Nährstoffe für Mutter und Kind – Tipps zur Labordiagnostik

Die Versorgung mit Biofaktoren wie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen stellt einen wichtigen Beitrag für die körperliche und geistige Entwicklung des heranwachsenden Kindes dar. Der folgende Beitrag fokussiert sich auf die Labordiagnostik der in Schwangerschaft und Stillzeit relevanten Biofaktoren.

Um einen potenziellen Mangel essenzieller Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente nachweisen zu können, empfiehlt sich eine Kombination aus

  • Patienten-Anamnese
  • Einordnung der klinischen Symptomatik und
  • Labordiagnostik zur Absicherung der klinischen Verdachtsdiagnose

Folsäurestatus nachweisen?

Ein Folsäuremangel wird in der Regel nicht über die Folsäurekonzentration im Serum gemessen, sondern durch Erythrozytenanalyse. Typisch ist eine megalo­blastäre, hyperchrome, makrozytäre Anämie mit erhöhtem MCV und MCH. Die Bestimmung der Serum-Folsäure kann in unklaren Fällen unterstützend hilfreich sein. Der Referenzbereich liegt zwischen 3 und 15 ng/ml.

Verdacht auf Vitamin-B12-Defizit? Diese Laborwerte sind relevant1

  • Gesamt-Vitamin-B12-Serumspiegel: Normbereich 200–1.000 ng/l
  • Serumspiegel <200 ng/l:
    Vitamin-B12-Mangel bestätigt
  • Serumspiegel 200–400 ng/l: Holotranscobalamin (Holo-TC) messen
  • Holo-TC-Serumspiegel < 35 pmol/l:
    Vitamin-B12-Mangel bestätigt
  • Holo-TC-Serumspiegel 36–55 pmol/l: Methylmalonsäure (MMA) und/oder Homocystein messen
  • MMA-Serumspiegel > 300 nmol/l bzw.
    > 0,4 µmol/l und Homocystein-Serumspiegel > 10 µmol/l: Vitamin-B12-Mangel bestätigt

Für die Praxis zu beachten ist, dass der MMA-Serumspiegel auch bei eingeschränkter Nierenfunktion erhöht sein kann, und auch ein Defizit an Folsäure und Vitamin B6 den Homocysteinspiegel erhöhen kann. Bleibt der Vitamin-B12-Status auch nach der Blutanalyse unklar, empfiehlt sich – auch aufgrund der guten Verträglichkeit – die Supplementierung, deren Erfolg anhand einer Abnahme der Beschwerden und geänderter Laborparameter verifiziert wird.

An die Folat-Falle denken

Nicht nur ein Vitamin-B12- auch ein Folsäure­mangel kann klinisch zur megaloblastären Anämie führen. Beide Formen sind weder klinisch noch mikroskopisch voneinander zu unterscheiden. Wird bei Vitamin-B12-mangelbedingter megaloblastärer Anämie fälsch­licherweise ein Folsäuredefizit vermutet und Folsäure alleine supplementiert, verstärken sich die neurologischen Auswirkungen des Vitamin-B12-Mangels, und es kann infolge dieser „Folat-Falle“ zu irreversiblen neurologischen Schädigungen kommen. Daher sollten bei Verdacht grundsätzlich beide Biofaktoren untersucht werden. Der früher zur Differenzierung dienende Schilling-Test ist obsolet und wird durch die oben genannten Blutspiegel-Untersuchungen ersetzt.

