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Biomarker in der Wundbehandlung

Das Milieu chronischer, schwer heilbarer Wunden besteht aus komplexen Prozessen und Wechselwirkungen zwischen Zellen und Signalmolekülen (1, 2). Bisher fehlen jedoch diagnostische Möglichkeiten, um Fehlregulationen zu identifizieren, die Heilungsprogression zu überwachen und gezielt in den Regenerationsprozess einzugreifen. Die Entwicklung von Biomarkern und Krankheitsmustern zielt darauf ab, diese diagnostische Lücke zu schließen und eine personalisierte Wundmedizin zu ermöglichen (3).


04.07.2023
J.-D. Rembe
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ZITIERWEISE: VASOMED 2023; 35 (4): 122-124

Neue Ansätze wie Unterdruck-Wundtherapie, Kaltplasma, Proteasemodulation, Wachstumsfaktoren und Nanotechnologien eröffnen zusätzliche Möglichkeiten zur Behandlung chronischer Wunden (4), zeigen jedoch auch ein Manko in den therapeutischen Strategien auf. Eine allgemeine Anwendung einzelner Produkte in allen Situationen ist weder zielführend noch ökonomisch (5). Stattdessen sollten individuelle therapeutische Konzepte entwickelt werden, die auf diagnostischen Parametern basieren. Biomarker des lokalen Wundmilieus können dabei helfen, Prozesse zu differenzieren, zu überwachen und therapeutische Interventionen zu steuern.

Biomarker sind messbare biologische Merkmale oder Indikatoren, die den Zustand eines Organismus anzeigen (6). Sie werden bereits in der Onkologie als diagnostische Parameter oder Verlaufsmarker eingesetzt. In der Wundtherapie sind valide Biomarker jedoch noch begrenzt verfügbar. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Biomarker im Wundmilieu zu quantifizieren, wie die Gewinnung von Gewebematerial oder Wundexsudat. Moderne technologische Ansätze wie Hyperspektralanalyse, pH-Sensoren, Fluoreszenzdetektion oder biomolekulare Marker bieten Optionen zur Messung von Biomarkern.

Der pH-Wert im Wundmilieu beeinflusst biochemische und enzymatische Prozesse sowie die Aktivität von regenerativen Zellen und die Immunantwort. Chronische Wunden haben oft einen basischen pH-Wert (7–10), der auf mikrobielle Kontamination und Infektion hinweisen kann (7, 9). Der pH-Wert kann daher als potenzieller Biomarker für eine Wundinfektion dienen und zur Steuerung der antimikrobiellen Therapie genutzt werden.

Proteasen spielen bei nicht-heilenden Wunden ebenfalls eine wichtige Rolle (11). Matrix-Metalloproteasen (MMP) sind wichtig für den Gewebeumbau, ein Ungleichgewicht zwischen Proteasen und Inhibitoren führt zu einem schädlichen Abbau der extrazellulären Matrix. Eine gestörte Wundheilung ist mit erhöhter Proteaseaktivität verbunden, während höhere Proteaseinhibitoren eine bessere Heilung anzeigen (12). Einzelne Proteasen bzw. ihr Verhältnis zu Inhibitoren haben das Potenzial, positive oder negative prädiktive Marker zu sein (13–15). MMP-13 wurde beispielsweise als Marker für nicht-heilende Wunden identifiziert (16). Point-of-Care-Tests messen Proteaseaktivität und könnten als prognostische Biomarker genutzt werden (17). 

Das Verständnis des Wundmilieus erfordert jedoch eine ganzheitliche Betrachtung der Interaktionen. Aspekte wie das proteolytische Milieu, der pH-Wert, die mikrobielle Last und das entzündliche Milieu sind Teil des Gesamtkontexts. Einzelne Aspekte können sowohl vorteilhaft als auch Teil des Problems sein und sich gegenseitig beeinflussen. Zukünftige Forschung konzentriert sich auf Biomarker-Netzwerke, biomolekulare Profile und pathophysiologische Muster anstelle einzelner Marker. Die Systembiologie analysiert komplexe biologische Prozesse im Gesamtkontext (18). Methoden wie Massenspektrometrie (MS) und Next-Generation-Sequencing (NGS) ermöglichen vielversprechende Ansätze für die Analyse des Wundmilieus auf verschiedenen Ebenen (19). Die aufkommende Disziplin der „Wund-OMICS" bietet Möglichkeiten zur Erweiterung unseres Verständnisses und zur individualisierten Wundtherapie (20–22).

Insgesamt befindet sich die Entwicklung von Biomarkern in der Wundtherapie noch in einem frühen Stadium, aber es gibt vielversprechende Forschungsergebnisse und neue Ansätze, um eine individualisierte Wundmedizin zu ermöglichen.

