Einfluss medikamentöser BPS-Therapie ­ auf die sexuelle Funktion

Das benigne Prostatasyndrom (BPS) ist oft mit sexuellen Funktionsstörungen assoziiert. Medikamentöse Therapieoptionen können solche vorbestehenden Störungen bessern oder verstärken, aber auch neue Störungen auslösen. Ein aktueller Übersichtsartikel hat die Auswirkungen medikamentöser Optionen auf die Sexualfunktion zusammengefasst.

Da die Sexualität für die Lebensqualität betroffener Patienten eine große Rolle spielen kann, sind sexuelle Nebenwirkungen (erwünschte wie auch unerwünschte) ein wichtiges Kriterium für die individuelle Therapiewahl bei dieser gutartigen Erkrankung. Bei der medikamen­tösen Behandlung des BPS kommen gemäß S2e-Leitlinie folgende Therapeutika in Betracht: Phytotherapeutika, α1-Blocker, 5α-Reduktasehemmer, Muskarinrezeptorantagonisten sowie Phosphodiesterase(PDE)-5-Inhibitoren als Monotherapie sowie verschiedene Kombinationen.

Extrakte aus den Früchten der Sägepalme Serenoa repens (z. B. enthalten in Prostagutt® forte*) gehören zu gut untersuchten und häufig verwendeten Phytotherapeutika bei BPS. Eine begrenzte Verbesserung der Erektion wurde unter Sägepalmenextrakt beschrieben, insbesondere keine Verschlechterung der Sexualfunktion. Letzteres gilt ebenfalls für Muskarinrezeptorantagonisten. 5α-Reduktasehemmer verschlechtern häufig Erektionsfähigkeit, Libido und Ejakulation, selektive α1-Blocker die Ejakulation. PDE-5-Inhibitoren können die erektile Funktion verbessern. Eine Kombination aus α1-Blocker und 5α-Reduktasehemmer führt zu deutlich erhöhten sexuellen Funktionseinschränkungen.

 
Tab. 1: In klinischen Studien beschriebene Veränderungen der Sexualität unter Pharmaka bei BPS. asub­stanzabhängig

Tipps für die Praxis

  • Sprechen Sie mit dem Patienten über seine sexuelle Aktivität und Interessen sowie über bestehende Störungen.
  • Beziehen Sie Patientenwünsche bei der Therapiewahl ein.
  • Berücksichtigen Sie erwünschte und unerwünschte Nebenwirkungen der BPS-Präparate auf die Sex­ualität (Tab. 1).
  • Sprechen Sie beim nächsten Kontakt mit dem Patienten über dessen Zufriedenheit mit der Therapie und fragen gezielt nach dem Einnahmeverhalten.
  • Passen Sie die Therapie bei Bedarf an seine aktuelle Bedürfnislage an.

*Prostagutt® forte ist ein Präparat der Dr. Willmar Schwabe GmbH & ­Co. KG, ­Karlsruhe

Quelle: Bschleipfer, T. & Burkart, M. Urologe (2018). doi.org/10.1007/s00120-018-0739-7