Wissenswertes über Sanitär­installationen in Arztpraxen

Der Großteil an Arztpraxen befindet sich in bereits bestehenden Gebäuden. Die dazugehörigen Flächen sind oft über Jahrzehnte in Nutzung und werden über diese große Zeitspanne immer wieder verändert. Mit jeder neuen Nutzung wie der Wechsel einer Fachrichtung als auch mit jeder Praxismodernisierung ist mit dem zu planen und zu arbeiten, was der Bestand vorgibt. In diesem Artikel möchten wir Ihnen in Bezug auf einen grundlegenden Bereich, von dem jede mögliche Flächenveränderung abhängig ist, einen Überblick verschaffen – die Sanitärinstallation.

Bei der Betrachtung neuer Flächen oder beim Abstecken von baulichen Veränderungen ist gerade die vorhandene Lage der Wasserleitungen ein alles entscheidendes Thema. Hier zeigt sich schon zu Beginn, ob die baulichen Wünsche durchführbar sind oder nicht.

Grundlagen zur Wasserführung

In Bestandsgebäuden ist mit den vorhandenen Gegebenheiten umzugehen. Das ist im Bereich der Sanitärinstallation das Leitungsnetz. Hauptbestandteil sind die Schächte, in denen Frisch- und Abwasser über die Geschosse geführt werden und die jeweilige Fläche versorgen. Hier sind alle Wasserentnahmestellen angeschlossen. Für jede Praxisnutzung ist entscheidend, wie das Frischwasser und vor allem auch das Abwasser zu den jeweiligen Räumen hingeführt bzw. abgeführt werden. Die Möglichkeiten der Wasserführung sind bei Frisch- und Abwasser sehr unterschiedlich. Frischwasserleitungen haben einen kleineren Durchmesser (DN16/20) und stehen unter Druck. Dadurch können sie auch „über Kopf“ geführt werden. So sind auch entlegene Räume mit Frischwasser auszustatten. Die Leitungen können hier sowohl in Leichtbauwänden (Ständerwerkwände) als auch über die Decke geführt werden.

Anders sieht es bei Abwasserleitungen aus. Diese haben einen größeren Durchmesser (DN50/100) und stehen nicht unter Druck. Dadurch fließt das Abwasser physikalisch nachvollziehbar immer nach unten. Unter Einbezug des notwendigen Gefälles ist es teils sehr schwer, die Abwasserleitungen zu einem Schacht zu führen. Des Weiteren können Türöffnungen oder Fensternischen nicht umgangen werden und beeinflussen so maßgeblich, ob eine Fläche nutzbar ist oder nicht.


Tipp für die Planung: Klären Sie imPraxistipp zur Wasserführung Vorfeld von Umbaumaßnahmen, wo sich die Schächte befinden. Ihre Lage entscheidet oft über die Möglichkeiten, die Fläche zu verändern und zu gestalten.

Tipp bei Wasserlecks: Klären Sie, wo sich Absperrhähne befinden und tun Sie dies in Ihrem Team kund. Wer weiß, ob Sie einmal von einem Wasserschaden betroffen sein werden; und dann zählt jede Sekunde! Wichtig: Heizungsrohre sind in der Regel nicht davon betroffen; deren Leitungssystem ist autark.

Wasserentnahmestellen

In großen Praxisflächen kommt es schon einmal vor, dass entlegene Wasserentnahme­stellen nicht benutzt werden. Wenn das Leitungssystem keine generelle Durchspülung des gesamten Netzes gewährleistet, besteht die Möglichkeit der Verkeimung des stehenden Wassers. Das kann äußerst gefährlich werden, sollte nach einer langen Zeit, dieses abgestandene Wasser benutzt werden. Verkeimtes Wasser kann auch in Kontakt mit weiterhin durchströmendem Wasser kommen. Achten Sie darauf, dass alle Wasserentnahmestellen regelmäßig ablaufen! Wir empfehlen ebenfalls im Vorfeld eine Bestandsprüfung durchzuführen. Hier soll aufgedeckt werden, ob es tote Leitungsstränge gibt und im besten Fall wird auch das Wasser beprobt. Bei Neuplanungen ist der Einbau von 24h-Durchspülungssystemen je nach Nutzung zwingend und sicher immer ratsam.

Planung Waschtisch

Waschtische in Arztpraxen sind in den Räumen Untersuchung, Labor, WC und Teeküche zu finden. Je nach Nutzung unterliegen sie verschiedenen Richtlinien bzw. Anforderungen.