 

Eisen-Diagnostik – nicht nur den Serumwert messen

Auch wenn der Eisenstatus regelhaft im Blutserum gemessen wird, sind die Werte zur Beurteilung des Gesamtkörpereisens wenig aussagekräftig. Zum einen unterliegt der Wert stündlichen Schwankungen und zum anderen einem zirkadianen Rhythmus mit höheren Spiegeln am Nachmittag. Auch wird er bekanntermaßen durch die Nahrung beeinflusst, weshalb die Blutentnahme am besten nüchtern und morgens erfolgt. Nicht zuletzt ist der Serumwert hämolyseempfindlich und wird durch aus Erythrozyten freigesetztes Eisen erhöht. Statt der alleinigen Messung des Serum­eisens hat sich daher eine Kombination folgender Laborparameter bewährt4:

Ein niedriger Hb-Status weist zwar auf eine Anämie hin, allerdings sagt der Wert nichts über den Füllungszustand der Eisenspeicher aus. Dafür ist das Depoteisen, das Serumferritin zuständig:

  • Serumferritin ≤ 30 ng/ml zeigt eine Erschöpfung der für die Hämoglobinsynthese zur Verfügung stehenden Gesamtkörper-Eisenreserven an.
  • Zwischen 12 und 30 ng/ml treten bereits erste Eisenmangelsymptome auf.
  • Serumferritin ≤ 40 ng/ml kann bei Frauen bereits zu diffusem Haarausfall führen.

Bei Infektionen oder Entzündungen kann der Ferritinwert normal oder erhöht sein, obwohl die Eisenspeicher leer sind. Und für den Nachweis einer Infektion oder Entzündung steht der CRP-Wert zur Verfügung. Falls erhöhtes CRP nachgewiesen wurde, liefert die Transferrinsättigung einen zuverlässigeren Hinweis auf die Eisenverfügbarkeit.

Die Transferrinsättigung (TSAT) zeigt, wieviel Eisen tatsächlich transportiert wird. Der Referenzbereich wird mit 20 bis 45 % definiert. Liegt die Transferrinsättigung unter dem unteren Grenzwert von 20 %, steht dem Körper zu wenig Eisen für den Stoffwechsel zur Verfügung, und es kommt zu einer eisenmangelbedingten Erythropoese.

Verdacht auf Magnesiummangel?

Labordiagnostik nicht immer zuverlässig5,6,7

95 % des gesamten Magnesiumbestandes befinden sich intrazellulär, nur 5 % extrazellulär und weniger als 1 % im Serum und der interstitiellen Flüssigkeit. Die Magnesiumkonzentration im Serum beziehungsweise Plasma beträgt etwa 0,8–1,1 mmol/l. Die freie extrazelluläre Magnesiumkonzentration wird unter physiologischen Bedingungen durch Anpassung von Resorption und Ausscheidung mit den Speichern im Skelett in einem engen Bereich konstant gehalten. Vereinfacht gesagt: Im Magnesiummangel setzt der Organismus den Biofaktor aus Knochen oder Muskelzellen frei, um den Magnesiumblutgehalt konstant zu halten.

Durch diese physiologischen Zusammenhänge ist die Labordiagnostik eines Magnesiummangels erschwert, da die Bestimmung der Serumwerte nicht immer aussagekräftig ist. Trotz Serumwerten im Normbereich kann intrazellulär ein Mag­nesiummangel vorliegen. Erst wenn dort der Magnesiumspeicher erschöpft ist, sinkt die Serummagnesiumkonzentration, d. h. eine Hypomagnesiämie gilt als Hinweis auf massiven Magnesiummangel. Die Hypomag­nesiämie kann jedoch auch durch zuvor erfolgte Freisetzung von Magnesium aus dem Intrazellulärraum maskiert werden.8

Dennoch werden in der Praxis als Mindestzielgröße für Magnesium 0,8 mmol/l im Serum, besser aber 0,85 mmol/l angestrebt.9,10,11 Hilfreicher ist die Messung von ionisiertem Magnesium, dem eigentlich aktiven Magnesium, welches bereits erniedrigt sein kann, während die Serumspiegel noch im Normbereich sind. Ionisiertes Magnesium gilt als empfindlicherer Indikator für das auf zellulärer Ebene tatsächlich verfügbare Magnesium. Allerdings ist die Probenabnahme sehr komplex und daher in der Regel noch nicht praxistauglich.

