Strategie für eine erfolgreiche BPS-Therapie

In Deutschland wird über 5 Millionen Mal pro Jahr ein Medikament zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms (BPS) verordnet. Wie zufrieden Patienten mit diesen Therapien sind ist kaum bekannt. Das Ziel einer Untersuchung war es deshalb, Daten zur Patientenzufriedenheit und Gründe für Therapieabbrüche näher zu untersuchen.

Für die Untersuchung wurden 480 Männer mit BPS und LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms) zur Therapiezufriedenheit befragt. Gegenübergestellt wurden Verwender und Therapieabbrecher der jeweils folgenden Therapien: α-Blocker, 5-α-Reduktasehemmer (5ARI) oder einem Präparat aus Extrakten von Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzeln (Prostagutt® forte*).

Bei den Männern, die aktuell ein Medikament wegen LUTS bei BPS einnehmen, zeigte sich über 2,2 Jahre Therapiedauer eine hohe Zufriedenheit – auch für das pflanzliche BPS-Präparat. Erektionsfähigkeit und Zufriedenheit mit dem Sexualleben wurden von Verwendern des pflanzlichen Wirkstoffs signifikant besser und die Ejakulationsfähigkeit tendenziell besser bewertet. Trotz einer starken Restsymptomatik bei allen Verwendern (I-PSS 12,1–14,8) war die Zufriedenheit mit der Therapie und die Weiterempfehlungsbereitschaft hoch.

Nach durchschnittlich einem Jahr hatten die Therapieabbrecher die Behandlung beendet, mit 0,7 Jahren signifikant früher bei 5ARI-Einnahme als bei α-Blockern (1,5 Jahre) oder Prostagutt® forte (1,1 Jahre). α-Blocker wurden am häufigsten wegen unzureichender Wirkung, Verschwinden der Beschwerden oder Unverträglichkeit abgesetzt. Bei 5ARI war Unverträglichkeit der häufigste Grund für das Absetzen, gefolgt von unzureichender Wirkung oder weil der Arzt die Therapie umstellte. Das Phytopharmakon wurde am häufigsten wegen unzureichender Wirksamkeit oder Medikamentenkosten (Selbstzahler) wieder abgesetzt. Der Therapieabbruch erfolgte zu 65 Prozent eigenmächtig durch den Patienten ohne Rücksprache mit dem Arzt.


Schlussfolgerung

Die Therapieerwartungen der Betroffenen können sich deutlich von denjenigen des Arztes unterscheiden und das Erreichen einer geringen Symptomatik könnte für die Patienten weniger wichtig sein, als eine spürbare Symptomreduktion während der Therapie. Der Arzt sollte die Behandlung ausführlich mit den Betroffenen besprechen und aktiv nachverfolgen. Dieses Vorgehen führt zur individualisierten Therapie, bei der alle von der S2e-Leitlinie zur BPS-Therapie empfohlenen Pharmaka zum Einsatz kommen. Es scheint keine Therapie der ersten Wahl für alle Patienten zu geben.

*Prostagutt® forte ist ein Produkt der Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG

Quelle: M Oelke, M Burkart. Benignes Prostatasyndrom – Strategien für eine langfristig erfolgreiche medikamentöse Therapie: Sprechen, INdividualisieren, Nachverfolgen (SINN). urologen.info, Ausgabe 3, Juni 2019.