Im Bereich der Untersuchungsräume und Praxis-Labore sind die Anforderungen der TRBA 250 einzuhalten wie auch die Richtlinien der KRINKO – Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Diese stellen an Handwaschplätze u. a. folgende Anforderungen:

  • warmes und kaltes Wasser
  • kein Überlauf
  • handkontaktlose Bedienung mittels verlängerter Hebelarmatur
  • der Wasserstrahl darf nicht direkt auf den Abfluss gerichtet sein

Praxislabore müssen zudem mit heißem Wasser versorgt werden. Hier kommt ein weiterer baulicher Aspekt zum Vorschein – Wie wird warmes Wasser erzeugt? Wird das ganze Gebäude mit einer zentralen Warmwasserversorgung gespeist, werden an den Waschbecken keine weiteren Warmwasseraufbereiter benötigt. An allen Wasserentnahmestellen kommen Hochdruckarmaturen zum Einsatz.

Diese Warmwasserversorgung ist allerdings nicht die Regel; viel öfter gibt es die dezentrale Warmwasserversorgung. Das heißt, dass bei allen Waschbecken, die warmes oder heißes Wasser benötigen, ein elektrisches Heizgerät installiert sein muss. Unterschieden wird hier zwischen Hochdruck und Niederdruck. Für warmes Wasser – bis ca. 40 °C – können Durchlauf­erhitzer verwendet werden. Diese gibt es mittlerweile schon in einer Mini-Version, die platzsparender ist und dezenter aussieht. Labore benötigen heißes Wasser – über 40 °C – das mittels eines Untertischgeräts erhitzt wird. Diese können höhere Temperaturen erzeugen als Durchlauferhitzer. Untertischgeräte haben einen Wassertank zum Speichern von heißem Wasser; damit gibt es Luft im System und somit keinen hohen Druck. Deshalb kommen dort Niederdruckarmaturen zum Einsatz. Die Hersteller von Armaturen bieten nicht für jedes Produkt eine Hochdruck- bzw. Niederdruckvariante an. Darauf ist bei der Wahl der Armatur zu achten.

Alle Handwaschplätze, auch die in WCs und Teeküchen, müssen mit Seifen- und Desinfektionsspendern, Einmalhandtüchern und Abfallbehälter ausgestattet sein. Beachten Sie den Platzbedarf und eine gute Bedienbarkeit.

Planung WCs

Werden neue WCs geplant, ist die Klärung der Abwasserführung von zentraler Bedeutung. Abwasserrohre haben einen Durchmesser von 10 cm (DN100). Durch deren baulich bedingten niedrigen Auslass und einem notwendigen Mindestgefälle können die Leitungen ggf. nicht über große Entfernungen in den Hauptschacht geführt werden. Die beste Lösung sind WCs nahe der Schächte oder ein untenliegendes Geschoss, in dem Abwasserleitungen verzogen werden können. Voraussetzung für Letzteres ist, dass die darunterliegende Fläche begehbar ist, die Deckenhöhe ausreichend hoch ist, mögliche Verkofferungen der Leitungen den Mieter/Eigentümer nicht stören und dass natürlich ein Umbau mit Dreck, Bauzeiten und Beeinträchtigungen durchführbar ist. Ist keine der beiden genannten Lösungen realisierbar, kann nur noch eine Hebeanlage Abhilfe schaffen; das trifft selbstverständlich auch auf das Abwasser von Handwaschplätzen zu.

Hebeanlagen

Hebeanlagen sind nicht die optimale Lösung, aber im Zuge einer sehr knappen Verfügbarkeit von geeigneten Praxisflächen sind diese jedoch oft die einzige Möglichkeit. Technisch müssen Sie dabei folgende Punkte berücksichtigen: Hebeanlagen sind wartungsintensiv; sie benötigen zudem eine große Revisionsöffnung, die immer zugänglich sein muss. Wegen des hohen Verschleißes ist ein hochwertiges Produkt zu empfehlen und eine Stromzufuhr muss vorhanden sein. Hebeanlagen für WCs arbeiten mit einem integrierten Häcksler und einem Pumpsystem. Vor allem der Häcksler verursacht kurzzeitig eine hohe Lautstärke. Nutzer können sich mittels eines Hinweises darauf einstellen und erschrecken nicht so leicht. Handwaschbecken können mit kleineren Pumpsystemen ausgestattet werden, die nicht so anfällig für Wartungen sind. Da aber auch diese Pumpen Geräusche erzeugen und das Abpumpen leider zeitlich nicht steuerbar ist, sind sie nicht in Untersuchungsräumen und Sprechzimmern zu empfehlen. Alternativ können sie aber z. B. mit entsprechenden Schallschutz­elementen versehen und in eine neue Ständerwerkwand installiert werden; das mindert die Geräuschentwicklung.

