Tinnitus – Zu viel um die Ohren?

Bei fast jedem vierten Deutschen hat es im Ohr schon einmal gepiepst, wie die Deutsche Tinnitus-Liga in einer Umfrage herausfand. Jedes Jahr erkranken ungefähr eine Viertelmillionen Deutsche neu an chronischem Tinnitus. 26 % der Befragten gaben an, Stress sei die Ursache. Was aber macht es mit dem Ohr, wenn der Körper Stress hat?

Stress ist eine Aktivierungsfunktion des Körpers, um eine schwierige Situa- tion zu meistern. Ist die „Gefahr“ vorüber, schüttet der Körper Cortisol aus, damit er wieder zur Ruhe kommt. „Wir konnten in Stress-Test-Untersuchungen sehen, dass Tinnitus-Patienten keine hormonelle Anpassungsreaktion zeigen, die ihnen eigentlich dabei helfen sollte, mit einer Belastung optimal umzugehen“, sagt Prof. Dr. Clemens Kirschbaum, Dresden. Die Folge: Der Körper bleibt in Daueralarmbereitschaft.

Auch die Durchblutung leidet unter dem Stress. Mediziner vermuten, dass bei hohem Stresslevel das Blut „dicker“ wird, was die Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Haarzellen des Innenohrs und von am Hörvorgang beteiligten Zellen erschwert. Sind diese Bereiche mangelversorgt, werden sie anfälliger für Schädigungen. Dauerstress könnte so die Anfälligkeit für Tinnitus erhöhen.

Altes Leiden neu interpretiert

Aber ist Tinnitus nur ein Phänomen unserer immer hektischer werdenden digitalisierten Welt? Nein, meint Medizinhistoriker Robert Jütte, Stuttgart: „Sowohl Stress als auch Tinnitus hatten die Menschen schon vor Jahrtausenden.“ Erstmalige Erwähnung finde die Krankheit schon 2.000 Jahre vor Christus auf mesopotamischen Tontafeln. Auch in medizinischen Berichten aus dem Mittelalter wird „Ohrensauen“ erwähnt. Zudem gibt es zahlreiche prominente Beispiele wie Martin Luther oder Charles Darwin. „Die Zahl der Tinnitus-Leidenden in der Vergangenheit ist stark unterschätzt“, sagt Jütte. „Menschen früherer Zeiten empfanden das gleiche unangenehme Klingeln im Ohr, interpretierten dieses aber jeweils vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Krankheitstheorie anders.“

Ein Rezept gegen Tinnitus

Ein Tinnitus ist laut HNO-Arzt Dr. Uso Walter, Duisburg, gut behandelbar. Sein „Tinnitus-Rezept“ besteht aus mehreren Komponenten: Beratung und Aufklärung des Patienten über die Ursachen, eine akustische Therapie, Anleitungen zur Entspannung und Stressbekämpfung, eine Verhaltenstherapie und die Gabe des Ginkgo Spezialextraktes EGb761® (Tebonin®). Das Arzneimittel verbessert die Blutversorgung in Ohr und Gehirn und ist damit ein natürlicher Helfer bei Ohrgeräuschen. Eine Auswertung von acht placebokontrollierten Studien konnte die Wirksamkeit des Wirkstoffs bei Tinnitus kürzerer und längerer Dauer nachweisen.

1www.tinnitus-liga.de/pages/tinnitus-sonstige-hoerbeeintraechtigungen/tinnitus.php abgerufen am 11.02.2019

Dr. Daniela Busse

Quelle: PK „ Tinnitus – Zu viel um die Ohren“, 20.02.2018 in Hamburg. Veranstalter: Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG