Mit den fünf aktuell im Deutschen Ärzteblatt1 erschienenen Beiträgen aus der Gastroenterologie und der Kardiologie hat die Initiative unter Leitung der DGIM nunmehr über 170 gültige Empfehlungen verfasst. Diese geben Ärztinnen und Ärzten Hilfestellung, um in konkreten Versorgungssituationen die richtige Entscheidung zu treffen.
Die neuen Empfehlungen im Überblick:
1. Tumorerkrankungen: Mangelernährung früh erkennen und behandeln
Viele Krebspatientinnen und -patienten verlieren im Verlauf ihrer Erkrankung Gewicht oder nehmen zu wenig Energie und Eiweiß auf. Die DGIM empfiehlt deshalb, den Ernährungsstatus ab der Diagnose regelmäßig mit validierten Instrumenten zu erfassen. Wird ein Risiko für Mangelernährung erkannt, kann eine frühzeitige Ernährungsberatung oder -therapie helfen, Kräfte zu erhalten, um die Behandlung besser bewältigen zu können.
2. Langjähriger Reflux: Einmalige Magenspiegelung soll Barrett-Ösophagus erkennen
Rund ein Viertel der Menschen in Deutschland ist regelmäßig von saurem Rückfluss wie Sodbrennen betroffen. Bestehen die Beschwerden über Jahre, kann sich hinter dem vermeintlich bekannten Sodbrennen ein Barrett-Ösophagus verbergen. Dieser gilt als Vorstufe für ein Adenokarzinom der Speiseröhre. Im Rahmen einer Meta-Analyse kam heraus, dass nur bei 5 % der Menschen mit Barrett-Karzinom zuvor ein Barrett-Ösophagus bekannt war. Die DGIM empfiehlt daher bei chronischem Reflux mindestens eine Magenspiegelung zur gezielten Abklärung einer relevanten Risikokonstellation. Ein allgemeines Screening der Bevölkerung wird wegen fehlender Daten jedoch nicht empfohlen.
3. Reizdarmsyndrom: Nach sicherer Diagnose keine routinemäßigen Wiederholungsuntersuchungen
Das Reizdarmsyndrom belastet Betroffene erheblich und schränkt die Lebensqualität durch Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung teils deutlich ein. Sind Warnzeichen und relevante Differenzialdiagnosen ausgeschlossen, ändert sich Studien zufolge die Diagnose Reizdarm über zwei bis 30 Jahre bei mehr als 95 % der Betroffenen nicht mehr. Die DGIM betont deshalb: Ohne neue Hinweise führt eine wiederholte Untersuchung, die die Ursprungsdiagnose infrage stellt, meist nicht weiter. Wichtiger sei dann eine verlässliche Behandlung und Begleitung.
4. Herz-Kreislauf-Risiko: Bewegungstherapie gezielt verordnen
Bei Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko oder chronischem Koronarsyndrom ist Bewegung keine Wellness-Empfehlung, sondern fester Teil der Therapie. Große Studien und Metaanalysen zeigen, dass regelmäßiges Training die Prognose verbessert und die Gesamt- und kardiale Mortalität senkt. Entscheidend ist, dass das Bewegungsprogramm individuell auf die Patientin und den Patienten zugeschnitten wird und Belastbarkeit, Begleiterkrankungen und mögliche andere Risiken beachtet.
5. Vorhofflimmern: Schlaganfallrisiko mit neuem CHA2DS2-VA-Score einschätzen
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Etwa einer von drei Menschen entwickelt diese im Laufe des Lebens. Weil die Rhythmusstörung das Risiko für Schlaganfall und andere Komplikationen erhöht, ist die Entscheidung über eine orale Antikoagulation zentral. Die DGIM empfiehlt dafür den neuen geschlechtsunabhängigen CHA2DS2-VA-Score. Dieser gibt Ärztinnen und Ärzten anhand eines Punktesystems eine Einschätzung, wie hoch das Schlaganfallrisiko ist und ob eine Antikoagulation sinnvoll ist. Die Grundlage des Scores bildet eine Erhebung von Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche, früherer Schlaganfall und Gefäßerkrankungen.
Hinweis: Alle „Klug entscheiden“-Empfehlungen unter www.klug-entscheiden.de