Biofaktor Vitamin D3 reduziert Krebsmortalität

Vitamin-D3-Supplemente senken die Krebssterblichkeit signifikant um 13 % – so lautet das Fazit von drei großen Metaanalysen an insgesamt 35 Studien. Auf Basis dieser positiven Ergebnisse errechneten Forscher vom DKFZ Heidelberg, dass durch eine regelhafte Supplementierung mit dem Nahrungsergänzungsmittel Vitamin D3 bei über 50-Jährigen 30.000 Menschen weniger an Krebs sterben könnten – und das jährlich und mit gleichzeitiger Kostenersparnis von 250 Millionen Euro.

Der positive Einfluss von Vitamin D3 auf das Knochensystem ist hinreichend dokumentiert.1,2 Aber auch Erkrankungen außerhalb des Skelettsystems können laut wissenschaftlichen Untersuchungen von einer optimalen Versorgung mit dem Biofaktor profitieren. Hierzu zählen Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus oder Depressionen sowie Krebserkrankungen – auch wenn die Studienlage nicht immer einheitlich ist.

Bereits vor etwa 40 Jahren konnten epidemiologische Analysen eine Korrelation zwischen geringer Sonnenexposition und dadurch bedingtem Vitamin-D3-Mangel und erhöhtem Krebsrisiko nachweisen. Zudem zeigte sich der Biofaktor Vitamin D3 als Ausgleich für mangelnde Sonnen­einstrahlung schützend vor Dickdarm- und Prostatakrebs.3,4 Seitdem konnten epidemiologische Untersuchungen diese UVB-Vitamin-D3-Krebs-Hypothese bei 18 Krebsarten bestätigen.5 Außerdem wurden die epidemiologischen Ergebnisse durch bevölkerungsbasierte Beobachtungsstudien gestützt, in denen eine inverse Korrelation zwischen Vitamin-D3-Mangel und erhöhtem Risiko für Dickdarm-6, Brust-7, Prosta­ta-8, Magenkrebs und andere Krebsarten9 nachgewiesen werden konnte.

„Trotz dieser positiven Nachweise wurden auch Studien mit gegenteiligem Ergebnis publiziert10, so dass bislang die Evidenz eines präventiven Nutzens von Vitamin D3 auf Tumorerkrankungen als unzureichend bewertet werden muss“, betont Prof. Hans-Georg Classen, Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren (GfB).

Online-Symposium der GfB16. Juni 2021

Basiswissen Biofaktoren­mangel –Kasuistiken, wissenschaftliche Erkenntnisse und fundierte Praxistipps

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Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern.

Können Vitamin-D3-Supplemente vor Krebs schützen?

In 2019 zeigten nun gleich drei große Metaanalysen11 hochwertiger klinischer Studien eine signifikante Reduzierung der Krebssterblichkeit unter Vitamin-D3-Supplementen um 13 % im Vergleich zu Placebo – und das über alle Krebserkrankungen hinweg. Je nach Studiendesign der insgesamt 35 Studien wurden täglich 400 bis 2.000 IE Vitamin D3 substituiert. Auch hinsichtlich der Krebsinzidenz führte die Supplementierung mit dem Biofaktor zu einer geringen, statistisch allerdings nicht signifikanten Reduzierung.

Epidemiologen des DKFZ führten auf Basis dieser Studienergebnisse eine Modellrechnung durch, bei der sie Kosten für Krebstherapien und Vitamin-D3-Supplemente von 1.000 IE täglich sowie Bevölkerungszahlen in Deutschland berücksichtigten. „Durch eine bundesweite Vitamin-D3-Supplementierung aller Menschen über 50 Jahre könnte sich die jährliche Anzahl an Krebstoten um 30.000 verringern, es könnten 300.000 Lebensjahre gewonnen und über 250 Millionen Euro durch weniger Krebstherapien eingespart werden,“ so das Statement des DKFZ.12

