Bei Herzrhythmusstörungen auf den Vitamin-D-Status achten
Ein Vitamin-D-Mangel kann zu Herzrhythmusstörungen führen – genauso wie eine Hypervitaminose D. Daher empfiehlt sich eine sorgfältige Labordiagnostik und eine dem Vitamin-D-Status entsprechend gezielte Supplementierung.
Studien und Metaanalysen deuten darauf hin, dass eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung mit der Entwicklung verschiedener Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, verbunden sein kann.1–3 Ebenfalls zeigt die Datenlage, dass eine entsprechende Supplementierung zum Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels das Risiko für Herzrhythmusstörungen signifikant senken könnte.4
Wie beeinflusst Vitamin D den Herzrhythmus?
- Vitamin D ist für die Calciumhomöostase und die elektrische Stabilität der Herzmuskelzellen relevant. Das Herzmuskelgewebe kann durch eine Vitamin-D-Mangel-bedingte unzureichende Calciumverfügbarkeit in seiner elektrischen Aktivität gestört werden, was Arrhythmien begünstigt. Besonders die Ionentransportmechanismen, die für die Erregung und Kontraktion der Herzmuskulatur erforderlich sind, können durch ein Vitamin-D-Defizit beeinträchtigt werden.5
- Vitamin D hat entzündungshemmende Effekte, was die kardiale Elektrophysiologie günstig beeinflussen kann.5,6
- Vitamin D hat Einfluss auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und damit auf die Regulation von Blutdruck und Flüssigkeitsbalance. Ein Vitamin-D-Mangel kann eine Überaktivierung dieses Systems fördern, was zu einer Verschiebung im elektrolytischen Gleichgewicht führen und das Risiko für Arrhythmien erhöhen kann. Besonders bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Hypertonie scheint ein niedriger Vitamin-D-Status mit einem erhöhten Risiko für Arrhythmien assoziiert zu sein.5,7
Fazit für die Praxis
Um Herzrhythmusstörungen entgegenzuwirken, ist nicht nur an einen Vitamin-D-Mangel zu denken. Eine Hypervitaminose D ist ebenfalls zu vermeiden, auch wenn diese deutlich seltener im Vergleich zu einem Vitamin-D-Mangel auftritt. Daher empfiehlt sich eine sorgfältige Labordiagnostik und bei nachgewiesenem Mangel eine gezielte Vitamin-D-Supplementierung in Tagesdosen zwischen 800 bis 2.000 IE, gelegentlich bis 4.000 IE.10,11
Auch eine Hypervitaminose D vermeiden
Eine Überversorgung mit Vitamin D wird definiert durch einen Calcidiol-Serumspiegel von über 400 nmol/l bzw. 160 ng/ml. Eine akute Vitamin-D-Überdosierung tritt bei Einzelgaben beim Erwachsenen ab etwa 2.000.000 IE ein, während bei chronischer Einnahme die Tagesdosen variieren. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat daher die täglich tolerierbaren Gesamtzufuhrmengen für Kinder im ersten Lebensjahr auf 1.000 IE, für Kinder bis zum 10. Lebensjahr auf 2.000 IE und danach auf 4.000 IE festgelegt.8
Eine übermäßige Vitamin-D-Zufuhr erhöht die Calcitriolproduktion und kann zu einer Hypercalcämie führen. Und der zu hohe Calcidiolspiegel wiederum beeinflusst die Erregungsleitung, die Refraktärzeit und die Kontraktilität des Herzmuskels, was das Risiko für Arrhythmien erhöht.9
Verdacht auf Vitamin-D-Mangel? Hier finden Sie ausführliche Informationen zur Labordiagnostik: www.gf-biofaktoren.de/diagnose/uebersicht-zur-labordiagnostik/
1 Barsan M et al. Biomedicines 2022;10(6): 1239.
2 Graczyk S et al. Nutrients 2023;15(12): 2725.
3 Zhang Z et al. Clin Cardiol 2016;39(9): 537–543.
4 Virtanen JK et al. Am J Clin Nutr 2022;115(5): 1300–1310.
5 Cosentino N et al. Nutrients 2021;13(10): 3603.
6 Krajewska M et al. Front Endocrinol (Lausanne) 2022:13: 920340.
7 Ajabshir S et al. J Nephropathol 2014;3(2): 41–43.
8 www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/2813.
9 Asif A, Farooq N: Vitamin D Toxicity. www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK557876.
10 Pludowski P et al. Nutrients 2022;14(7): 1483.
11 Pludowski P et al. Nutrients 2024;16(3): 391.
Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
daniela.birkelbach(at)gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de