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Dermatologie, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Medizin Dermatologie Dermatologie, HAUT
HAUT 2/22

Behandlung von Falten und ­Gewebeatrophien mit Eigenfett

Durch die gezielte Eigenfetttransplantation wird das Gesicht verjüngt. Anhand von Volumenaddition und Regenerationsprozessen in der Haut wird der Alterungsprozess (d. h. Faltenbildung und Gewebe­atrophie) verringert und entschleunigt. Schlüsselwörter: Verjüngung, Eigenfetttransplantation, Volumenaddition, Falten­bildung, Gewebeatrophie, Hautalterung


06.04.2022
K. Kassem-Trautmann
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Zitierweise: HAUT 2022;33(2):62-65.

Abstract

A targeted autologous fat transplantation results in a rejuvenation of the face. By means of volume addition and regeneration processes in the skin, the aging process, i. e. wrinkles and tissue atrophy, is reduced and decelerated.
Key words: rejuvenation, autologous fat grafting, volume addition, wrinkling, tissue atrophy, skin aging

Anwendungsgebiete

Seit Ende des vorigen Jahrhunderts sind ästhetische Behandlungen mit Eigenfett wieder vermehrt in den Mittelpunkt der ästhetisch-plastischen Chirurgie gerückt. Durch optimierte Techniken der Eigenfettgewinnung und Reimplantation haben sich – von der Gewebsgewinnung über Fettaufbereitung bis zur Injektion – mittlerweile viel­erprobte Standards etabliert. Besonders in der Gesichts­chirurgie eignet sich die Eigenfetttherapie heute sowohl zum Volumenaufbau (besonders zur Verzögerung des überwiegend altersbedingten Volumenverlustes) als auch zur regenerativen Beeinflussung von unterschiedlichen Gewebstypen und Entzündungsvorgängen. Insbesondere geschieht dies durch die im Fett enthaltenen Stamm­zellen, welche sich beispielsweise in Fett­zellen, Hautzellen, Osteoblasten, Chondroblasten und Endothelzellen differenzieren können. Fett als Füll­material ist vielfältig einsetzbar, leicht zu gewinnen sowie sehr biokompatibel. Da es sich um Eigengewebe handelt, ist es gut verträglich. Die Gesichts­behandlung mit Eigenfett kann entweder allein oder auch in Kombination mit anderen operativen Eingriffen zur Formkorrektur durchgeführt werden. Ein Beispiel ist das klassische Facelift zur Straffung der Gesichtszüge, welches – mit einer Eigenfetttransplantation kombiniert – durch Auffüllen und Modellieren der Übergänge zu einem faltenreduzierten Ergebnis führt. Zusätzlich verbessert sich das Hautbild1. Es wird feiner und regenerative Prozesse im Gewebe werden angeregt. Für die Behandlung mit körper­eigenem Fett eignen sich insbesondere die folgenden Gesichtsregionen: das Mittel­gesicht, die Temporalregion, die Nasolabialfalten und die Marionettenregion. Möglich sind verjüngende Effekte wie die Verbesserung der Hautqualität2, ein zarter Aufbau der Wangen sowie generell gezielte Falten­reduktion und Korrektur eingefallener Narben. Weitere Anwendungsgebiete sind die Behandlung dunkler Augenringe, eingesunkener Augen oder das Auffüllen von Schläfen und Lippen. 

Voraussetzungen für die ­Behandlung mit Eigenfett

Um qualitativ geeignetes Fett zu generieren, bieten sich als Entnahmestellen erfahrungsgemäß bevorzugt diätresistente Körperbereiche an. Dazu gehören – je nach vorhandener Fettmenge und Konstitution der Behandelten – beispielsweise Bauchdecke, Flanke, oberes Gesäß, Oberschenkel sowie der mediale Kniebereich. Das Eigenfetttransplantat sollte möglichst klein sein und einen Durchmesser von höchstens 1,5 mm aufweisen, um die Überlebenschance der Zelle zu maximieren. 

