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Allgemein- & Innere Medizin, Neurologie, Medizin Neurologie Neurologie

Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie 2024 fand vom 06.–09.11.2024 in Berlin statt.

DGN-Kongress

Fortschritte in der Therapie der Multiplen Sklerose – neue Daten vom DGN-Kongress

Auf dem DGN-Kongress 2024 wurden zahlreiche neue Daten aus aktuellen Therapiestudien zur Multiplen Sklerose (MS) vorgestellt. Diese dokumentieren einen kontinuierlichen Fortschritt und zeigen, dass die Erkrankung immer besser therapierbar ist und insbesondere die neuen Antikörpertherapien die Progression effektiv hemmen. Eine auf dem Kongress präsentierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Betroffene von der frühen Initiierung einer Antikörpertherapie profitierten, was die Strategie „hit hard and early“ unterstützt.


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In den Phase-3-Studien ULTIMATE I und II wurde Ublituximab (450 mg i. v. alle 24 Wochen) mit Teriflunomid (14 mg 1 x/d) verglichen. Bewertet wurden die jährliche Schubrate und die radiologische Krankheitsaktivität, die, wie sich im Ergebnis zeigte, unter der Antikörpertherapie niedriger waren. Eine gepoolte Post-hoc-Analyse1 untersuchte nun, ob sich der Therapievorteil auch bei therapienaiven Erkrankten zeigte, bei denen das Auftreten erster MS-Symptome weniger als drei Jahre zurücklag.

Betroffene profitieren von frühem Einsatz von Ublituximab

Nach 96 Wochen hatte sich der Wert auf der „Expanded Disability Status 
Scale“, einem Skalensystem zur systematischen Erfassung neurologischer Behinderungen, in der Ublituximab-Gruppe signifikant verbessert (-0,16 vs. 0,02; p = 0,0068). Auch der Anteil der Betroffenen mit „confirmed disability improvement“ (CDI) war in der mit dem Antikörper behandelten Gruppe signifikant höher (14,4 % vs. 3,6 %; p = 0,0015), ebenso wurden Verbesserungen im „Multiple Sclerosis Functional Composite“ (MSFC)-Score häufiger beobachtet. „Wir sehen in dieser Studie, dass Betroffene bereits von einem frühen Einsatz des Antikörpers im Hinblick auf den Behinderungsgrad profitieren. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Strategie ‚hit hard and early‘ bei der Behandlung der MS vielversprechend ist“, erklärte Prof. Sven Meuth, Düsseldorf, Präsident des DGN-Kongresses 2024.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die Zwischenauswertung einer Real-World-Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Ozanimod bei Beroffenen mit aktiver schubförmiger Multipler Sklerose (RMS).2 Von den 389 Studien­teilnehmenden (durchschnittliches Alter: 40,2 Jahre) hatten 42 % die MS-Diagnose erst max. zwei Jahre vor Therapieinitiierung erhalten und 36 % waren therapienaiv. In dieser Kohorte mit dem relativ hohen Anteil an Patientinnen und Patienten im frühen Krankheitsstadium war die Therapie mit Ozanimod mit einer geringen Schubrate, einem stabilen Behinderungsgrad und einer verbesserten kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit assoziiert. „Es handelt sich erst um die 1-Jahres-Daten, aber diese geben Anlass zur Hoffnung“, so der Experte.

„Insgesamt lässt sich konstatieren, dass wir heute mehr Optionen haben, um den MS-Krankheitsverlauf zu kontrollieren und die neuen Therapien nach aktueller Datenlage mit tolerierbaren Nebenwirkungsprofilen einhergehen.“

Prof. Dr. Sven Meuth

Keine neuen Nebenwirkungen

Bei der Therapie mit B-Zell depletierenden Antikörpern stand bislang die Befürchtung im Raum, dass im Langzeitverlauf gerade bei älteren Erkrankten unerwünschte Nebenwirkungen häufiger auftreten oder womöglich neue Sicherheitssignale beobachtet werden könnten. Eine in Deutschland durchgeführte nicht-interventionelle Studie3 wertete Real-World-Daten von 2.267 Erkrankten mit aktiver schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) und 505 mit primär progredienter Multipler Sklerose (PPMS) aus, die mit Ocrelizumab oder anderen Disease Modifying Therapies (DMTs) therapiert worden waren.

Wie sich zeigte, kam es in den älteren Patientengruppen nach 48 Monaten weder zu einem Anstieg der Nebenwirkungsrate noch wurden neue Sicherheitssignale beobachtet. Bei der Mehrheit der RMS-Betroffenen kam es unter der Therapie nicht zu einer Veränderung des Behinderungsgrads und die jährliche Schubrate (ARR – „annual relapse rate“) war niedrig. „Das heißt, die Therapie blieb über vier Jahre wirksam, ohne, dass es zu mehr oder neuen Nebenwirkungen kam, und zwar auch bei älteren Menschen“, erklärte Meuth. „Insgesamt lässt sich konstatieren, dass wir heute mehr Optionen haben, um den MS-Krankheitsverlauf zu kontrollieren und die neuen Therapien nach aktueller Datenlage mit tolerierbaren Nebenwirkungsprofilen einhergehen.“



1 Robertson D et al. DGN-Kongress 2024, Abstract I-112.

2 One-Year Real-World Clinical Effectiveness and Safety of 
Ozanimod for Relapsing-Remitting Multiple Sclerosis in Germany: an interim Analysis of the prospective, Noninterventional OzEAN Study. DGN-Kongress 2024, Abstract I-111.

3 Buttmann M et al. DGN-Kongress 2024, Abstract I-70.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V.

Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie 2024 fand vom 06.–09.11.2024 in Berlin statt.

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