Der IGeL-Monitor, mit dem der Medizinische Dienst Bund die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen über das Angebot von IGeL in Vertragsarztpraxen informiert, wird laufend ergänzt. Hier finden Sie drei Neubewertungen.
In einem Abrechnungstipp in der Ausgabe 1/2021 des Wirtschaftsmagazins für die urologische Praxis wurde über im IGeL-Monitor urologisch relevante Bewertungen von IGeL berichtet: Über den NMP22-Test, PSA-Bestimmungen und Ultraschall zur Früherkennung von Prostatakrebs. Nach wie vor werden diese IGeL als „tendenziell negativ“ eingestuft. Urologinnen und Urologen, die diese IGeL anbieten, sollten Argumente parat haben, warum sie diese IGeL dennoch anbieten, wenn sie von ihren Patientinnen und Patienten auf deren negative Bewertungen angesprochen werden. Nachfolgend beleuchten wir weitere urologisch relevante IGeL, die im IGeL-Monitor bewertet sind.
1. Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Harnblasenkrebs
Wenn es keine Hinweise auf eine Erkrankung der Harnblase gibt und keine Beschwerden vorliegen, ist diese Untersuchung eine IGeL. Im IGeL-Monitor wird ausgeführt, dass falsch-positive Befunde weitere nicht erforderliche Untersuchungen zur Folge haben können. Die Bewertung im IGeL-Monitor bezieht sich auf Erwachsene ohne Beschwerden und die beruflich oder genetisch kein erhöhtes Risiko haben, an Harnblasenkrebs zu erkranken. In derartigen Fällen ist diese Untersuchung eine IGeL. Das Risiko, an Harnblasenkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Männer erkranken im Durchschnitt im Alter von 75 Jahren, Frauen im Alter von 77 Jahren. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Von daher stellt sich die Frage, ob durch Auslagen im Wartezimmer auf diesen Sachverhalt hingewiesen werden sollte, weil sich ein Großteil der Patientinnen und Patienten in urologischen Praxen in diesem Alter befindet. Einbezogen werden könnte dabei auch ein Hinweis auf den NMP22-Test als weitere Maßnahme zur Früherkennung von Harnblasenkrebs.
Bewertung: Tendenziell negativ
2. Immunprophylaxe mit Uro-Vaxom zur Vorbeugung rezidivierender Zystitis
Wichtig
Informieren Sie sich im IGeL-Monitor, wie die in der Praxis angebotenen IGeL aktuell bewertet werden.
Haben Sie Argumente parat, warum im IGeL-Monitor „negativ“ bewertete Leistungen dennoch angeboten werden.
Informieren Sie Ihre Patientinnen und Patienten über die in der Praxis angebotenen IGeL mittels Auslagen im Wartezimmer.
Die Bewertung dieser Behandlung im IGeL-Monitor bezieht sich auf nicht-schwangere Frauen ohne Begleiterkrankungen. Etwa zehn von 100 Frauen, aber nur zwei von 100 Männern bekommen mindestens einmal im Jahr eine Zystitis. Die Immunprophylaxe mit Uro-Vaxom gegen rezidivierende Zystitis ist eine IGeL. Die Kosten für die Kapseln werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Wegen der Behandlung indizierte, hinzukommende Beratungen und Untersuchungen sind ebenfalls IGeL. Laut einer Studie ließ sich bei einem Beobachtungszeitraum über mehrere Monate ein Nutzen für das Präparat ableiten. Dass die Kosten für eine Behandlung mit den Kapseln trotz tendenziell positiver Bewertung im IGeL-Monitor nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, wird man den überwiegend von einer Zystitis betroffenen Patientinnen kaum verdeutlichen können. Die für diese Behandlung anfallenden Kosten sind erheblich, über 100 € für eine Grundimmunisierung mit einer Dauer von drei Monaten, ca. 50 € für Auffrischungen. Die Ablehnung der Kostenübernahme für das Präparat könnte man demonstrieren, indem man sich im IGeL-Monitor die Ausführungen dazu herunterlädt. Dort heißt es wörtlich: „Die Immunprophylaxe mit Uro-Vaxom gegen wiederkehrende Blasentzündungen ist eine individuelle Gesundheitsleistung, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.“
Bewertung: Tendenziell positiv
3. Impfung mit StroVac zur Vorbeugung rezidivierender Zystitis
Während das Immuntherapeutikum Uro-Vaxom in Leitlinien bei rezidivierender Zystitis empfohlen wird, gibt es zu einer Impfung mit StroVac keine eindeutigen Empfehlungen. Laut IGeL-Monitor wurde zu dieser Impfung nur eine aktuelle Einzelstudie gefunden, aus der sich aber kein Nutzen ableiten lässt. Für eine Grundimmunisierung wird dreimal im Abstand von ein bis zwei Wochen das Präparat injiziert, danach erfolgen je nach individueller Lage Auffrischungsimpfungen. Die Kosten betragen in etwa ebenso viel wie eine Behandlung mit dem Immuntherapeutikum Uro-Vaxom.
Bewertung: Tendenziell negativ
Fazit
Von rezidivierenden Zystitiden sind überwiegend Frauen betroffen und zumeist sind es dieselben Patientinnen, die wegen eines Rezidivs in die Praxis kommen. Diesen Patientinnen wird man nur schwerlich verdeutlichen können, dass prophylaktische Maßnahmen nicht von den Krankenkassen bezahlt werden.
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