Kleine Mengen von Eigenfetttransplantaten können primär in der Erstphase per Diffusion versorgt werden, während sich große Mengen selten komplett per Diffusion am Leben erhalten lassen3. Vielmehr kommt es zur Zellapoptose beziehungsweise zu einer entzündlichen Reaktion. Das kann zu Abbauprozessen führen, sodass die gesamte Transplantationsmenge gefährdet ist. Noch in der Diskussion ist dabei die spezielle Funktion der transplantierten Stammzellen. 

Das Transplantat besteht aus den Binde­gewebszellen, der stromalen vaskulären Fraktion4 und den Adipozyten. Die vaskuläre Fraktion besteht aus Prä-Adipozyten, endotheli­alen Zellen, Stammzellen des Fettgewebes, Monozyten, Makrophagen, Granulozyten und Lymphozyten. Die Fettentnahme erfolgt mit stumpfen Injektionskanülen: Eingesetzt werden Kanülen in verschiedenen Größen mit stumpfem Ende und seitlichen Öffnungen. Der Durchmesser, die Länge und die Form der Kanüle richten sich nach der Größe der Fettpartikel, je nachdem, ob es sich um Makro-, Mikro- oder Nanofett handelt. Entsprechende Richtwerte sind: von 30-Gauge (G) -Kanüle bei Nanofett bis zur 20-G-Kanüle für Mikro- und Makrofett5. Zur systematischen Auf­bereitung beziehungsweise Fettreinigung dienen Techniken vom Filtern über Sedimentation und Zentrifugation bis hin zum reinen Waschen. Da freie Fettzellen in drei Tagen absterben, ist es wichtig, den Zelldebris und größere Fettpartikel von den kleinen Fett­partikeln zu trennen, die direkt in Kontakt mit den vorzufindenden Kapillaren kommen. Die im umgebenden Bindegewebe vorhandenen Stammzellen, deren Prä-Adipozyten und die Kapillaren überleben dagegen sechs bis zehn Tage. Besonders wichtig ist des Weiteren, die Qualität der Empfängerregion abzuklären: Ist diese gut vaskularisiert? Liegt eine Gewebe­atrophie vor? Ist der Bereich mimisch stark involviert? Grundsätzlich gehen transplantierte Fettzellen in pathologisch atrophiertem Gewebe wie der „facial HIV dystrophy“, dem Romberg-Syndrom oder der paradoxen Lipodystrophie wesentlich besser an. Wahrscheinlich sind dort in den wichtigen mittransplantierten Kapillaren und Prä-Adipozyten keine Fettzellen „im Weg“. 

Vor jeder Behandlung mit Eigenfett müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein: Die Behandelten sollten eine gesunde Konstitution aufweisen und frei von Stoffwechsel­erkrankungen sein. Darüber hinaus sollte die Person nicht rauchen und keinen Extremsport betreiben. Relevant für eine erfolgreiche Gesichtsbehandlung mit Eigenfett sind auch das Alter sowie die psychische und physische Verfassung der Behandelten. 



Fallbeispiele

Mittelgesichtsatrophie bei einer ­28-jährigen Patientin (Abb. 1a, b) 

Sie störte sich an der Fülle ihres unteren Gesichtsdrittels und ihrem wenig definierten Unterkiefer. Deshalb wurde eine Liposuktion im unteren Gesichtsdrittel und am Hals durchgeführt. Das dabei gewonnene Fett wurde für das Lipofilling des Mittelgesichts verwendet. Außerdem erfolgte ein Lipo­filling am infraorbitalen Rand, im medialen Wangenfett, im oberen Drittel der Nasolabial­falte sowie an den Schläfen. Durch die Volumen­addition hat die Patientin einen runderen Gesichtsausdruck. Die Patientin fühlt sich frischer und der Gesichtsausdruck ist fröhlicher und wacher (Abb.1c, d). 

