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Blutzuckereinstellung

DGCH: Diabetes, der unterschätzte Risikofaktor bei Operationen

Operative Eingriffe sind für Menschen mit beeinträchtigtem Blutzuckerstoffwechsel mit deutlich höheren Risiken verbunden als für Stoffwechselgesunde. 


20.10.2025
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Nicht nur beeinflussen Operation und Narkose den Glukosehaushalt auf vielfältige, teils unvorhersehbare Weise – auch wirkt sich die Qualität der Blutzuckereinstellung auf den Verlauf der Genesung aus. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) mahnt dazu, zuvor über den Glukosespiegel den Blutzucker bei Operationen zu bestimmen – auch weil ein Diabetes oder Prädiabetes selbst den Betroffenen nicht immer bekannt ist.

„Dass es während größerer Operationen zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels kommt, ist daher zunächst einmal als normale Anpassungsreaktion zu werten“, sagt Prof. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der DGCH. Problematisch kann ein solcher Zuckerschub aber dann werden, wenn er auf einen ohnehin bereits erhöhten Blutzuckerspiegel trifft. 

Ein schlecht eingestellter Blutzucker bei Operationen steigere die Komplikationsrate, von Infektionen über Thrombosen und Wundheilungsstörungen bis hin zur Notwendigkeit eines weiteren Eingriffs, ergänzt Prof. Roland Goldbrunner, Präsident der DGCH. Das Risiko, im Zusammenhang mit der Operation zu versterben, ist bei Diabeteserkrankten um bis zu 50 % erhöht.1

Blutzucker bei Operationen: Auf den HbA1c-Wert achten

„Ist ein Diabetes bekannt, sollten Patienten ihn beim Vorgespräch daher auf jeden Fall erwähnen und für eine gute Blutzuckereinstellung in den Wochen vor der Operation sorgen“, sagt Schmitz-Rixen und betont, dass geplante Eingriffe bei zu hohen Blutzuckerwerten durchaus auch verschoben werden könnten.

Für diese Entscheidung sollte nicht nur der aktuelle Blutzuckerwert herangezogen werden – er sollte nüchtern nicht über 180 Milligramm pro Deziliter liegen –, sondern auch der Langzeitblutzuckerwert HbA1c. Dieser sollte vor einer Operation einen Zielbereich von 8 – 9 % nicht überschreiten. „Leider gibt es hier noch keine einheitlichen Grenzwerte, und in der chirurgischen Praxis werden diese Messungen selbst bei bekanntem Diabetes nicht immer vorgenommen“, bedauert Goldbrunner.

Noch deutlich mehr Aufklärungsbedarf sehen die DGCH-Vorstände in Bezug auf die Diabetes-Dunkelziffer. In Deutschland leben zusätzlich zu den 9 Millionen Menschen mit einem diagnostizierten Typ-2-Diabetes schätzungsweise 2 Millionen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen.

DGCH plädiert für präoperatives Blutzuckerscreening

„Untersuchungen legen nahe, dass bei mindestens 10 % der Patientinnen und Patienten in der Chirurgie ein bislang unerkannter Typ-2-Diabetes vorliegt“, so Schmitz-Rixen. Die DGCH plädiert daher für die Anwendung eines selektiven präoperativen Blutzuckerscreenings, wie es Empfehlungen vorsehen.2 „Der Nüchternblutzucker sollte zumindest vor Operationen mit hohem eingriffsbezogenem Risiko, bei Vorliegen von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und bei einem Body-Mass-Index von mehr als 30 kg/m2 bestimmt werden“, erläutert der DGCH-Generalsekretär.

Ein unbekannter Typ-2-Diabetes als Risikofaktor bei Operationen dürfte auch bei Kindern und Jugendlichen künftig an Relevanz gewinnen. „Zwar ist der Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen mit einer Prävalenz von 18 von 100.000 noch recht selten“, sagt Prof. Udo Rolle, Kinderchirurg und Pastpräsident der DGCH. „Allerdings ist die Häufigkeit in den vergangenen Jahren stark gestiegen und steigt noch immer an.“

Gerade bei stark übergewichtigen Kindern und Jugendlichen komme einem Diabetes-Screening vor chirurgischen Eingriffen daher eine besondere Bedeutung zu. „Hier ist mit geringem Aufwand ein großer Gewinn an Sicherheit zu erzielen“, so Rolle. Eine Messung des Blutzuckers sei innerhalb von Sekunden möglich und schlage nur mit wenigen Cent zu Buche. Und auch die im Falle erhöhter Blutzuckerwerte angeratene HbA1c-Bestimmung sollte mit Kosten von rund 2 Euro keine finanzielle Hürde darstellen.

Literatur

1 Positionspapier der DDG zur Therapie des Diabetes mellitus im Krankenhaus vom 5. August 2018. www.ddg.info/politik/stellungnahmen/krankenhaus

2 Zollner C et al. Anästh Intensivmed 2024;65: 240–270. DOI: 10.19224/ai2024.240

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V.

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