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Angiologie, Gefäßchirurgie, Gefäßmedizin, Medizin, Phlebologie Gefäßmedizin Gefäßmedizin, vasomed
vasomed 5/24

Antiphospholipidsyndrom

Das Antiphospholipidsyndrom (APS) gehört zu den Thrombophilien. Hier stellt es eine der größten Herausforderungen dar, da es mit dem höchsten thromboembolischen Risiko für den Patienten verbunden ist. Die Prävalenz in der Bevölkerung ist unklar und wird auf zwischen 1–5 % geschätzt (8).


10.09.2024
G. Bruning
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ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(5): 183

Die Diagnostik erfolgt in der Regel im Rahmen des Thrombophilie-Screenings. Rezidivierende oder idiopathische Thrombosen sowie oberflächliche Venenthrombosen in gesunden Venen, insbesondere bei jungen Patienten, sind abklärungsbedürftig (thrombo­embolisches APS). Bei einem APS können außerdem Thrombosen in der arteriellen oder kapillären Strombahn auftreten und es zeigt sich häufig eine Erhöhung der aPTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) unklarer Genese (8). 

Das APS kann jedoch bei jungen Frauen auch zu Schwangerschaftskomplikationen, insbesondere Aborten, führen, sodass ebenfalls ein entsprechendes Screening durchgeführt werden sollte (gynäkologisches APS). Hinweisgebend sind 

  • ein Abort nach der 10. SSW mit morphologisch unauffälligem Fötus, 
  • mindestens drei frühe Aborte ohne Nachweis von mütterlichen Chromosomen-Anomalien oder hormonellen Störungen.
  • mindestens eine Geburt vor der 34. SSW wegen intrauterinen Wachstumsstörungen (Plazentainsuffizienz) oder schwerer Präeklampsie oder Eklampsie.

In einer nicht geringen Zahl der Fälle ist das APS mit anderen autoimmunologischen Grunderkrankungen, wie dem Systemischen Lupus erythematodes, kombiniert (sekundäres APS) (7).



Diagnostik

Die Diagnostik sollte ausschließlich bei einem vorliegenden klinischen Verdacht erfolgen (5). Um fehlerhafte Ergebnisse zu vermeiden, muss diese außerhalb der Therapie mit Antikoagulanzien stattfinden. Das Labor muss mit der entsprechenden Diagnostik vertraut sein und die Blutentnahme sollte direkt im Labor erfolgen. Da ein APS auch nur kurzfristig z. B. im Rahmen von Infektionen auftreten kann, wird gefordert, dass die Laborkriterien für mindestens zwölf Wochen nachweisbar sind, um die Diagnose eines APS sicherzustellen. Bei positivem Befund muss dieser nach ca. sechs bis acht Wochen nochmals bestätigt werden (2, 7). 

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Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie

Hrsg.: Prof. Eberhard Rabe
4. erweiterte und vollständig überarbeitete Auflage, 476 Seiten, WPV. Verlag, ISBN 978-3-934371-68-2, Preis: 75 Euro, 
Erscheinungstermin Ende September 2024

Das höchste thromboembolische Risiko haben die Patienten mit einem dreifach positiven APS (Abb. 1). Patienten mit einem nur zweifach positiven APS und fehlendem Nachweis von Lupus-Antikoagulans haben ein moderat erhöhtes Thromboserisiko (7). 
Therapie: Patienten mit APS und vorangegangenem thromboembolischem Ereignis haben ein sehr hohes thromboembolisches Rezidivrisiko (relatives Risiko 1,8 bis 4,5), daher ist hier eine zeitlich unbegrenzte Antikoagulation anzustreben. 

Bei dreifach positivem APS konnte in der TRAPS-Studie nachgewiesen werden, dass direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) keine ausreichende Wirkung erzielen und zu einem erhöhten Risiko eines thromboembolischen Re-Ereignisses führen, sodass Vitamin-K-Antagonisten bei dreifach positivem APS Mittel der ersten Wahl sind (1, 9). 

Bei nur einfach oder zweifach positivem APS, ohne positives Lupus-Antikoagulans, können DOAKs eingesetzt werden (Tab. 1) (1, 3). Bei gynäkologischem APS ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden Gynäkologen und der Gerinnungsmedizin notwendig. Hier ist eine dauerhafte Antikoagulation schon während der Kinderwunschtherapie, in der Regel mit niedermolekularem Heparin, notwendig.

Schweregrad des APStherapeutische DOAK-TherapieVKA-TherapieVKA-Therapie + ASS
dreifach pos. APSneinjanein
zweifach pos. APS mit negativem LAmöglichalternativ möglichnein
einfach pos. APS vom thrombotischen Typ mit negativem LAjaalternativ möglichnein
kein APS als Ursache der Thrombophiliejaalternativ möglichnein
APS mit arteriellen Thrombenneinjamuss erwogen werden
Tab. 1: Therapieoptionen beim APS in Abhängigkeit vom Befundstatus. LA: Lupus-Antikoagulans; DOAK: direkte orale Antikoagulanzien; VKA: Vitamin-K-Antagonisten (1,7).
Literatur

1.    Bauersachs R, Schellong S, Stücker M et al. Therapie des Antiphospholipid-Syndroms (APS) mit DOAKs. Stellungnahme der wissenschaftlichen Fachgesellschaften GTH, DGA, DGP sowie von BDDH und Deutscher Gefäßliga und des Aktionsbündnis Thrombose zum Rote Hand Brief vom 23.05.2019. 2019; Hämostaseologie 2019;39(03):298-300. DOI: 10.1055/s-0039-1694789.
2.    Devreese KMJ. Ortel TL, Pengo V, De Laat B. Subcommittee ond Lupus Anticoagulant/Antiphosphilipid A: Laboratory Criteria for antiphospholipid sydrome: Communication from the SCC oft the ISTH. J Thromb Haemost 2018;16:809-813.
3.    Dufrost V, Darnige L, Reshetnyak T et al. New Insights into the Use of Direct Oral Anticoagulants in Non-high Risk Thrombotic APS Patients: Literature Review and Subgroup Analysis from a Meta-analysis. Curr Rheumatol Rep. 2020;22(7):25.
4.    Dufrost V, Risse J, Reshetnyak T et al. Increased risk of thrombosis in antiphospholipid syndrome patients treated with direct oral anticoagulants. Results from an international patient level data meta-analysis. Autoimmun Rev 2018;17:1011-1021.
5.    Landahl F, Langer F, Woitalla-Bruning J. Thrombophilie: Wann ist eine weiterführende Diagnostik Sinnvoll?  Phlebologie 2019;48:123-126.
6.    Linnemann B, Blank W, Doenst T et al. Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. Stand: 11.01.2023.
7.    Garcia D, Erkan D. Diagnosis and Management of the Antiphospholipid Syndrome. N Engl J Med 2018; 378:2010-2021.
8.    Pengo V, Denas G, Zoppellaro G et al. Rivaroxaban vs warfarin in high-risk patients with antiphospholipid syndrome. Blood 2018;132:1365-1371.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Guido Bruning
Krankenhaus Tabea GmbH & Co. KG
Zentrum für Venen- und Dermatochirurgie
Kösterbergstraße 32, 22587 Hamburg
gbruning(at)tabea-krankenhaus.de