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vasomed 4/24

Ambulante OPs – Klinik-Atlas erfasst nur stationäre Fälle

Mitte Mai ist der von der Bundesregierung initiierte Klinik-Atlas an den Start gegangen. Der Berufsverband der Phlebologen und Lymphologen (BVPL) begrüßt die Möglichkeit, im Klinik-Atlas verschiedene Krankenhäuser nach Qualität, Ausrüstung und Anzahl der Behandlungsfälle zu vergleichen. Aus Patientensicht kann das eine gute Hilfe zur Wahl einer geeigneten Einrichtung darstellen. Die Website ist übersichtlich und anwenderfreundlich. Problematisch ist, dass die Statistik des Klink-Atlas nur stationäre Fälle erfasst, die ambulanten Fälle fließen nicht in die dargestellten Häufigkeiten ein.


01.07.2024
K. Hartmann, P. Zollmann
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Daher werden Fallzahlen, die in der Versorgungsrealität weit unterdurchschnittlich sind, in der Übersicht im grünen Bereich („sehr viele Fälle“) dargestellt. Das ist dann zwar statistisch – bezogen auf die stationär gemeldeten Fälle – richtig, geht aber an der Realität vorbei. Selbst Krankenhäuser, die überwiegend ambulant operieren, können dadurch mit unterdurchschnittlichen Fallzahlen gelistet sein. Da sich die Patienten im Klink-Atlas über die ambulanten Möglichkeiten nicht informieren können, führt das dazu, dass sie statt zu dem erfahrenen niedergelassenen Kollegen in der Nähe zu gehen, zu weit entfernten Krankenhäusern fahren, um sich dort beim vermeintlichen Spezialisten operieren zu lassen. 

Dazu zwei Beispiele aus unserem Verband bei der Suche nach „Varikose“:

1. Beispiel Jena in Thüringen

Es finden sich im Umkreis von 35 km ein Krankenhaus mit „sehr vielen Fällen (F)“ (24 F.), zwei Krankenhäuser mit „vielen“ (19 und 16 F.), ein Krankenhaus mit „mittel“ (8 F.) und ein Krankenhaus mit „wenigen“ Fällen (4 F.) pro Jahr. Demgegenüber operieren im zentral in Jena gelegenen OP-Zentrum drei spezialisierte Phlebologen ca. 2.000 Krampfadern pro Jahr. 

2. Beispiel Freiburg im Breisgau 

Im Umkreis von 50 km gibt es ein Krankenhaus mit „vielen Fällen“ (11 F.), zwei Krankenhäuser mit „mittel“ (9 und 5 F.) und zwei Krankenhäuser mit „sehr wenigen“ Fällen (4 F.). Im spezialisierten Venenzentrum operieren vier spezialisierte Phlebologen ca. 2.500 Krampfadern pro Jahr. 

Die Zahlen sprechen für sich: Ein Unterschied von gerade 20 Behandlungsfällen entscheidet zwischen der Bewertung „sehr 
viele“ (grün) und „sehr wenige“ (rot). Verglichen mit den ambulanten Zahlen liegt die Fehlinformation auf der Hand. Ein Patient, der sich an der Fallzahl im Klinik-Atlas orientiert, würde bei den beiden genannten Beispielen nicht in die spezialisierte ambulante Einrichtung, sondern Kilometer weiter in eins der Krankenhäuser mit vermeintlich hohen Fallzahlen gehen. Ähnliche Ergebnisse bekommt man bei der Suche nach anderen Standorten.

Nachdem das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit der Verordnung zu den Hybrid-DRGs die Ambulantisierung voran­treiben wollte, ist es kontraproduktiv, durch falsch gewichtete Ergebnisse im Klinik-Atlas Patienten in Richtung Krankenhaus zu dirigieren. Bei der Veröffentlichung des Klinik-Atlas wurden ja laufende Änderungen angekündigt, und so sollte diese falsche Gewichtung der Fallzahlen dringend zeitnah berichtigt werden. 

Ohne Einbeziehung der Statistiken der ambulanten Operateure wird sich bei ambulant relevanten Fällen keine sinnvolle Patienteninformation erzeugen lassen. Es ist wichtig, die ambulanten OP-Zentren, Tageskliniken und MVZ in den Klinik-Atlas einzubeziehen, um die Patienten über die besten Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.
Diese Problematik hat der BVPL mit einem Anschreiben an Minister Lauterbach und einer Pressemitteilung an die Fachpresse aufgegriffen. 

Karsten Hartmann und Philipp Zollmann für den Berufsverband der Phlebologen und Lymphologen