Welche Rolle spielt Zink bei Akne?

Zink ist für Zellteilungs- und Wachstumsprozesse von zentraler Bedeutung. Zink reguliert den Vitamin-A-Stoffwechsel und beeinflusst Entwicklung und Differenzierung von Haut und Schleimhaut. Zudem wirkt Zink antibakteriell, antientzündlich und antiandrogen, kann die Wundheilung fördern und das Immunsystem stärken. Alle diese Effekte machen Zink als Therapieoption in der Behandlung einer Akne vulgaris für den Dermatologen interessant. Auch die Gesellschaft für Biofaktoren (GfB) weist aufgrund positiver Studienergebnisse darauf hin, dass eine gezielte Zink-Supplementierung bei entzündlicher Akne helfen kann.

Akne vulgaris ist nicht auf die Pubertät beschränkt, auch Erwachsene können erkranken. Neben hormonellen Ursachen, falscher Ernährung und Hautpflege sowie Stress können Akne-Patienten unter Zinkmangel leiden und insbesondere bei schwer entzündlicher Akne konnten signifikant niedrigere Zinkspiegel gemessen werden.1,2 Umgekehrt zeigten sich orale Zinksupplemente zum Ausgleich eines Zinkmangels erfolgreich in der Behandlung einer entzündlichen Akne.3,4 Der Biofaktor hat sich als wirksam gegen unreine Haut gezeigt und kann das Hautbild bei Akne verbessern.5 Beispielsweise wurde in einer doppelblind-randomisierten dreimonatigen Studie an 332 Teilnehmern nachgewiesen, dass die Supplementierung von 30 mg Zink entzündliche Aknepusteln um bis zu 50 % reduzieren kann und damit vergleichbare Ergebnisse in der Behandlung einer Akne vulgaris wie die tägliche Gabe von 100 mg des Antibiotikums Minocyclin zeigt.6 „Der Biofaktor Zink wirkte zwar nicht ganz so stark wie Minocyclin, war aber wesentlich verträglicher als die Standardtherapie mit Antibiotika“, bestätigte auch Prof. Hans Georg Classen, Vorsitzender der GfB.

Zink wirkt antientzündlich, bakteriostatisch und antiandrogen

Der Biofaktor Zink ist in zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper involviert. Über 300 Enzyme enthalten Zink oder werden durch Zink aktiviert. Der Körperbestand eines Erwachsenen liegt bei 2 g Zink, wovon etwa 98 % in den Zellen vorliegen.1

Ist Zink in ausreichender Menge im Körper vorhanden, hemmt es das Enzym 5-alpha-Reduktase, das bei der Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) eine maßgebliche Rolle spielt. DHT ist an der Talgproduktion beteiligt und fördert dadurch die Entstehung einer entzündlichen Akne. Durch Supplementierung von hochdosiertem Zink kann die DHT-Konzentration gesenkt und die Aknesymptomatik vermindert werden.3

Zink: Therapieoption bei Schwangerschaftsakne

Durch die hormonellen Veränderungen während einer Schwangerschaft verschlechtert sich häufig das Hautbild der Frau. Zudem ist in Schwangerschaft und Stillzeit der Zinkbedarf erhöht8, und der Ausgleich eines Zinkmangels in der Behandlung der Schwangerschaftsakne hat sich als hilfreich gezeigt.9 Aufgrund antibiotikabedingter Nebenwirkungen und der Tatsache, dass Schwangere von der Therapie mit Antibiotika und Antiandrogenen ausgeschlossen sind, ist eine orale Zinksupplementation eine gute Therapieoption für Schwangere. „Aber auch für andere Akne-Patienten mit bekannten Kontraindikationen gegenüber der Standardtherapie kann der Biofaktor eine wichtige Alternative sein“, betont der Mediziner Classen.

Wer zählt zu den Risikogruppen für einen Zinkmangel?

 

Phytatgehalt

Zink-Referenzwerte

für Frauen

für Männer

 

Niedrig

7 mg/Tag

11 mg/Tag

 

Mittel

8 mg/Tag

14 mg/Tag

 

Hoch

10 mg/Tag

16 mg/Tag

Der nationalen Verzehrsstudie II zufolge nehmen in Deutschland 17 – 44 % der Menschen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht alimentär weniger Zink auf, als von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen.10 Da der Biofaktor insbesondere in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vorkommt – Fleisch, Austern und Meerestiere, Eier, Milch und Milchprodukte – sind vor allem Veganer und Vegetarier gefährdet. Auch bei Senioren ist die Zufuhr über die Ernährung häufig unzureichend. Zusätzlich steigt – wie bereits erwähnt – das Risiko für einen Zinkmangel, wenn Schwangerschaft und Stillzeit den Zinkbedarf erhöhen. Zudem kann die Zinkresorption vermindert sein, zum Beispiel bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Zöliakie oder Darmresektionen. Diabetes mellitus sowie die Einnahme diverser Medikamente wie ACE-Hemmer, Diuretika und Kortikoide führen zu einer erhöhten renalen Ausscheidung des Biofaktors.1,4

Letztes Jahr hat die DGE11 ihre Zufuhrempfehlungen aktualisiert und die Tagesmenge von Zink für Erwachsene in Relation zum Phytatgehalt der aufgenommenen Nahrung gesetzt. Eine hohe Phytatzufuhr – vor allem in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthalten – kann die Bioverfügbarkeit von Zink um bis zu 45 % reduzieren.

