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Gynäkologie, Urologie, CME Urologie, Gynäkologie CME
Fortbildung

Sexuell übertragbare Infektionen in der Praxis: Anamnese, Diagnostik und Versorgung

Ziel dieser Fortbildung ist es, zu zeigen, wie STIs in der Regelversorgung mitgedacht werden können. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einer kurzen, wertfreien Sexualanamnese, expositionsbezogener Diagnostik, syndromorientierter Einordnung, leitliniengerechter Therapie und konsequentem Partner:innenmanagement.


07.08.2026 - 06.08.2027
T. Beckmeier et al.
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3 CME-Punkte
Schlüsselwörter: Sexuell übertragbare Infektionen (STI), Gonorrhö, Chlamydien, HIV, Syphilis, Mycoplasma genitalium, Trichomoniasis, Herpes genitalis, HPV

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) begegnen niedergelassenen Ärzt:innen häufig, stellen sich aber selten auf den ersten Blick als solche dar. Der Beitrag zeigt, wie STI ohne Spezialsprechstunde in die Routineversorgung integriert werden können. Im Vordergrund steht ein praxistauglicher Workflow für Hausarztpraxis, Urologie und Gynäkologie.

CME: Sexuell übertragbare Infektionen in der Praxis: Anamnese, Diagnostik und Versorgung


1. Einleitung

In der ambulanten Versorgung werden STI selten mit fertiger Diagnose präsentiert. Häufig beginnt die Situation unspektakulär: Eine Patientin kommt zur Pillenverlängerung, ein Patient berichtet über Dysurie, jemand fragt zunächst nur wegen einer möglichen Schwangerschaft nach Folgen von ungeschütztem Kontakt. Gerade in solchen alltäglichen Konsultationen entscheidet sich, ob STI mitgedacht oder übersehen werden.

Aktuelle europäische und deutsche Surveillance-Daten zeigen hohe beziehungsweise steigende Fallzahlen bei Gonorrhö, Chlamydien und Syphilis. Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mit diskreten Beschwerden; rektale und pharyngeale Lokalisationen bleiben ohne gezielte Anamnese leicht unentdeckt. Zugleich erschweren antimikrobielle Resistenzen, besonders bei Neisseria gonorrhoeae und Mycoplasma genitalium, die Versorgung. Ein strukturiertes Vorgehen ist daher nicht nur infektiologisch, sondern auch präventiv relevant (1-10).

Merke: STI-Versorgung beginnt nicht im Labor, sondern mit einer Gesprächssituation, in der die Sexualität, Praktiken und Expositionen sachlich benannt werden können.

2. Epidemiologie und klinische Relevanz

Für 2023 meldete das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in der EU/im europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 96.969 bestätigte Gonorrhö­fälle, 230.199 Chlamydienfälle und 41.051 Syphilis­fälle. Für Deutschland berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) 9.159 Syphilisfälle im Jahr 2023 und 9.519 Fälle im Jahr 2024, ein neuer Höchststand seit Einführung der aktuellen Surveillance (3-7). Diese Zahlen bilden jedoch nicht die gesamte Krankheitslast ab, weil Testverhalten, Screeningprogramme und Meldewege stark beeinflussen, was sichtbar wird.

Klinisch relevant ist vor allem, dass STIs häufig nicht dramatisch beginnen. Chlamydieninfektionen bleiben bei der Zervix oft asymptomatisch, können aber Zervizitis, aufsteigende Infektionen, Pelvic inflammatory disease (PID), chronische Beschwerden, Schwangerschaftskomplikationen und Fertilitätsstörungen begünstigen. Gonokokken können urethral, zervikal, rektal, pharyngeal, konjunktival oder disseminiert auftreten. Syphilis imitiert viele Krankheitsbilder und sollte bei Ulzera, Exanthemen, Schleimhautläsionen sowie neurologischen oder okulären Symp­tomen mitgedacht werden (1-7).

CME “Sexuell übertragbare Infektionen in der Praxis: Anamnese, Diagnostik und Versorgung”: Hier weiterlesen

1 Deutsche STI-Gesellschaft. Leitfaden STI-Therapie, Diagnostik und Prävention. 4. Aufl. Berlin: DSTIG; 2023/2024.

2 Deutsche STI-Gesellschaft. Sexuell übertragbare Infektionen (STI) - Beratung, Diagnostik, Therapie. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernr. 059-006; Stand 03.08.2018, in Überarbeitung.

3 World Health Organization. Updated recommendations for the treatment of Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis and syphilis, syphilis testing and partner services. Geneva: WHO; 2024.

4 European Centre for Disease Prevention and Control. Gonorrhoea. Annual epidemiological report for 2023. Stockholm: ECDC; 2025.

5 European Centre for Disease Prevention and Control. Chlamydia. Annual epidemiological report for 2023. Stockholm: ECDC; 2025.

6 European Centre for Disease Prevention and Control. Syphilis. Annual epidemiological report for 2023. Stockholm: ECDC; 2025.

7 Jansen K, Bremer V, Dudareva-Vizule S et al. Syphilis in Deutschland in den Jahren 2023 und 2024. Epidemiologisches Bulletin 2025;39:3-14.

8 European Centre for Disease Prevention and Control. Gonococcal antimicrobial susceptibility surveillance in the European Union/European Economic Area, 2023. Stockholm: ECDC; 2025.

9 Unemo M et al. WHO global antimicrobial resistance surveillance for Neisseria gonorrhoeae 2017-2018: a retrospective observational study. Lancet Microbe 2021;2(11):e627-e636. DOI: 10.1016/S2666-5247(21)00171-3

10 Jensen JS et al. 2021 European guideline on the management of Mycoplasma genitalium infections. J Eur Acad Dermatol Venereol 2022;36(5):641-650. DOI: 10.1111/jdv.17972.

11 de Vries HJC et al. 2019 European guideline on the management of lymphogranuloma venereum. J Eur Acad Dermatol Venereol 2019;33(10):1821-1828. DOI: 10.1111/jdv.15729

12 Deutsche AIDS-Gesellschaft, Österreichische AIDS-Gesellschaft. Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Präexpositionsprophylaxe. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernr. 055-008, Version 2.0; 2024.

13 Ständige Impfkommission. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Epidemiologisches Bulletin 2026;4:1-75.

14 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe et al. Empfehlungen zur Betreuung und Versorgung von weiblichen Betroffenen sexualisierter Gewalt. S1-Leitlinie, AWMF-Registernr. 015-097; 2026.

15 Giannou FK et al. Condom effectiveness in reducing heterosexual HIV transmission: a systematic review and meta-analysis of studies on HIV serodiscordant couples. Expert

Autor

Dr. med. Konrad Matuschek
Facharzt für Gynäkologie

Autor

Dr. med. Maximilian Cohausz
Facharzt für Urologie

Autor & Korrespondenzadresse
Dr. med. Tim Beckmeier
Facharzt für Allgemeinmedizin und Anästhesiologie
Hausarztpraxis Hüscheid
Burscheider Str. 204
51381 Leverkusen