Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Gynäkologie, Urologie, Frauen & Medizin, Medizin Urologie Urologie, TEST Katrin Breitenborn
Harnwegsinfekt

Blasenentzündung: Metaanalyse zu Cranberry-Produkten und erhöhter Trinkmenge

Durch die Zunahme an antibiotikaresistenten Harnwegsinfekten (HWI) ist es notwendig, vermehrt auf nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zu setzen. Eine neue Studie unterstützt die Wirksamkeit von Cranberry-Verbindungen und erhöhter Flüssigkeitszufuhr zur Therapie von HWI.1


09.12.2024
K. Breitenborn
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Über 50 % der Frauen leiden an mindestens einer Episode an Harnwegsinfekten im Laufe ihres Lebens. Aufgrund der zunehmenden Prävalenz an Antibiotikaresistenzen ist es erforderlich, die Wirksamkeit von nicht-medikamentösen Therapien zu untersuchen und eindeutige Belege für sie zu finden. Die aktuelle Studie von Moro et al. (systematischer Review und Netzwerk-Metaanalyse) zielte deshalb darauf ab, die Wirksamkeit von Cranberry als Saft oder Tabletten sowie von einer Erhöhung der Flüssigkeitszufuhr zur Behandlung von Harnwegsinfekten zu evaluieren.1

Recherche in medizinischen Datenbanken

Dafür durchsuchten die Autoren die medizinischen Datenbanken PubMed, Embase und Cochrane CENTRAL nach randomisierten kontrollierten Studien. Als primärer Endpunkt galt die Anzahl an Harnwegsinfekten und als sekundärer deren Symptome sowie die Einnahme von Antibiotika. Mithilfe des Cochrane-Risk-of-Bias-Tools wurde die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz beurteilt.

Insgesamt wurden 20 Studien (3.091 Teilnehmende) in die Untersuchung eingeschlossen. 18 Studien belegten eine um 54 % geringere Harnwegsinfektionsrate beim Verzehr von Cranberrysaft versus keine Therapie. Ebenso zeigte sich eine um 27 % niedrigere Rate an Harnwegsinfekten beim Trinken von Cranberrysaft versus Placebo-Flüssigkeit. Keine Behandlung führte zu einer um 58 % höheren Harnwegsinfektionsrate als Placebo-Flüssigkeit und einer um 35 % höheren Rate im Vergleich zu Cranberry-Tabletten.

Weniger Antibiotika-Einnahme mit Cranberrysaft

Basierend auf einer Netzwerk-Metaanalyse von sechs Studien konnten Moro et al. auch belegen, dass Cranberrysaft zu einer um 49 % geringeren Einsatzrate von Antibiotika als Placebo-Flüssigkeit und zu einer um 59 % geringeren Antibiotikarate als keine Behandlung führte. Ebenso stellten sie fest, dass die Verwendung von Cranberry-Produkten die Prävalenz von den mit Harnwegsinfekten verbundenen Symptomen reduzierte.

Die Autoren schlussfolgerten, dass Cranberrysaft mit moderater bis geringer Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten dient. Während eine vermehrte Flüssigkeitszufuhr die HWI-Rate im Vergleich zu keiner Therapie reduzierte, zeigte Cranberrysaft deutlich bessere Resultate bei der Reduktion der HWI-Häufigkeit und der Antibiotika-Einnahme. Der Saft sollte deshalb nach Meinung der Autoren bevorzugt bei der HWI-Therapie eingesetzt werden.


1 Moro C et al. Cranberry Juice, Cranberry Tablets, or Liquid Therapies for Urinary Tract Infection: A Systematic Review and Network Meta-analysis, Eur Urol Focus 2024; doi.org/10.1016/j.euf.2024.07.002



Autorin
Katrin Breitenborn
Redakteurin | Biologin