Notwendige WC-Fläche

Neue WCs sind in der Regel wandhängend und damit in einer Vorwand untergebracht. Das heißt, dass der Spülkasten vor eine bestehende Wand montiert und anschließend mit Gipskarton und Fliesen verkleidet wird. Bei der Berücksichtigung der notwendigen WC-Fläche ist für die Tiefe der Verkofferung ein Maß von mind. 20 cm einzuplanen. Geringere Tiefen sind nur möglich, wenn Teile der Wandstärke mitberücksichtigt werden. Aus Gründen des Schallschutzes ist davon jedoch abzuraten oder bedarf einer detaillierteren Prüfung.

Patienten-WC und Barrierefreiheit

Barrierefreie WCs müssen bei Neubauten immer eingeplant werden. Wenn es sich um einen Umnutzungsantrag handelt, also eine Neuplanung in einem Bestandsgebäude, muss auch hier ein barrierefreies WC geplant werden (s. Infokasten). Hier gibt es jedoch Ausnahmen, die nachgewiesen werden müssen. Das sind beispielsweise Raumknappheit oder unmögliche Raumerweiterungen, die der vorhandene Grundriss nicht hergeben kann. Eine Verlegung oder Erweiterung der WC-Fläche kann auch eine sehr große Kostennote mit sich bringen, wie statisch aufwendige Eingriffe in die Bausubstanz, bei denen zusätzlich auch noch der Eigentümer zustimmen muss. Im Bestand empfehlen wir dennoch alles umzusetzen, was möglich ist. Denn Ihre Patienten werden es Ihnen danken.

Personal-WC

Oft vernachlässigt ist die Betrachtung des Personal-WCs. Es unterliegt den „Technischen Regeln für Arbeitsstätten – Sanitärräume – ASR A4.1“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.2 Hier wird detailliert auf die Bereiche Toilettenräume, Waschräume und Umkleiden eingegangen. Das reicht von allgemeinen Begriffsdefinitionen bis hin zu detaillierten Angaben für Abmessungen und Ausstattungs­gegenständen; ebenso muss dabei die Anzahl der angestellten Personen berücksichtigt werden.

Für kleinere Praxen mit bis zu zehn Angestellten ist beispielsweise ein WC und ein Waschtisch vorzuhalten. Ab zehn Angestellten sind die WCs jedoch nach dem Geschlecht zu trennen (ASR A4.1 – Pkt. 4.6). Praxisinhaber werden nicht hinzugezählt, aber angestellte Ärztinnen und Ärzte.

Barrierefreies WC – Auf einen Blick

Planerische Grundlagen für ein barrierefreies WC sind u. a.:

  • lichte Türöffnung von 90 cm
  • 1,50 x 1,50 m Bewegungsfläche vor Waschtisch und WC
  • beidseitiger Abstand von 90 cm von den WC-Seiten zur jeweiligen Wand und zwei Stützklappgriffe
  • unterfahrbarer Waschtisch
  • Einhebelmischer mit langem Hebel
  • Kippspiegel
  • Notruf mit Schnurzug und die jeweils richtigen Höhen aller Einbauelemente, zu denen auch Papierhandtuchspender, Seifenspender und Abfallbehälter zählen.

Die Angaben sind in der DIN 18040-1 („Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude“) festgehalten.

Die KV Nordrhein bietet online zur Klärung der Barrierefreiheit in der Arztpraxis einen Fragebogen.1


Resümee

Egal ob Sie Ihre Fläche umstrukturieren oder den Einzug in eine neue Fläche planen; wir empfehlen Ihnen die genaue Betrachtung der wasserführenden Technik und der Möglichkeiten der baulichen Umsetzung Ihrer Raumwünsche. Funktionieren Anschlüsse nicht, kann dies maßgeblich zu einer Verschlechterung Ihrer Arbeitsabläufe und Ihres Leistungsangebots führen oder sogar zum Aus für Ihre Fläche. Bauliche Maßnahmen und moderne Technik helfen mit einer Vielzahl an Lösungsmöglichkeiten. Am besten kombinieren Sie dies im Vorfeld mit einer wohlüberlegten Planung.

Anja Knoop
Dipl.-Ing. (FH) Architektin
atmosphäre bommert . knoop . architekten PartGmbB
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