Dieser Beitrag beruht auf einem Vortrag beim Deutschen Wundkongress, der vom 10.–12.05.2023 in Bremen stattfand.



1.    Zhao R, Liang H, Clarke E, Jackson C, Xue M. Inflammation in Chronic Wounds. Int J Mol Sci. 2016;17(12).
2.    McCarty SM, Percival SL. Proteases and Delayed Wound Healing. Adv Wound Care (New Rochelle). 2013;2(8):438-47.
3.    Rembe J-D, Stürmer EK. Biomarker in der Wundheilung und Wundbehandlung. Gefässchirurgie. 2023;28(1):15-23.
4.    Strohal R, Dissemond J, Hastermann G et al. Die Rolle eines Proteasen Schnelltests in der Wunddiagnostik. Wundmanagement. 2012.
5.    Weigelt MA, Lev-Tov HA, Tomic-Canic M et al. Advanced Wound Diagnostics: Toward Transforming Wound Care into Precision Medicine. Adv Wound Care (New Rochelle). 2022;11(6):330-59.
6.    Lindley LE, Stojadinovic O, Pastar I, Tomic-Canic M. Biology and Biomarkers for Wound Healing. Plast Reconstr Surg. 2016;138(3 Suppl):18S-28S.
7.    Ono S, Imai R, Ida Y et al. Increased wound pH as an indicator of local wound infection in second degree burns. Burns. 2015;41(4): 820-4.
8.    Percival SL, McCarty S, Hunt JA, Woods EJ. The effects of pH on wound healing, biofilms, and antimicrobial efficacy. Wound Repair Regen. 2014;22(2):174-86.
9.    Sim P, Strudwick XL, Song Y et al. Influence of Acidic pH on Wound Healing In Vivo: A Novel Perspective for Wound Treatment. Int J Mol Sci. 2022;23(21).
10.    Metcalf DG, Haalboom M, Bowler PG et al. Elevated wound fluid pH correlates with increased risk of wound infection. Wound Medicine. 2019;26(1):100166.
11.    Westby MJ, Norman G, Watson REB et al. Protease activity as a prognostic factor for wound healing in complex wounds. Wound Repair Regen. 2020;28(5):631-44.
12.    Krishnaswamy VR, Mintz D, Sagi I. Matrix metalloproteinases: The sculptors of chronic cutaneous wounds. Biochim Biophys Acta Mol Cell Res. 2017;1864(11 Pt B):2220-7.
13.    Liu Y, Min D, Bolton T, Nube V et al. Increased matrix metalloproteinase-9 predicts poor wound healing in diabetic foot ulcers. Diabetes Care. 2009;32(1):117-9.
14.    Luanraksa S, Jindatanmanusan P, Boonsiri T et al. An MMP/TIMP ratio scoring system as a potential predictive marker of diabetic foot ulcer healing. J Wound Care. 2018;27(12):849-55.
15.    Muller M, Trocme C, Lardy B, Morel F et al. Matrix metalloproteinases and diabetic foot ulcers: the ratio of MMP-1 to TIMP-1 is a predictor of wound healing. Diabet Med. 2008;25(4):419-26.
16.    Stacey MC, Phillips SA, Farrokhyar F, Swaine JM. Evaluation of wound fluid biomarkers to determine healing in adults with venous leg ulcers: A prospective study. Wound Repair Regen. 2019;27(5):509-18.
17.    Armstrong DG, Bauer K, Bohn G et al. Principles of Best Diagnostic Practice in Tissue Repair and Wound Healing: An Expert Consensus. Diagnostics (Basel). 2020;11(1).
18.    Somvanshi PR, Venkatesh KV. A conceptual review on systems biology in health and diseases: from biological networks to modern therapeutics. Syst Synth Biol. 2014;8(1):99-116.
19.    Dai X, Shen L. Advances and Trends in Omics Technology Development. Front Med (Lausanne). 2022;9:911861.
20.    Gao X, Petricoin EF, 3rd, Ward KR et al. Network proteomics of human dermal wound healing. Physiol Meas. 2018;39(12):124002.
21.    Harvey J, Mellody KT, Cullum N et al. Wound fluid sampling methods for proteomic studies: A scoping review. Wound Repair Regen. 2022;30(3):317-33.
22.    Mannello F, Ligi D, Canale M, Raffetto JD. Omics profiles in chronic venous ulcer wound fluid: innovative applications for translational medicine. Expert Rev Mol Diagn. 2014;14(6):737-62.

Korrespondenzadresse

Dr. med.  Julian-Dario Rembe
Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie 
Universitätsklinikum Düsseldorf 
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 
Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
julian-dario.rembe(at)med.uni-duesseldorf.de