Wenn es zum Zinkmangel kommt

Die Messung der Zinkkonzentration im Serum (Referenzbereiche für Erwachsene bei 9 – 18 µmol/l bzw. 0,6 – 1,2 mg/dl) oder der Aktivität zinkhaltiger Enzyme bieten wenig überzeugende Ergebnisse.12,13 Alternativ möglich, jedoch zeitaufwändig ist die Zinkanalyse im Vollblut, bei der neben dem Serum die Erythrozyten berücksichtigt werden. Da der überwiegende Teil von Zink erythrozytär gebunden ist, unterliegt die Vollblutdiagnostik weniger Störeinflüssen.

Die Zinkbestimmung im Plasma (Referenzbereiche für Frauen bei 9 – 22 µmol/l bzw. 0,6 – 1,45 mg/dl und bei Männern 12 – 26 µmol/l bzw. 0,8 – 1,7 mg/dl) ist die am häufigsten angewandte Labormethode. Es sollte aber berücksichtigt werden, dass die Zink-Plasmakonzentration durch Anpassung von Aufnahme und Ausscheidung über einen weiten Zufuhrbereich kon­stant gehalten wird. Normale Plasmawerte schließen einen Zinkmangel nicht aus. Umgekehrt müssen niedrige Zinkwerte im Plasma nicht unbedingt auf einen Mangel hinweisen, da auch Stress, Infektionen und Entzündungen die Werte absenken können.13

Der auch laut DGE-Empfehlung einfachste und zuverlässigste Weg stützt sich in der Zinkdiagnostik auf die Anamnese möglicher Ursachen und die Verminderung der Symptome nach Zinkgabe.12,13

Das sollte bei der Zink-Supplementierung beachtet werden

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Tageshöchstmenge von Zink in Nahrungsergänzungsmitteln von maximal 6,5 mg.14 Die therapeutische Zinkzufuhr bei einem Zinkmangel im Rahmen der Behandlung von Hauterkrankungen liegt mit 10 – 50 mg pro Tag deutlich höher und kann über entsprechend zugelassene Arzneimittel gedeckt werden.

„Die Zinkresorption kann durch Eisen beeinträchtigt werden. Personen, die Eisen-Supplemente einnehmen, insbesondere Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit, sollten daher auf eine ausreichende Zinkzufuhr achten“, warnte Prof. Classen.

FazitZinkstatus bei entzündlicher Akne beachten

Aufgrund der immensen Bedeutung von Zink für den Hautstoffwechsel und der positiven wissenschaftlichen Nachweise rät die Gesellschaft für Biofaktoren, dass der Ausgleich eines Zinkmangels sowie der Therapieversuch mit einer hochdosierten Zink-Supplementierung in der Behandlung einer entzündlichen Akne einen festen Stellenwert einnehmen sollte.

Auch die Art der zur Supplementierung verwendeten Zinksalze spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung, sowohl für die Resorption als auch die Verwertung. Zink-Supplemente sollten gut verträglich sein und sich durch eine hohe Bioverfügbarkeit auszeichnen. Organische Verbindungen, zu denen beispielsweise Zinkorotat oder Zinkgluconat zählen, können vom Körper besser aufgenommen werden als anorganische Verbindungen wie Zinkoxid oder Zinksulfat, wobei unter den anorganischen Verbindungen Zinkoxid schlechter bioverfügbar ist als Zinksulfat.12

Kann Zink überdosiert werden?

Als hohe und dennoch sichere Tagesdosis bei langfristiger Supplementierung gelten 25 mg Zink. Dieser sogenannte Tolerable Upper Intake Level, abgekürzt UL, wurde von der European Food Safety Agency (EFSA) festgelegt. Er definiert – mit Sicherheitsfaktor – die höchste sichere Tageszufuhr, mit der auch bei lebenslanger Aufnahme keine negativen gesundheitlichen Beeinflussungen zu erwarten sind.15

 

Literatur

1 Classen HG et al.: Zink-Mangel. Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie. MMP 2011, 3: 87-95
2 Bae YS et al.: Innovative uses for zinc in dermatology. Dermatol Clin 2010,28: 587-597
3 Brand S: The clinical effects of zinc as a topical or oral agent on the clinical response and pathophysiologic mechanisms of acne: a systematic review of the literature. J Drugs Dermatol 2013, 12(5): 542-45
4 Muhamed PK et al.: Zinc is the most important trace element. Ugeskr Laeger 2014 Mar 3, 176(5): V11120654
5 Cervantes J et al.: The role of Zinc in the treatment of acne: A review of the literature. Dematologic Therapy 2018, 31(1); DOI: 10.1111/dht
6 Dreno B et al.: Multicenter randomized comparative double-blind controlled clinical trial of the safety and efficacy of zinc gluconate versus minocycline hydrochloride in the treatment of inflammatory acne vulgaris. Dermatology 2001, 203(2): 135-40
7 Stamatiadis D et al.: Inhibition of 5 alpha-reductase activity in human skin by zinc and azelaic acid. Br J Dermatol 1988 Nov, 119(5): 627-632
8 Wang H et al.: Maternal zinc deficiency during pregnancy elevates the risks of fetal growth restriction: a population-bases birth cohort study. Sci Rep 2015, 5: 11262 ff
9 Dreno B et al.: Acne, pregnant women and zinc salts: a literature review. Ann Dermatol Venereol 2008 Jan, 135(1): 27-33
10 www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf
11 www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/
12 Hahn A et al.: Ernährung: Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 2016, 3. Auflage
13 Classen HG et al: Zink. Das unterschätzte Element. MMP 2020, 43(4): 149-157
14 Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, März 2018,
link.springer.com/article/10.1007/s00003-017-1140-y/fulltext.html
15 European Commission: Opinion of the Scientific Committee on Food on the Tolerable Upper Intake Level of Zinc (expressed on 5 March 2003). SCF/CS/NUT/UPPLEV/62

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e. V. 
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de