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Demenz

Soziale Unterstützung kann vor Depressionen bei Demenz schützen

Eine Längsschnittstudie aus Greifswald zeigt: Mehr wahrgenommene soziale Unterstützung reduziert depressive Symptome bei Menschen mit Demenz signifikant – unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildung oder Krankheitsstatus. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit psychosozialer Interventionen.


25.08.2025
L. Abraham
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Depression bei Demenz

Depressionen sind bei Menschen mit Demenz weit verbreitet und verschlechtern die Lebensqualität erheblich. Sie können den kognitiven Abbau beschleunigen, die Alltagsfunktionalität einschränken und das Risiko einer früheren Institutionalisierung erhöhen.

Aktuelle Analysen von Dr. Iris Blotenberg aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jochen René Thyrian am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Greifswald verdeutlichen: Unterstützende soziale Beziehungen wirken schützend und liefern damit wertvolle Hinweise für Versorgung und Prävention.

Die Studie wurde von der Alzheimer Forschung Initiative e. V. gefördert und in der Fachzeitschrift Innovation in Aging der Gerontological Society of America veröffentlicht.

Studiendesign und Methodik

Für die Analyse wurden Daten von 334 Personen im frühen bis mittleren Demenzstadium erhoben, die über vier Jahre hinweg jährlich von speziell geschulten Pflegekräften zu Hause befragt wurden. Das Durchschnittsalter lag bei 80,2 Jahren, knapp 60 % der Teilnehmenden waren Frauen.

  • Depressive Symptomlast: Erhebung mit der 15-Punkte-Geriatric Depression Scale (GDS)
  • Soziale Unterstützung: Messung mit dem validierten F-SozU K-22-Fragebogen (22–110 Punkte)
  • Kognitiver Status: Mini-Mental State Examination (MMSE)
  • Alltagskompetenz: Bayer Activities of Daily Living (B-ADL)

Für die statistische Auswertung nutzte das Forschungsteam mehrstufige Wachstumskurvenmodelle mit zufälligen Achsenabschnitten und Steigungen. Dadurch konnten sowohl Unterschiede zwischen den Personen als auch Veränderungen innerhalb einzelner Personen berücksichtigt werden. Fehlende Daten wurden mittels multipler Imputation ergänzt; zudem floss die Clusterung innerhalb der Hausarztpraxen in die Berechnung ein.

Zentrale Ergbnisse

Nach Angaben der Forschenden berichteten zu Beginn der Studie 13,8 % der Teilnehmenden über leichte bis schwere depressive Symptome. Im weiteren Verlauf zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen wahrgenommener sozialer Unterstützung und Symptomlast: Personen, die von Beginn an mehr Unterstützung durch ihr soziales Umfeld erhielten, wiesen über den gesamten vierjährigen Beobachtungszeitraum hinweg signifikant weniger depressive Symptome auf.

Mit jedem zusätzlichen Punkt auf der Skala zur sozialen Unterstützung nahmen die Symptome durchschnittlich um 1,2 % ab. Umgekehrt war ein Rückgang der Unterstützung mit einer Zunahme der Symptomlast um 0,9 % verbunden. Auch intraindividuelle Veränderungen waren bedeutsam: Verbesserte sich die wahrgenommene Unterstützung, reduzierten sich depressive Symptome messbar, während ein Rückgang zu einer deutlichen Zunahme führte.

Kerndaten der Studie

  • Population: 334 Menschen mit Demenz (Ø 80,2 Jahre; 59,3 % Frauen)
  • Design: Vierjährige Längsschnittstudie (DelpHi-MV)

    Hauptergebnisse:

  • Mehr soziale Unterstützung: −1,2 % depressive Symptome (interindividuell)
  • Verbesserte Unterstützung im Verlauf: −0,9 % Symptome (intraindividuell)
  • Höherer Funktionsstatus: −10,5 % Symptome
  • Funktionsverlust: +5,2 % Symptome
  • Höherer kognitiver Status (MMSE): +2,8 % Symptome (p = 0,018)

Kleine Veränderungen auf den Skalen zeigten bereits messbare Auswirkungen auf die depressive Symptomlast.

