10 Dinge, die Sie beim Praxisumzug beachten sollten
Ein Praxisumzug erfordert sorgfältige Vorbereitung – von der Standortwahl über technische Anforderungen bis hin zu Kosten und Zeitplanung. Diese Checkliste unterstützt Ärztinnen und Ärzte bei allen Schritten.
11.08.2025
A. Knoop
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Nicht nur Existenzgründer begeben sich auf die Suche nach idealen Räumen für ihre eigene Arztpraxis. Auch für erfahrene Praktiker kommt eventuell die Zeit, über einen geeigneteren Standort nachzudenken. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Beispielsweise läuft der alte Mietvertrag aus oder die Praxis expandiert, sodass eine größere Fläche benötigt wird. Vor einem Praxisumzug beziehungsweise der finalen Entscheidung für eine bestimmte Fläche ist vieles zu berücksichtigen.
Die Entscheidung für einen neuen Standort setzt Weitblick voraus, da man im Vorfeld erfassen muss, ob die Praxis am künftigen Standort laufen kann. Zu beachten sind dabei externe und interne Bedingungen.
a) Externe Standortfaktoren:
Zur ersten Gruppe zählen Faktoren, wie die Bewohnerstruktur des Ortes, die Parkmöglichkeiten in der unmittelbaren Nähe, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und nicht zuletzt die Wettbewerbersituation mit Kollegen.
b) Interne Standortfaktoren:
Zu den internen Bedingungen, die bei der Standortwahl berücksichtigt werden sollten, gehören vor allem das Gebäude an sich, die Größe und der Grundriss der Fläche. Denn nur wenn organisatorische und personelle Abläufe auch umsetzbar sind und die notwendige Ausstattung in der Praxis unterkommen kann, können auch persönliche Vorstellungen vor Ort verwirklicht werden.
2. Raumprogramm
Vor der Entscheidung für eine Immobilie ist es daher unabdingbar, ein Raumprogramm zu erstellen. In dem Raumprogramm ist dargestellt, welche Räume zur Verfügung stehen und in welcher Form sie genutzt werden sollen. Dazu muss im Vorfeld der Bedarf geklärt sein: Wie viele Räume in welcher Größe werden benötigt, ergänzt durch Angaben zu den Beziehungen der Räume untereinander und den zu erwartenden Verkehrsströmen.
2.1 Wie wird Ihre Praxis in fünf Jahren aussehen?
Dabei sollte auch der Gedanke inbegriffen sein, wie man in fünf oder mehr Jahren aufgestellt sein möchte. Ist bereits jetzt die Vorstellung vorhanden, die Praxis mit einem oder mehreren Partnern zukünftig führen zu wollen, ist es ratsam, schon heute die Fläche auch auf diese Möglichkeit hin zu untersuchen.
Ist das gewünschte Raumprogramm erstellt, muss natürlich geprüft werden, ob sich dieses in der ausgesuchten Fläche realisieren lässt.
3. Technische Anforderungen prüfen
Zusätzlich zum Raumprogramm sind auch sämtliche technische Gebäudeschnittstellen der Fläche zu prüfen. Dazu zählen die Elektroinstallationen, die Sanitäranschlüsse und gegebenenfalls auch die Statik. Zu einer größeren Herausforderung könnte es nämlich kommen, wenn erst nach dem Einzug festgestellt wird, dass ein Netzwerk fehlt und kein Platz vorhanden ist für die vielen Meter Kabel, die nun für die Installation untergebracht werden müssten.
4. Umnutzungsantrag
Da im anvisierten Mietobjekt nicht unbedingt schon früher eine Arztpraxis betrieben wurde, ist zunächst die genehmigte Nutzung für die Räumlichkeiten zu prüfen. Bei einer Änderung der Nutzung beispielsweise von Büro zu Praxis wird eine Genehmigung des zuständigen Bauamtes benötigt.
Diese Nutzungsänderung kann sowohl der Vermieter als auch der Mieter beantragen; in beiden Fällen als sogenannter Bauherr. Einen Architekten benötigen Sie zum Erstellen aller Unterlagen als sogenannten Entwurfsverfasser.
5. Brandschutzanforderungen klären
Viele Praxen befinden sich in (Wohn-) und Geschäftshäusern. Je nach Größe und Baujahr des Gebäudes sollten Brandschutzkonzepte oder brandschutztechnische Stellungnahmen vorhanden sein. Diese enthalten konkrete Maßnahmen für die Einhaltung der bauordnungsrechtlichen Schutzziele, die individuell für die jeweilige Fläche/ das jeweilige Gebäude zugeschnitten sind. Zum Beispiel müssen alle Nutzungseinheiten über zwei Rettungswege verfügen.
Als Mieter ist es essenziell zu klären, ob die gewünschte Fläche brandschutztechnisch einwandfrei ist. Da dies ein sehr wichtiges Thema ist, ist dringend anzuraten, sich von entsprechenden Fachplanern beraten zu lassen.
