Nach einer Darmkrebstherapie stehen für viele Patientinnen und Patienten zunächst Erholung, Kontrolluntersuchungen und die Sorge vor einem Rückfall im Vordergrund. Doch auch der Lebensstil und Bewegung sind wichtige Faktoren, die die weitere Prognose beeinflussen. „Angeleitete körperliche Aktivität kann das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant verbessern“, sagt PD Dr. Christian Pox, Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen. Der Experte hat die aktualisierte S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ mitverfasst, die der Bewegungstherapie für bestimmte Darmkrebs-Patientinnen und -Patienten mehr Gewicht beimisst. Beobachtungsstudien hätten schon länger nahegelegt, dass Bewegung nach Darmkrebs mit besseren Verläufen verbunden ist. „Neu ist die Qualität der Evidenz: Eine große randomisierte Studie hat nun den Nutzen eines strukturierten Bewegungsprogramms nach abgeschlossener Chemotherapie deutlich besser belegt als bisherige Beobachtungsdaten“, so Pox.
Bewegungsprogramm zeigt positive Effekte
In der CHALLENGE-Studie1 wurden Patientinnen und Patienten untersucht, deren Darmkrebs operativ entfernt worden war und bei denen ein erhöhtes Rückfallrisiko bestand. Nach Abschluss der Chemotherapie erhielten sie entweder Informationsmaterial zu Lebensstil und Bewegung oder zusätzlich ein über drei Jahre begleitetes Bewegungsprogramm. Ziel war eine spürbare, aber realistische Steigerung der körperlichen Aktivität, etwa durch regelmäßiges zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren oder Joggen. Nach fünf Jahren waren 80 % der Patientinnen und Patienten in der Bewegungsgruppe krankheitsfrei, in der Kontrollgruppe 74 %. Auch das Gesamtüberleben war nach acht Jahren in der Bewegungsgruppe besser.
„Wir müssen Darmkrebs-Betroffene auch dabei unterstützen, wieder aktiv zu werden und selbstwirksame Schritte für ihre Gesundheit zu machen.”
PD Dr. Christian Pox, Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen
Bewegung individuell planen
Betroffene sollten den Wiedereinstieg in körperliche Aktivität nach der Therapie mit ihrem Behandlungsteam besprechen. „Wichtig ist, Ausgangsfitness, Begleiterkrankungen und Therapiefolge mitzudenken“, sagt Prof. Matthias Ebert, Universitätsmedizin Mannheim, und Mitautor der Leitlinie. Ziele sollten realistisch und langfristig umsetzbar sein. Wenn möglich könne auch fachliche Begleitung einbezogen werden, etwa durch Physiotherapie, Rehabilitationssport oder qualifizierte Bewegungsangebote für Menschen mit Krebs. Die qualifizierte Beratung sei vor allem deshalb ratsam, so Ebert, da in der CHALLENGE-Studie in der Bewegungsgruppe etwas häufiger Beschwerden oder Verletzungen an Muskeln, Gelenken und Knochen auftraten.1
„Nach einer Darmkrebstherapie muss niemand sportliche Höchstleistungen erbringen“, sagt auch Prof. Birgit Terjung, GFO Kliniken Bonn, von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Ärztinnen und Ärzte sollten Patientinnen und Patienten nach Abschluss der Akuttherapie aber gezielt auf die positiven Effekte körperlicher Aktivität hinweisen. „Versorgung nach Darmkrebs bedeutet nicht nur, Rückfälle zu erkennen. Wir müssen Darmkrebs-Betroffene auch dabei unterstützen, wieder aktiv zu werden und selbstwirksame Schritte für ihre Gesundheit zu machen.“
Katrin Breitenborn