Weitere Einflussfaktoren

Darüber hinaus zeigten sich zusätzliche Zusammenhänge:

  • Eine höhere Alltagsfunktionalität war mit deutlich weniger depressiven Symptomen assoziiert, wohingegen Funktionsverluste das Risiko erhöhten.
  • Bemerkenswert war zudem, dass Personen mit besserer kognitiver Leistungsfähigkeit im MMSE signifikant mehr depressive Symptome berichteten (p = 0,018). Die Forschenden führen dies darauf zurück, dass Betroffene im Frühstadium ihre Erkrankung bewusster wahrnehmen, was zu einer stärkeren Belastung führen könnte.

Diese Befunde erwiesen sich insgesamt als robust: Auch nach Berücksichtigung zahlreicher Einflussfaktoren – darunter Alter, Geschlecht, Bildung, Wohnsituation, Komorbiditäten, kognitive Leistungsfähigkeit, funktionelle Fähigkeiten und die Gruppenzugehörigkeit innerhalb der beteiligten Hausarztpraxen – blieben die Effekte stabil. Sensitivitätsanalysen bestätigten die Robustheit der Ergebnisse.

Soziale Unterstützung als Schutzfaktor bei Demenz

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass soziale Unterstützung ein relevanter Ansatzpunkt zur Reduktion depressiver Symptome bei Demenz ist – unabhängig von klassischen klinischen Faktoren wie Kognition oder funktionellen Einschränkungen.

„Unsere Forschung zeigt, dass die psychosozialen Bedarfe von Menschen mit Demenz eine wichtigere Rolle in der Versorgung spielen sollten“, betont Dr. Blotenberg. „In der häuslichen Pflege oder in stationären Einrichtungen muss der Förderung sozialer Teilhabe ein zentraler Stellenwert eingeräumt werden.“

Damit stützen die Befunde sowohl das Direkteffektmodell – soziale Nähe wirkt unmittelbar schützend – als auch das Puffereffektmodell, bei dem soziale Unterstützung Stressoren wie die Demenz abfedert. Weitere Studien sind erforderlich, um die Wirksamkeit gezielter Interventionen systematisch zu prüfen und ihre Umsetzung in unterschiedlichen Versorgungskontexten zu evaluieren.

Die Analysen basieren auf der Interventionsstudie DelpHi-MV („Demenz: lebensweltorientierte und personenzentrierte Hilfen in Mecklenburg-Vorpommern“), die vom DZNE Rostock/Greifswald durchgeführt wurde. In dieser randomisiert-kontrollierten, versorgungsnahen Studie konnte gezeigt werden, dass sich die medizinische, pflegerische und psychosoziale Situation von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz und deren Angehörigen durch ein Dementia Care Management verbessern lässt. Dieses Konzept ist inzwischen in die S3-Leitlinie Demenzen aufgenommen worden.

Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) fördert seit 1995 die Alzheimer- und Demenzforschung. Neben kostenlos verfügbaren Ratgebern und Broschüren stellt die AFI umfassende Informationen online bereit und unterstützt Forschungsprojekte mit privaten Spendenmitteln. Bislang wurden über 420 Vorhaben mit insgesamt 17,7 Millionen Euro gefördert. Die AFI ist Träger des Spendenzertifikats des Deutschen Spendenrates, Mitglied im Netzwerk Nationale Demenzstrategie und setzt sich für eine transparente Verwendung der Spenden ein.

Orginalpublikation

Blotenberg I, et al. The role of social support in depressive symptoms in dementia: a four-year longitudinal study. Innovation in Aging. 2025;9(6):igaf047 verfügbar unter: https://doi.org/10.1093/geroni/igaf047

Quelle: Alzheimer Forschung Initiative e.V.

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