Ptosis der Haut und auffälliger ­Fettgewebsschwund bei einer 71-jährigen Patientin (Abb. 2a)

Infolge des verlorengegangenen Volumens in der Augenhöhle entwickelte die Patientin beidseitig eine starke Lidheber­schwäche. Ein Facelifting lehnte die Patientin ab. Hier wäre eine Kombination mit Eigenfett möglich gewesen. Der Lidheber Musculus levator wurde beidseitig korrigiert durch eine Doppelung und Naht der Levator-Aponeurose. Das Fett wurde mittels Liposuktion am Abdomen gewonnen. Das Lipofilling erfolgte im Bereich der Unterlider sowie des gesamten Mittel­gesichts, der Schläfe, der Stirn, der Naso­labialfalten, im Lippenweiß, im Bereich der Marionettenfalten und in der Kinnregion. Die Patientin wirkt wacher, gesünder und voller im Gesicht. Die Haut ist insgesamt straffer und vitaler (Abb. 2b).

Narbenbehandlung eines Patienten (44) nach auswärtiger Melanomexzision in der Wange mit stigmatisierender Narbe (Abb. 3a)

Der Patient hatte eine deutlich sichtbare Narbe an der Wange, die ihn an sein ehemaliges Melanom erinnerte. Zusätzlich störte er sich an einer Gesichtsasymmetrie an der damals operierten Gesichtshälfte beziehungsweise einem Volumendefizit an dieser Stelle (Abb. 3a). Bei dem Patienten wurde eine Narbenexzision im Sinne einer W-Plastik durchgeführt. Durch Um­lenkung einer geraden Schnittführung in viele kleine Zacken ist diese für den Betrachter kaum zu erkennen (Abb. 3b). Die eingezogene Wangenform wurde mit einem Lipofilling korrigiert. Die neue Narbenführung wurde in die Hautspaltlinien gelegt. Das Fett wurde vom Abdomen abgenommen. Behandlungseffekt: kaum sichtbare Narbe bei ebenmäßigem Bartwuchs. Ausgleich der Asymmetrie durch Volumenaddition (Abb. 3c).

Fazit 

Nach drei bis sechs Monaten ist das „End­ergebnis“ einer Eigenfetttransplantation sichtbar. Diese moderne Behandlungs­methode bietet mittlerweile vielfältige Möglichkeiten in der ästhetisch-plastischen Chirurgie. Obwohl die Operation in manchen Fällen wiederholt werden muss, wenn nur Teile der Fettzellen anwachsen, ist die Eigenfett­therapie zur Faltenbehandlung im Vergleich zum Einsatz von Hyaluronsäure und Fillern dauerhaft6. Daher empfiehlt es sich – für ein erfolgreiches und vor allem wunschgemäßes Resultat –, vorab stets eine ausführliche fachliche Beratung bei einem ästhetisch-plastischen Chirurgen einzuholen.

1. Rigotti G, Charles-de-Sá L, Gontijo-de-Amorim NF et al. Expanded Stem Cells, Stromal-Vascular Fraction, and Platelet-Rich Plasma Enriched Fat: Comparing Results of Different Facial Rejuvenation Approaches in a Clinical Trial. Aesthet Surg J. 2016;36:261-70. 
2. Prantl L, Brix E, Kempa S et al. Facial Rejuvenation with Concentrated Lipograft- A 12 Month Follow-Up Study. Cells. 2021;10:594. 
3. Delay E, Guerid S: The role of Fat Grafting in Breast Reconstruction, Clean Plast Surg, 2015 Jul;42(3):315-23, vii.doi:10.1016/j.cps.2015.03003.Epub 2015 Apr. 2015, PMID: 26116937. 
4. Surowiecka  A, Piekarski  M, Pototschnig  H. Stromal vascular fraction and emulsified fat as regenerative tools in rejuvenation of the lower eyelid area. Dermatol Ther. 2021;34:e14937.
5. Funk W, Metelmann HR. Minimalinvasive nichtoperative Methoden in der Gesichtsästhetik. Springer-Verlag GmbH 2020, ISBN: 3662573741.
6. Crowley JS, Kream E, Fabi S et al. Facial Rejuvenation With Fat Grafting and Fillers.  Aesthet Surg J. 2021;41(Suppl 1):S31-S38.

Korrespondenzadresse

Katja Kassem-Trautmann
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (FMH)
Bahnhofstrasse 32
CH-6300 Zug, Schweiz
E-Mail: plastische-chirurgie-zug(ett)hin.ch
www.plastische-chirurgie-zug.ch