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Orthopädie, Schmerztherapie, Medizin Orthopädie Orthopädie
Lumbalgie

Behandlung des diskogenen lumbalen Rückenschmerzes

Der diskogene lumbale Rückenschmerz kann zu erheblichen funktionellen Einschränkungen führen, ist klinisch schwer zu diagnostizieren und mit hohen Behandlungskosten verbunden. Dieser Beitrag fasst eine aktuelle Studie von Wouter et al. zusammen, in der die Autoren die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten bewertet haben.1


05.03.2026
K. Breitenborn
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Chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich sind eine der Hauptursachen für Behinderungen und betreffen weltweit etwa 619 Millionen Menschen bzw. rund 8 % der Weltbevölkerung.2 Bei Patientinnen und Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen wird angenommen, dass in etwa 40 % der Fälle die Bandscheiben beteiligt sind; diese Schmerzen werden als diskogen bezeichnet.2,3 Meist ist der Schmerz allerdings nicht nur auf eine einzelne Pathologie zurückzuführen. Ziel der Arbeit von Wouter et al. war die Darstellung und Bewertung der aktuellen Literatur, die sich mit der Diagnostik und Therapie des chronischen diskogenen lumbalen Rückenschmerzes (CDLRS) befasst hat (s. Tab. und Abb.).1

TechnikEvidenzlevelEmpfehlung
BiacuplastiemoderatKann bei therapierefraktären Fällen in speziellen Zentren durchgeführt werden.
Rückenmark-StimulationmoderatKann in schweren Fällen erwogen werden, wenn alle anderen Therapien fehlgeschlagen sind.
Intradiskale elektrothermische TherapiegeringKann erwogen werden in therapierefraktären Fällen mit extrem quälenden Schmerzen, ideal unter Studienbedingungen.
Stimulation des dorsalen Wurzelganglionssehr geringKeine Standardtherapie, kann in Notfällen bei therapierefraktären Fällen oder in klinischen Studien erwogen werden.
Intradiskale Kortison-InjektiongeringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Intradiskale Methylenblau-InjektiongeringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Perkutane intradiskale RadiofrequenzthermokoagulationgeringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Injektion mesenchymaler Stammzellensehr geringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Injektion von Platelet Rich Plasmasehr geringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Cytokin-Antagonistensehr geringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Radiofrequenz-Annuloplastiesehr geringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Gepulste Radiofrequenztherapie der Bandscheibesehr geringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Nukleoplastiesehr geringPrimäre Indikation ist radikulärer Schmerz bei Bandscheibenprotrusion; sollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
RFA des Ramus communicanssehr geringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
RFA von SVN/BVNsehr geringSollte nicht außerhalb einer Studie angewandt werden.
Tab.: Evidenz der interventionellen Schmerztherapie bei chronischem diskogenem lumbalem Rückenschmerz (mod. nach [1])

 

Vielzahl an minimalinvasiven Methoden

Die klinischen Symptome und Befunde, die während der körperlichen Untersuchung festgestellt werden, können laut der Autoren die Diagnostik unterstützen, weisen jedoch eine geringe Sensitivität und Spezifität für das Vorliegen von CDLRS auf. Die Magnetresonanztomographie diene primär dem Ausschluss anderer struktureller Pathologien und bilde die Grundlage für die Indikationsstellung zur druckkontrollierten provokativen Diskographie, die weiterhin als diagnostischer Referenzstandard gelte.

Laut Wouter et al. umfasst die konservative Therapie Schmerz-Edukationsprogramme, Physiotherapie, psychologische Behandlungsansätze sowie Medikamente gegen Schmerzen. Für therapieresistente Verläufe des CDLRS stünden verschiedene minimalinvasive interventionelle Verfahren zur Verfügung, darunter die Biacuplastie sowie die gekühlte Radiofrequenztherapie als mögliche Behandlungsoptionen.

Verbesserung der diagnostischen Evidenz

Vielversprechende neue Therapiean­sätze seien, so die Autoren, die intradiskale Applikation mesenchymaler Stammzellen sowie von plättchenreichem Plasma, die Radiofrequenzablation der Sinuvertebralis- und Basivertebralis-Nerven, die Stimulation des dorsalen Wurzelganglions sowie die Rückenmark-Stimulation. Zukünftige Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit dieser Verfahren, raten die Autoren, sollten als randomisierte kontrollierte Studien mit klar definierten Einschlusskriterien und längeren Nachbeobachtungszeiträumen konzipiert werden. Ein wesentlicher Schwerpunkt zukünftiger Forschung solle aber auch auf der Verbesserung der diagnostischen Evidenz für den diskogenen lumbalen Rückenschmerz liegen.

Katrin Breitenborn, Redakteurin

Literatur

1 Wouter KM et al. Pain Pract 2025;25(7):e70062. DOI: 10.1111/papr.70062.

2 GBD 2021 Low Back Pain Collaborators. Lancet Rheumatology 2023;5:e316–e329.

3 DePalma MJ et al. Pain Medicine 2011;12:224–233.