Die Forscher setzten bei ihrer Berechnung die tägliche Gabe von 1000 IE Vitamin D3 pro Person über 50 und Jahr zum Preis von 25 Euro und Behandlungskosten von 40.000 Euro allein für das letzte Lebensjahr der an Krebs verstorbenen Patienten zugrunde. Die Anzahl verlorener Lebensjahre wurde anhand der Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes errechnet. Streng genommen müsste das Modell auch Kosten für die Vitamin-D3-Diagnostik enthalten. Da bei einer Supplementierung von 1000 IE täglich Nebenwirkungen nicht zu erwarten seien, hält das DKFZ die routinemäßige Analyse des Vitamin-D3-Serumwertes aber für verzichtbar.12

Experten der GfB empfehlen: Bei Krebs Vitamin-D3-Mangel vermeiden

Studienergebnisse und Modellrechnung bewertet die GfB als positiv und betont in diesem Zusammenhang auch die Häufigkeit eines Vitamin-D3-Mangels. Über 60 % der Bevölkerung sind nicht ausreichend mit dem Biofaktor versorgt,13 bei Senioren liegt die Zahl noch höher.14

Aus Gründen der Erstattungsfähigkeit rät die GfB, den Biofaktor bevorzugt bei 25(OH)D-Serumkonzentrationen unter 50 nmol/l zu supplementieren. Als Tagesdosis werden 800 bis 1.000 IE Vitamin D3 empfohlen, bei Resorptionsstörungen oder Adipositas können auch höhere Vitamin-D3-Dosen bis 4.000 IE nötig sein.

Literatur

1 Reid IR et al.: Effects of vitamin D supplements on bone mineral density: a systematic review and meta-analysis. Lancet 2014 Jan 11, 383(9912): 146-155
2 Weaver CM et al.: Calcium plus vitamin D supplementation and risk of fractures: an updated meta-analysis from the National Osteoporosis Foundation. Osteoporos Int 2016 Jan, 27(1): 367-376
3 Garland CF et al.: Do sunlight and vitamin D reduce the likelihood of colon cancer? Int J Epidemiol 1980, 9: 227-233
4 Hanchette CL et al.: Geographic patterns of prostate cancer mortality. Evidence for a protective effect of ultraviolet radiation. Cancer 1992, 70: 2861-2869
5 Grant WB et al.: Ecological studies of ultraviolet B, vitamin D and cancer since 2000. Ann Epidemiol 2009, 19: 446-454
6 Garland CF et al.: Serum 25-hydroxyvitamin D and colon cancer: eight-year prospective study. Lancet 1989, 2: 1176-1178
7 Engel P et al.: Serum 25(OH) vitamin D and risk of breast cancer: a nested case-control study from the French E3N cohort. Cancer Epidemiol Biomark Prev 2010, 19: 2341-2350
8 Tretli S et al.: Association between serum 25(OH)D and death from prostate cancer. Br J Cancer 2009, 100: 450-454
9 Giovannucci E et al.: Prospective study of predictors of vitamin D status and cancer incidence and mortality in men. J Nat Cancer Inst 2006, 98: 451-459
10 Muller DC et al.: No association between circulating concentrations of vitamin D and risk of lung cancer: an analysis in 20 prospective studies in the Lung Cancer Cohort Consortium (LC3) Ann Oncol 2018 Jun, 29(6): 1468-1475
11 Keum N et al.: Vitamin D supplementation and total cancer incidence and mortality: a meta-analysis of randomized controlled trials. Ann Oncol 2019, 30(5): 733-743
Haykal T et al.: The role of vitamin D supplementation for primary prevention of cancer: meta-analysis of randomized controlled trials. J Community Hosp Intern Med Perspect 2019, 9(6): 480-488
Zhang X et al.: Meta-analysis of randomized controlled trials on vitamin D supplement and cancer incidence and mortality. Biosci Rep 2019, 39(11)
12 www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/
13 Rabenberg M et al.: Journal of Health Monitoring 2016, 1(2). Robert Koch-Institut, Berlin. DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-036 http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/JoHM_2016_02_ernaehrung.html
14 MRI (Max Rubner-Institut): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. Karlsruhe, 2008. www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf, S. 141.

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e.V.
E-Mail: daniela.birkelbach@ gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de