Workshops zu Ernährung, Phytotherapie, Sonografie und Osteoporose, Aktuelles aus der Forschung, interdisziplinäre Vorträge aus der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, zum Immunsystem oder mit Bezug zu Volkskrankheiten wie Adipositas und Herzerkrankungen – alle angebotenen Veranstaltungen waren ausgebucht. Auch im Symposium „Knifflige Fälle aus der Menopausensprechstunde“ waren alle Plätze besetzt. DMG-Präsidentin Dr. Katrin Schaudig, Hamburg, und Vorstandsmitglied Dr. Nele Freerksen-Kirschner, Aachen, stellten fünf Fälle aus der Praxis vor. Dabei ging es unter anderem um die Behandlung von Androgenisierungs-Symptomen in der Postmenopause, um prämature Ovarialinsuffizienz (POI) und Kinderwunsch, mögliche Optionen einer Hormonersatztherapie (HRT) nach mehreren Endometriose-Operationen oder den Einsatz einer HRT gegen vasomotorische Beschwerden trotz Vorliegen eines Hämangioms. Das Publikum beteiligte sich rege an den Umfragen zu den einzelnen Fällen und wünschte sich für die nächste Tagung mehr solcher Kasuistiken.
Forschungspreise – Neues aus der Wissenschaft
Den ersten Preis, dotiert mit 1.250 €, erhielt Dr. Lidia Mielke Cabello, Münster, für ihre Untersuchung zu medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten beim Mammakarzinom im Zusammenhang mit einem Adrogenrezeptor. Dr. Elena Pavicic, Bern/Schweiz, stellte zwei Studien vor und erhielt für ihre Darstellung der Daten zu Stress und Herzfrequenzvariabilität in Verbindung mit dem Altern den mit 750 € dotierten zweiten Preis. Den dritten Preis, dotiert mit 500 €, verlieh die DMG an Prof. Bettina Toth, Innsbruck/Österreich, für ihre Arbeiten im Rahmen der Grundlagenforschung des Klotho-Gens, das in der Anti-Aging-Medizin eine Rolle spielt.
Curriculum Menopause
Curriculum Menopause Modul II 28.–29. August 2026, online
Curriculum Menopause Modul I 27.–28. November 2026, online
Informationen unter soft-consult.org/
veranstaltungen
Heiß diskutiert: Ultraschall des Endometriums
Tagungspräsident Prof. Thomas Römer, Köln, eröffnete die Diskussion: Seit Jahren werde in Praxis und Öffentlichkeit diskutiert, ob die vaginale Ultraschalluntersuchung des Endometriums für Frauen „gefährlich“ sei. Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, Mainz, verwies auf entsprechende Aussagen früherer Leitlinien und betonte die zentrale Bedeutung der Sonografie für die Gynäkologie. Prof. Eric Steiner, Rüsselsheim am Main, ordnete die Diskussion aus Sicht der S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom ein. Der Ultraschall eigne sich nicht für eine allgemeine Früherkennung, da Studien bislang keinen Einfluss auf die Mortalität zeigten. Der Hamburger Gynäkologe Dr. Thomas Gent hob die Vorteile der Sonografie ebenso hervor wie Dr. Harlfinger mit seinem Appell: Die transvaginale Sonografie solle weiterhin verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Wechseljahre am Arbeitsplatz
Die Mitglieder des „Jungen Forums“ gestalteten ihre Session erstmalig als „Journal Club“. Sie stellten aktuelle Studien aus den Bereichen Perimenopause, Menopause und Einfluss von Bewegung auf die Knochengesundheit, Ernährung, Thrombophilie, POI und lokal vaginaler Östrioltherapie im Zusammenhang mit dem Mammakarzinom vor.
