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Gesundheitssystem

Bundesärztekammer: Welche Maßnahmen die medizinische Versorgung künftig sichern sollen

Anfang Januar 2025, rund sieben Wochen vor der Bundestagsneuwahl, hat die Bundesärztekammer Reformen im Gesundheitswesen gefordert.


16.01.2025
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Interessen der Lebensmittellobby und Kindeswohl

„Kinder müssen vor dem übermäßigen Konsum zucker- und fetthaltiger Lebensmittel geschützt werden z. B. durch gezielte Werbeverbote und die Einführung einer Zuckersteuer. Die Gewinninteressen der Lebensmittellobby dürfen nicht länger über das Wohl der Kinder gestellt werden“, so der Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt. Flankiert werden sollten diese Maßnahmen durch regelmäßigen und verbindlichen Gesundheitsunterricht an Schulen und Berufsschulen. Er wies darauf hin, dass in Deutschland hunderttausende Menschen an den Folgen vermeidbarer Krankheiten sterben. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen zu menschlichem Leid und kosten unser Gesundheitssystem Jahr für Jahr rund 60 Milliarden Euro. Dabei könnten durch Prävention und gesunde Lebensführung rund 70 % dieser Krankheitsfälle und die daraus resultierenden Kosten vermieden werden“, so der Ärzte-Chef.

Mehr Koordination in der Versorgung

Reinhardt forderte zudem mehr Koordination in der Patientenversorgung. „In Deutschland werden die Patientinnen und Patienten viel zu oft mit der Organisation und Koordination ihrer Versorgung allein gelassen. Die Folge ist ein ungeordnetes Nebeneinander in der Versorgung. In bestimmten Regionen hat jeder Zweite im Schnitt zwei Hausärzte. So etwas können wir uns bei zunehmender Personalnot und knapper Kassen nicht mehr leisten“, warnte Reinhardt. Es sollte zum Normalfall werden, dass sich Patientinnen und Patienten bei einer Hausarztpraxis einschreiben, die dann die Koordinierung der Weiterbehandlung übernimmt. Bei bestimmten chronischen Erkrankungen könne die Koordination auch eine Fachärztin oder ein Facharzt übernehmen. Dafür notwendig seien beispielsweise günstigere Krankenkassenbeiträge für diejenigen, die sich in so ein Modell einschreiben.

Ein Drittel weniger Bürokratie in drei Jahren

Um Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung zu geben, schlägt Reinhardt eine dreijährige Bürokratie-Taskforce von Politik und Selbstverwaltung vor. Diese soll bereits vorliegende Einzelvorschläge zum Bürokratieabbau aufgreifen, um so die Bürokratiebelastung im Gesundheitswesen um mindestens 10 % pro Jahr zu senken.

Potenzial von Ärzten im Ruhestand heben

Um die Folgen des Ärztemangels zu lindern, sollte Ärztinnen und Ärzte im Ruhestandsalter ermöglicht werden, sich weiter in die Patientenversorgung einzubringen, wenn sie dazu bereit sind. Reinhardt schätzt das Potenzial auf etwa 20.000 zusätzliche Vollzeitstellen. Dafür brauche es mehr sozialpolitische Spielräume, um auch in Teilzeit anstellen zu können. Zusätzlich sollte durch steuerrechtliche Regelungen und Befreiung von der Sozialversicherungspflicht die Abgabenlast reduziert werden.

GKV-Finanzen stabilisieren

Mit Blick auf die steigenden Kassenbeiträge forderte der Bundesärztekammer-Präsident, versicherungsfremde Leistungen über Steuern zu finanzieren. Nötig sei auch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel wie bei Tierarzneimitteln von jetzt 19 % auf 7 %.


Bundesärztekammer, „Positionspapier: Fokus auf die Gesundheit: Woran sich die Bundesregierung messen lassen muss“

Quelle: Bundesärztekammer



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