone regulieren die Stressantwort, können aber bei chronischer Belastung die Serotoninfreisetzung hemmen und den Spiegel des Brain-derived neurotrophic factor (BDNF) senken, was negative emotionale Zustände begünstigt.
Das GUTS-Modell (10,11)
Nach diesem Modell (Generalized Unsafety Theory of Stress) werden anhaltende Stressreaktionen nicht primär durch spezifische Stressoren ausgelöst, sondern bereits durch ein meist diffus empfundenes Gefühl der Unsicherheit – beispielsweise durch gesundheitliche Sorgen, Einsamkeit oder einen geringen sozialen Status. Dieses unsichere Gefühl muss nicht einmal bewusst wahrgenommen werden. Eine unbewusste, diffuse Wahrnehmung von Unsicherheit kann zu einer chronischen Aktivierung der Stressreaktion führen. Die Wahrnehmung von Sicherheit oder Unsicherheit wird vor allem vom Vagusnerv und dem präfrontalen Kortex gesteuert.
CME: “Bei Stress auch an den Biofaktorenstatus denken”: Hier weiterlesen
Autor
Prof. Dr. med. Hans Georg Classen Universität Hohenheim
Autor
Prof. Dr. med. Klaus Kisters MVZ Praxisklinik und Dialysezentrum Herne, WWU Münster Wiescherstraße 20 44623 Herne
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