Als zweiten Programmpunkt der Sitzung präsentierten Vorstandsmitglied Dr. Annette Bachmann, Frankfurt/Main, und Tagungspräsidentin Dr. Susanne Theis, Mainz, die Projekte der Arbeitsgemeinschaft „Menopause@workplace“. Das Thema gewinnt volkswirtschaftlich an Bedeutung, wie Theis erläuterte: „Weltweit sind eine Milliarde Frauen in der Postmenopause. Durch die Zunahme der allgemeinen Lebenszeit verbringen sie mittlerweile über ein Drittel ihrer Lebenszeit postmenopausal.“ Auch in Deutschland steige der Anteil erwerbstätiger Frauen im Alter über 50 Jahre. „Diese Frauen sind sehr berufserfahren. Sie haben sich im Laufe ihrer Karriere viele Kompetenzen und Qualifikationen angeeignet und noch viele Jahre im Job vor sich. Doch ab den Wechseljahren fühlen sich viele von ihnen von Beschwerden wie körperlicher und geistiger Erschöpfung, Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit oder sinkender Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt.“ Das betreffe die Frau als Individuum und Angestellte.
Für Betriebe resultieren daraus messbare wirtschaftliche Folgen: Für Deutschland kalkulierte die MenoSupport-Studie 9,4 Milliarden € pro Jahr durch Fehltage und Leistungseinbußen. „Unternehmen sind daher zunehmend daran interessiert, Menopausestrategien einzuführen“, betonte Theis. Diese Strategien definieren, wie Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen unterstützen und im Beruf halten können. Gemeinsam mit dem Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. hat die DMG den Flyer „Wechseljahre am Arbeitsplatz erfolgreich managen, Informationen für Arbeitgeber und Führungskräfte“ herausgegeben. Außerdem erarbeitet die Arbeitsgemeinschaft derzeit eine Vortragspräsentation zum Thema „Wechseljahre – das Chamäleon“, in der Expertenwissen für Frauen, Führungskräfte und Kollegen gebündelt wird.
Ein weiteres aktuelles Projekt ist die multizentrische MenoHealthCare-Studie, die unter der Initiative und Koordination von Bachmann zwischen dem 1. Oktober und 31. Dezember 2025 an neun Kliniken deutschlandweit lief: Mittels einer anonymen Online-Befragung konnten sich Mitarbeiterinnen zu etwaigen Wechseljahressymptomen, ihrer Versorgungssituation und ihrem Informationsbedarf äußern. Die Ergebnisse sollen eine Grundlage für betriebliche Strategien und gezielte Informations- und Versorgungsangebote schaffen.
Translationale Krebsforschung im Fokus des Festvortrags
Prof. J. Mark Cline, Winston-Salem/USA, stellte aktuelle wissenschaftliche Projekte seiner „Primate Cancer Initiative“ vor. Er arbeitet als Veterinärpathologe mit Schwerpunkt translationale Krebsforschung unter Einsatz nichtmenschlicher Primatenmodelle. Diese Modelle bezwecken unter anderem, Makaken mit spontan auftretenden Krebserkrankungen zu identifizieren und zu behandeln. Ziel ist es, neue Ansätze der Krebsimmuntherapie zu entwickeln und zu testen. Sein Team arbeitet mit Primatenforschungszentren in den USA zusammen, um Tiere mit natürlich vorkommenden Tumoren, darunter z. B. Brust- oder Darmkrebs, zu finden. Da Makaken genetisch und immunologisch dem Menschen sehr ähnlich sind, liefern sie ein einzigartiges Modell für die Übertragung präklinischer Erkenntnisse in die klinische Anwendung. Die Initiative liefert wichtige Daten zu hormonabhängigen Krebsarten, die in der Menopause besonders relevant sind. Clines Ansatz schließt damit eine wichtige Lücke zwischen klassischen Tiermodellen wie etwa an Mäusen und klinischen Studien am Menschen.
Die 30. Jahrestagung der DMG wird vom 12. bis 14. November 2026 im Kongresshaus Kap Europa der Messe Frankfurt/Main stattfinden. Als Tagungspräsidium gestalten Dr. Annette Bachmann, Frankfurt/Main, Dr. Aida Hanjalic-Beck, Freiburg, und Prof. Peyman Hadji, Frankfurt/Main, das Programm. Mehr Informationen auf der Homepage der DMG unter www.menopausegesellschaft.de
DMG-Präsidentin: Dr. med. Katrin Schaudig, Praxis für gynäkologische Endokrinologie Schaudig & Schwenkhagen, HORMONE-HAMBURG, Hamburg
Tagungspräsidenten: Prof. Dr. med. Thomas Römer, Köln; Dr. med. Susanne Theis, Mainz
Pressestelle der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V.
Quelle: Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V., Frankfurt am Main, 07.–08.11.2025