Wenn Verdacht auf Zinkmangel besteht

Referenzbereiche Zink im Serum

  • Erwachsene: 0,6–1,2 mg/dl bzw.
    9–18 µmol/l

Referenzbereiche Zink im Plasma

  • Frauen: 9–22 µmol/l bzw.
    0,6–1,45 mg/dl
  • Männer: 12–26 µmol/l bzw.
    0,8–1,7 mg/dl

Referenzbereiche Zink im Vollblut

  • 61–115 µmol/l bzw. 4,0–7,5 mg/l

Für Zink existiert derzeit kein verlässlicher Biomarker zur routinemäßigen Beurteilung eines Mangels. Die Messung der Zinkkonzentration im Serum, wo sich weniger als 1 % des Körperzinks befindet, oder der Aktivität zinkhaltiger Enzyme und insbesondere die Bestimmung des Zinkgehaltes in Haaren und Urin zeigten in wissenschaft­lichen Untersuchungen wenig überzeugende Ergebnisse.12,13

Alternativ möglich, jedoch zeitaufwändig ist die Zinkanalyse im Vollblut, bei der neben dem Serum die Erythrozyten berücksichtigt werden. Da der überwiegende Teil von Zink erythrozytär gebunden ist (ca. 85 %), unterliegt die Vollblutdiagnostik weniger Störeinflüssen.

Möglich wäre die Untersuchung von Gewebeproben, was aber für die therapeutische Praxis wenig geeignet ist. Außerdem sind die Aktivität der alkalischen Phosphatase und die Zink-Bindungskapazität aussagekräftige, allerdings ebenfalls wenig praxistaugliche Parameter.14

Der auch laut Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) einfachste und zuverlässigste Weg stützt sich in der Zinkdiagnostik auf die Anamnese möglicher Ursachen und Risikofaktoren sowie die Abnahme von Mangelsymptomen nach Supplementierung.15
 

Literatur

1 Reiners K: Vitaminkrankheiten. In: Hoffmann GF, Grau AJ (Hrsg): Stoffwechselerkrankungen in der Neurologie. Stuttgart: Thieme, 2004, 163-176
2 rki.de/SharedDocs/FAQ/Vitamin_D/FAQ07
3 https://www.med4you.at/laborbefunde/referenzwerte/refb_eisen.htm
4 https://www.eisencheck.at/ferritin-transferrin 
5 https://www.vitalstoff-lexikon.de/mineralstoffe/magnesium
6 z.B. www.ganzimmun.de, www.imd-berlin.de, www.laborberlin.com
7 Laborlexikon: Magnesium >>Facharztwissen für alle!<<
8 Vormann J: Wie lässt sich ein Magnesiummangel nachweisen? J Ernährungsmedizin 2001, 3 (4) (Ausgabe für Schweiz): 19-23
9 Spätling L et al.: Diagnostik des Magnesiummangels. Aktuelle Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e. V.. Fortschritte der Medizin 2000, 118: 49-53
10 Workinger JL et al.: Challenges in the diagnosis of magnesium status. Nutrients 2018, 10: 1202 ff
11 Micke O et al.: Magnesium – Bedeutung für die hausärztliche Praxis: Positionspapier der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Magnesium: Bedeutung für die hausärztliche Praxis – Positionspapier der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e. V.Dtsch Med Wochenschr 2020 Nov, 145(22): 1628-1634 2 Hahn A et al.: Ernährung: Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 2016, 3. Auflage
13 Classen HG et al: Zink. Das unterschätzte Element. MMP 2020, 43(4): 149-157
14 Classen HG et al.: Zink-Mangel. Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie. MMP 2011, 3: 87-95
15 Fukada T et al.: Zink homeostasis and signaling in health and diseases: Zinc signaling. J Biol Inorg Chem 2011, 16: 1123-1134

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Bio­faktoren e. V.
daniela.birkelbach(at)gf-biofaktoren(dot)de
www.gf-biofaktoren.de