Resistenzen durch Antibiotika bei Harnwegsinfekten vermeiden

Um das Bewusstsein für die Bedrohung der öffentlichen Gesundheit durch Antibiotikaresistenzen zu schärfen, hat die europäische Initiative zur Förderung der öffentlichen Gesundheit den 18. November zum Europäischen Antibiotikatag erklärt. Eine gute Option, um bei rezidivierenden Harnwegsinfekten Antibiotika einzusparen, bietet der natürliche Zucker D-Mannose. Er kann gezielt zur Prävention und unterstützenden Behandlung der Zystitis eingesetzt werden.

Antibiotikaresistenzen stellen zunehmend ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit in Europa dar. Während die Zahl der Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien zunimmt, sind kaum vielversprechende neue Antibiotika in der Pipeline, sodass die Aussichten für eine wirkungsvolle antibiotische Behandlung in der Zukunft trübe sind. Es besteht eine eindeutige Beziehung zwischen der Antibiotikaexposition und dem Auftreten von Antibiotikaresistenzen. Der Gesamtantibiotikaverbrauch in einer Population wie auch die Art der Antibiotikaanwendung haben Einfluss auf die Resistenzentwicklung.

 

 

 

 

 

Antibiotikum

n

%

 

Ampicillin

9.141

47,9

 

Amoxicillin/Clavulansaure

5.111

28,9

 

Cefuroxim

3.266

10,1

 

Cefpodoxim

1.828

8,9

 

Ciprofloxacin

5.336

14,8

 

Cotrimoxazol

8.155

22,6

 

Fosfomycin

467

1,3

 

Nitrofurantoin

466

1,3

 Tab.: Prozentualer Anteil resistenter Stämme von E. coli für 8 Antibiotika in ambulant gewonnenen Urinkulturen (Grenzwerte nach EUCAST, RKI Daten [1])

Erfahrungen aus einigen europäischen Staaten zeigen, dass im Zuge einer Reduktion der Antibiotikaverordnungen für ambulante Patienten auch die Häufigkeit von Antibiotikaresistenzen abnahm. Für den klinischen Alltag bedeutet dies, dass der umsichtige Einsatz von Antibiotika dazu beitragen kann, dass resistente Bakterien eingedämmt werden und Antibiotika auch zukünftig wirksam bleiben.


Die Indikation zu einer Antibiotikatherapie sollte kritisch gestellt werden

Auch die S3 Leitlinie Harnwegsinfektionen1 weist auf die steigende Zahl der Antibiotika-Resistenzen hin. So sind die Ziele der Leitlinie der rationale Einsatz antimikrobieller Substanzen, die Reduktion des Gebrauchs von Antibiotika bei fehlender Indikation, die Vermeidung eines unangemessenen Einsatzes bestimmter Antibiotikaklassen und damit die Vermeidung der Entwicklung von Resistenzen.

Laut der Leitlinie sollten sich Ärzte, die sich mit der Therapie von HWI befassen, über das Erregerspektrum und die Resistenzentwicklung in ihrer Region informieren. Denn die Erregerempfindlichkeit kann zeitlich und örtlich unterschiedlich sein.  Allgemeine Daten von Urinkultur-Untersuchungen aus ärztlichen Praxen in Deutschland zeigen eine gegenüber verschiedenen Antibiotika sehr unterschiedliche Resistenzlage. Besonders hoch ist die Rate resistenter E-coli-Keime mit 47,9 % gegenüber Ampicillin. Am günstigsten schneiden mit jeweils nur 1,3 % die Wirkstoffe Fosfomycin und Nitrofurantoin ab (s. Tabelle).

Die Leitlinie gibt bei einer unkomplizierten HWI die Möglichkeit, zwischen der Behandlung mit und ohne Antibiotikum zu wählen. Da 30–50 % der unkomplizierten HWI nach einer Woche spontan abgeheilt sind, sollte auch die Möglichkeit überprüft werden, mit Methoden ohne Antibiotika zu behandeln. Gerade bei leichten oder mittelgradigen Beschwerden, kann eine symptomatische Therapie als Alternative zur antibiotischen Behandlung erwogen werden. In die Therapieentscheidung sollte der Wunsch der Patientin miteinfließen.


Die Empfehlung der Leitlinie: Die Diagnose einer Harnwegsinfektion und die Indikation zu einer Antibiotikatherapie sollten kritisch gestellt werden, um unnötige Therapien zu vermeiden und Resistenzentwicklungen zu reduzieren.1


D-Mannose: Innovativer Wirkmechanismus ohne Resistenzrisiko

Vorteile in der Prophylaxe und unterstützenden Behandlung von rezidivierenden HWI kann D-Mannose bieten. Der natürliche Zucker ist entsprechend einer Studie in der Prophylaxe ebenso gut wirksam wie ein Antibiotikum der ersten Wahl – ohne Resistenzrisiko und bei besserer Verträglichkeit. Der Grund für das fehlende Resistenzrisiko ist der besondere Wirkmechanismus von D-Mannose: Die Fimbrien der pathogenen Bakterien, meist E. coli, heften sich statt an das Urothel an diesen Zucker an und werden mit dem Urin ausgeschwemmt.

In klinischen Studien verlängerte D-Mannose im Vergleich zur Antibiotikagabe signifikant die Zeit bis zum Auftreten eines erneuten HWI-Rezidivs und schützte ebenso wirksam vor einem Rezidiv wie das Standardantibiotikum Nitrofurantoin, war aber dabei besser verträglich.2,3

Mehr zum Wirkmechanismus inkl. Video finden Sie hier
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1 Leitlinienprogramm DGU. Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2, 2017 AWMF Registernummer: 043/044, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf (Zugriff 10.2020)
2 Kranjcec B et al. World J Urol 2014; 32: 79–84
3 Porru D et al. J Clin Urol 2014; 7: 208–13

Mit freundlicher Unterstützung durch die Klosterfrau Healthcare Group