Welche Biofaktoren können die Wundheilung fördern?

Biofaktoren wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind in zahlreiche körpereigene Prozesse involviert und spielen auch bei der Wundheilung eine wichtige Rolle. Bei Wundheilungsstörungen empfiehlt es sich, gezielt auf die Versorgung mit den Vitaminen A, C und D und dem Spurenelement Zink zu achten.

Vitamin A unterstützt den Aufbau neuer Haut

Das essenzielle, lipidlösliche Vitamin A – auch Retinol genannt – ist an allen Stadien der Wundheilung, vor allem an den Phasen der Epithelisation und Granulation, beteiligt.1 Der Biofaktor spielt bei der Zellproliferation und Zelldifferenzierung beispielsweise von Fibroblasten, bei der Kollagensynthese, bei der Vernetzung von Kollagenfasern und bei der Epithelisation eine wichtige Rolle. Durch Stimulation von Monozyten und Makrophagen fördert der Biofaktor die Immunabwehr und kann den Infektionsschutz verbessern. Es gibt zahlreiche experimentelle und einige Humanstudien zur positiven Wirkung einer systemischen oder topischen Anwendung von Vitamin A auf akute und chronische Wunden.2,3

Vitamin C wirkt antioxidativ und fördert die Kollagensynthese

Vitamin C bzw. Ascorbinsäure spielt durch seine Beteiligung an der Kollagenbiosynthese als Kofaktor bei der Hydroxylierung der Aminosäuren Lysin und Prolin und bei der Ausbildung stabiler Kollagenfibrillen ebenfalls eine wichtige Rolle im Hautstoffwechsel.4 Der Biofaktor fördert die Bildung und Vernetzung von Kollagen, erhält es elastisch und ist für die Regeneration von Gewebe, zur Unterstützung von Wundheilung und Narbenbildung sowie für ein intaktes Bindegewebe von Bedeutung. Auch als Bestandteil des körpereigenen antioxidativen Schutzsystems und aufgrund seiner Beteiligung an der Lymphozyten- und Antikörpersynthese zur Eindämmung von Entzündungen wirkt sich Vitamin C positiv auf die Wundheilung aus.5 Vitamin-C-Supplemente können beispielsweise die Heilung von Dekubitalulzera und chirurgischen Wunden verbessern.6 Allerdings sind die meisten Daten aus experimentellen Untersuchungen; evidenzbasierte klinische Studien sind zum jetzigen Zeitpunkt noch spärlich und zum Teil indifferent.7,8

Vitamin D3 fördert die Zellteilung

Der Biofaktor reguliert verschiedene Hautprozesse, die von Zellproliferation, Differenzierung und Apoptose bis hin zur Aufrechterhaltung der Hautbarriere durch Unterstützung der Reifung hornbildender Zellen in der obersten Hautschicht und Immunfunktionen reichen.9 Die Studienlage deutet auf einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D3-Spiegeln und dem Auftreten von Wundheilungsstörungen hin. Allerdings gilt es noch zu prüfen, ob dieser Zusammenhang kausal oder nur korrelativ ist.10 Auch gibt es positive Hinweise auf den Nutzen von Vitamin-D3-Supplementen zur Behandlung schwer heilender Wunden. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie führte beispielsweise eine 12-wöchige Vitamin-D3-Supplementierung zu einer signifikanten Verringerung der Geschwürlänge, -breite und -tiefe bei Patientinnen und Patienten mit diabetischem Fußulkus.11

Was kann Zink in der Wundheilung bewirken?

  • Zink ist wichtig für Regenerationsprozesse und die Proliferation und Differenzierung von Zellen. Durch gesteigerte Zellteilung kann der Biofaktor den Wundverschluss unterstützen und die Wundheilung fördern.12
  • Zink reguliert den Vitamin-A-Stoffwechsel.
  • Zink wirkt antibakteriell und antientzündlich.
  • Zink ist wichtig für die Immunabwehr.
  • Zink fördert die Neubildung von Proteinen, um zerstörtes Wund­gewebe zu regenerieren.13,14
  • Zur Verbesserung der Wundheilung wird nicht nur die topische, sondern auch die orale Zink­anwendung genutzt.

Wissenschaftliche Untersuchungen – teilweise bereits aus dem letzten Jahrhundert – konnten die Relevanz des Biofaktors für die Wundheilung nach Verbrennungen15,16, chirurgischen Eingriffen17,18 oder bei Dekubitus19,20 nachweisen. Auch Patientinnen und Patienten mit diabetischen Fußulzera profitieren von der wundheilungsfördernden Wirkung von Zink.21

Am 15. Oktober 2022 findet das jährliche Symposium der GfB als Online-Veranstaltung zum Thema „Biofaktoren und Bewegung. Welche Relevanz haben Vitamine und Mineralstoffe für Mobilität und Leistungsfähigkeit?“ statt. Weitere Infos unter www.gf-biofaktoren.de.

Fazit für die Praxis

Bei Patientinnen und Patienten mit Wundheilungsstörungen empfiehlt es sich, auf den Status der Vitamine A, C und D und Zink zu achten. Dabei sollte der gezielte Ausgleich eines Mangels der genannten Biofaktoren einer pauschalen Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmitteln vorgezogen werden.

Weitere Informationen, vor allem zu Laboranalytik, Mangelsymptomatik und Zufuhrempfehlungen erhalten Sie unter www.gf-biofaktoren.de.

Literatur

1 Scholl D et al.: Nutrient recommendations for wound healing. J Intraven Nurs 2001; 24(2): 124-132
2 Zinder R et al.: Vitamin A and Wound Healing. Nutr Clin Pract 2019 Dec; 34(6): 839-849
3 Keshmiri Neghab H et al.: An in vitro model for investigation of vitamin A effects on wound healing. Int J Vitam Nutr Res 2021 Sep; 91(5-6): 385-390
4 Moores J: Vitamin C: a wound healing perspective. Br J Community Nurs 2013 Dec; S6: S8-S11
5 Schols JM et al.: Nutritional support in the treatment and prevention of pressure ulcers: an overview of studies with an arginine enriched oral nutritional supplement. J Tissue Viability 2009; 18(3): 72-79
6 Fukushima R et al.: Vitamin C requirement in surgical patients. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2010; 13(6): 669-676
7 Tobon J et al.: Nutritional status and wound severity of overweight and obese patients with venous leg ulcers: a pilot study J Vasc Nurs 2008; 26: 43-52
8 Ubbink DT et al.: Systemic wound care: a meta-review of cochrane systematic reviews. Surg Technol Int 2014; 24: 99-111
9 Umar M et al.: Vitamin D and the Pathophysiology of Inflammatory Skin Diseases. Skin Pharmacol Physiol 2018; 31(2): 74-86
10 Smith K et al.: Correlation between vitamin D levels and hard-to-heal wounds: a systematic review. J Wound Care 2020 Jul 1; 29(Sup7): S24-S30
11 Razzaghi R et al.: The effects of vitamin D supplementation on wound healing and metabolic status in patients with diabetic foot ulcer: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Diabetes Complications 2017 Apr; 31(4): 766-772
12 Classen HG et al.: Zink: Das unterschätzte Element. MMP 2020, 43(4): 149-157
13 Kogan S et al.: Zinc and wound healing: A review of zinc physiology and clinical applications. Wounds 2017 Apr; 29(4): 102-106
14 Fukada T et al.: Zinc homeostasis and signaling in health and diseases: Zinc signaling. J Biol Inorg Chem 2011; 16: 1123-1134
15 Kurmis R et al.: Trace element supplementation following severe burn injury: A systematic review and meta-analysis. J Burn Care Res 2016; 37: 143-159
16 Adjepong M et al.: The role of antioxidant micronutrients in the rate of recovery of burn patients: A systematic review. Burns Trauma 2016; 4: 18
17 Henzel JH et al.: Zinc concentrations within healing wounds. Significance of postoperative zincuria on availability and requirements during tissue repair. Arch Surg 1970; 100, 349-357
18 Mirastschijski U et al.: Zinc, copper and selenium tissue levels and their relation to subcutaneous abscess, minor surgery, and wound healing in humans. Biol Trace Elem Res 2013; 153: 76-83
19 Posthauer ME: Nutrition: Fuel for pressure ulcer prevention and healing. Nursing 2014; 44: 67-69
20 Sernekos LA: Nutritional treatment of pressure ulcers: What is the evidence? J Am Assoc Nurse Pract 2013; 25: 281-288
21 Momen-Heravi M et al.: The effects of zinc supplementation on wound healing and metabolic status in patients with diabetic foot ulcer: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Wound Repair Regen 2017; 25: 512-520

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Bio­faktoren e. V. 
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de