Andere Generationen, andere Werte
Viele Führungskräfte haben große Probleme damit, sich auf den Nachwuchs einzulassen, der ganz anders auf die Welt schaut als sie selbst. Doch eine andere Lösung gibt es nicht, schließlich sind diese jungen Menschen die Säulen der Arbeitswelt von morgen. „Wir gegen die“ ist keine Option. Nur wer Führungsstil und Arbeitsstrukturen an die junge Generation und ihre Bedürfnisse anpasst, kann junge Mitarbeiter langfristig binden und seinem Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft ermöglichen.
Im vielfältigen Praxisalltag kann die Multitasking-Affinität der Generation Z durchaus von Vorteil sein. Stressige Situationen sorgen bei ihnen jedoch schnell für Herzklopfen und Überforderung. Ein Patient erscheint nicht zum Termin oder mehrere Leute warten ungeduldig an der Anmeldung auf die Aufnahme oder ein Rezept? Hier braucht es Unterstützung und Anleitung durch den Chef, um mit solchen Situationen fertig zu werden. Statt Überstunden steht ausreichend Zeit für Freunde und Hobbies im Fokus. Auch in puncto Kritik ist Fingerspitzengefühl angebracht: Dank den sozialen Medien sind junge Menschen an Bewertungen gewöhnt und brauchen die Bestätigung – aber bitte nur positive. Damit sich ein Mitarbeiter bei Kritik nicht direkt beleidigt krankmeldet, ist es wichtig, immer auch positive Aspekte hervorzuheben, um die Kritik gewissermaßen abzufedern.
Hier zeigt sich deutlich: Gen Y und Gen Z „ticken“ komplett anders als die Generation vor ihnen und sorgen bei ihren Vorgesetzten damit vermehrt für Kopfzerbrechen und graue Haare. Was dabei nicht außer Acht gelassen werden sollte: Nicht nur das Praxisteam, sondern auch die Patienten stammen aus unterschiedlichen Generationen. Ein gut funktionierendes, gemischtes Team kann dafür sorgen, dass sich jeder Patient abgeholt fühlt und dass sich verschiedene Fähigkeiten der Mitarbeiter optimal ergänzen.
Talente nutzen und eigene Verantwortung fördern
Apropos Fähigkeiten: Über die Online-Affinität der jungen Mitarbeiter zu schimpfen und ein Smartphone-Verbot während der Arbeitszeit durchzusetzen, wird auf Dauer keine Lösung sein. Wir müssen akzeptieren, dass sich die Zeiten geändert haben und „Online-sein“ inzwischen Teil der Verschmelzung von Arbeit und Privatleben ist.
Wie wäre es, wenn man sich stattdessen die Fähigkeiten und Interessen eines jungen Mitarbeiters zunutze macht – etwa, indem man ihn an der Praxiswebseite arbeiten lässt. Denn der Webauftritt ist inzwischen für eine Arztpraxis zum „Must-have“ geworden. Natürlich kommen immer noch neue Patienten über Mundpropaganda, doch gerade jüngere Menschen googlen, wenn sie auf der Suche nach einem Mediziner sind. Umso wichtiger, dass die Praxis gut zu finden ist und alle wichtigen Informationen präsentiert werden: weiterführende Informationen zum Arzt und seinem Praxisteam, Behandlungsfelder sowie Informationen zur Anfahrt und den Sprechstundenzeiten. Auch eine Online-Terminbuchung und FAQ können sinnvoll sein, um den Mitarbeitern zudem Zeit zu sparen, die wiederum in die intensivere Betreuung der Patienten vor Ort fließen kann.
Fazit
Um als Team besser zusammenzuwachsen und „Zickenkrieg“ zu vermeiden, kann es helfen, zum Beispiel gemeinsam in einem Workshop zu ergründen, wer welche Fähigkeiten besitzt, wer sich gerne stärker in welchen Bereich einbringen möchte, was gut funktioniert und wo es Optimierungsbedarf gibt. Was schätzen die Mitarbeiter jeweils am Kollegen? Feedback ist wichtig und es kann sich positiv auf die Arbeitshaltung der Mitarbeiter auswirken, wenn sie merken, dass Kollegen und Vorgesetzte sie schätzen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Diversität: Jeder Mitarbeiter trägt mit seinen Talenten, Werten und Einstellungen entscheidend dazu bei, dass das Team gemeinsam besonders leistungsfähig ist und Patienten bestmöglich betreut sind.