Praxisumzug - Auf einen Blick
1. Standortwahl
a) Bewohnerstruktur, Parken, ÖPNV, Wettbewerb; b) Gebäude, Größe und Grundriss der Fläche
2. Raumprogramm
Raumaufteilung der Fläche, Verlauf der Verkehrsströme, Zukunft der Praxos einplanen
3. Technik
Gebäudeschnittstellen der Fläche prüfen: Elektroinstallation, Sanitäranschlüsse, Statik
4. Umnutzungsantrag
Ggf. Genehmigung für Raumumnutzung an Bauamt stellen
5. Brandschutz
Ist die Fläche brandschutztechnisch einwandfrei? Brandschutzkonzept/-Stellungnahme, Rettungswege
6. Barrierefreiheit
Art des Gebäudes bestimmt den Umfang der Umsetzbarkeit der Barrierefreiheit
7. Umzug
Umzugshilfe für Möbel und Geräte; Auf-/Abbau und Anschlüsse für Geräte prüfen
8. Zeitplan
Einzugstermin je nach Umfang der Arbeiten; Kündigung ehemaliger Fläche; Schließzeiten beachten
9. Kosten
Finanzierung und Investitionsbudget im Vorfeld festlegen; Mietzins; Mietdauer; Baukostenzuschuss
10. Corporate Identity
Profil der Praxis konzipieren
6. Barrierefreiheit der Praxis umsetzen
Die Einhaltung der Barrierefreiheit bei Gebäuden ist gesetzlich in der Landesbauordnung verankert. Unabdingbar bezüglich des Umfangs ist die Frage, ob das Gebäude, in das eine neue Praxis einziehen soll, ein Neubau oder Bestandsgebäude ist, und ob eine Nutzungsänderung zu beantragen ist. Erst diese Einordnung grenzt den Umfang einer Umsetzbarkeit der Barrierefreiheit und den rechtlichen Rahmen ein.
Unabhängig davon ist es immer zu empfehlen, auf eine Barrierefreiheit zu achten. Sie kann in Bestandsgebäuden meist nicht komplett umgesetzt werden, aber es kann zumindest darauf geachtet werden, das Bestmögliche zu tun. Zum Beispiel schmale Türen verbreitern, einen Kontrast vom neuen Bodenbelag zu den Wänden schaffen, auf eine gute Beleuchtung achten und die WCs modernisieren.
7. Organisation des Praxisumzugs
Für eine reibungslose Organisation des Umzugs, muss der Umfang desselben bestimmt werden. Zunächst ist die Entscheidung zu treffen, welche der vorhandenen Möbel mit in die neue Fläche genommen werden. Für vorhandene Möbel wie Schrankelemente können Umzugsunternehmen Monteure für den Ab- und Aufbau zur Verfügung stellen; nicht alle Untersuchungsgeräte können aus versicherungstechnischen Gründen privat von Ort zu Ort gefahren werden. Auch hierfür werden Umzugsunternehmen benötigt.
Diverse Untersuchungsgeräte können nur von Spezialfirmen ab- und wieder aufgebaut werden. Bei der Planung ist darauf zu achten, dass manche Geräte auch spezielle Anschlüsse benötigen. Diese müssen vorher in den neuen Räumen vorgerichtet werden.
Der zeitliche Ablauf eines Praxisumzugs ist von vielen Faktoren abhängig und zum Teil sehr komplex. Hauptfaktor ist dabei der Umfang der Arbeiten, der für die neue Fläche notwendig ist. Erst dieser kann den Einzugstermin bestimmen. Dieser gibt vor, wann die alte Fläche gekündigt werden muss und wann der Umzugsunternehmer loslegen kann.
Eingeplant werden müssen zum Beispiel auch eventuelle Schließzeiten, wenn beispielsweise große Geräte durch den Ab- und Aufbau viel Zeit in Anspruch nehmen. Je nach Umfang aller Arbeiten ist auf einen ausreichenden Vorlauf aller Beteiligten zu achten.
9. Kosten und Finanzierung des Praxisumzugs
Der Schritt in die Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis oder der Umzug in eine andere Praxisfläche erfordert oft umfangreiche Investitionen. Die Frage nach der Finanzierung und der Festlegung des Investitionsbudgets sollte daher vor Unterzeichnung eines Mietvertrags abgesteckt sein.
Hinsichtlich der Anmietung gibt es Stellschrauben beim Mietzins, der Mietdauer und eines möglichen Baukostenzuschusses seitens des Vermieters. Um hier auf eine optimale Verhandlungsgrundlage zurückgreifen zu können, sind die vorgelagerten Punkte der Machbarkeitsprüfung, Entwurfsplanung und Kalkulation hilfreich.
10. Corporate Identity der Praxis gestalten
Mit der richtigen Positionierung auf dem Markt erwirbt man einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung und Erhaltung vieler Patienten. Positionierung bedeutet hier, dass die Praxis ein unverwechselbares Profil durch eine stimmige Corporate Identity erhält. Damit ist die unverwechselbare Persönlichkeit des Unternehmens gemeint und beantwortet Fragen wie: Wodurch zeichnet sich die Praxis besonders aus und wie unterscheidet sie sich von ihren Mitstreitern?
Der Gesamteindruck einer Praxis entspringt immer einem sorgfältig abgestimmten Corporate Identity-Konzept und entsteht nicht zufällig.
Fazit: Erfolgreicher Praxisumzug
Unabhängig von der fachlichen Richtung eines Arztes ist ein praktikables Raumkonzept, das gesetzliche Bestimmungen, individuelle Vorstellungen und fachspezifische Bedürfnisse umsetzt, für den dauerhaften Erfolg einer Praxis von entscheidender Bedeutung. Die Wahl des Praxis-Standortes inklusive der Raumaufteilung der Fläche dürfen daher nicht dem Zufall überlassen werden.
Nach positiver Prüfung der oben stehenden Punkte und der Klärung sonstiger Fragestellungen steht einem erfolgversprechendem Praxisumzug in anvisierte neue Räume nichts mehr im Wege.
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