DGVS-Kongress 2026: Trends in Gastroenterologie und Endoskopie
Prävention, KI, neue Endoskopieverfahren und personalisierte Medizin: Mit der Viszeralmedizin 2026 ist in Hamburg der größte deutschsprachige Kongress für Gastroenterologie, Viszeralchirurgie und Endoskopie zu Ende gegangen. Die aktuellen Entwicklungen in diesen Fachrichtungen wurden im Rahmen verschiedener Sitzungen diskutiert und vorgestellt – unter anderem, wie nützlich KI in der Darmkrebsvorsorge ist.
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Vom 14. bis 19. September 2026 fand der DGVS-Kongress Viszeralmedizin statt. Das Ziel: Aktuelle Forschung und klinische Praxis aus Gastroenterologie, Viszeralchirurgie und Endoskopie zusammenzubringen. Der Kongress startete am 14. und 15. September online und wurde ab 16. September im Congress Center Hamburg (CCH) fortgesetzt. Unter dem Motto „Prävention, Translation und Perspektiven“ lag der Schwerpunkt der Veranstaltung vor allem auf der Entwicklung der modernen Viszeralmedizin: Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen schneller bei den Patientinnen und Patienten ankommen, Erkrankungen möglichst früh verhindert oder erkannt und Therapien zunehmend individuell auf den einzelnen Menschen zugeschnitten werden. Fokus lag dabei auf der Prävention von Krebs, metabolisch bedingten Lebererkrankungen und Adipositas, Biomarkern und personalisierter Therapien sowie der zunehmenden Bedeutung Künstlicher Intelligenz in der Gastroenterologie.
Univ.-Prof. Dr. med. Elke Roeb prägte die Veranstaltung als Kongresspräsidentin. Ihr Anliegen: Die Vielfalt der Gastroenterologie sichtbar machen und den interdisziplinären Austausch zwischen Gastroenterologie, Viszeralchirurgie und Endoskopie stärken.
DGVS-Kongress 2026: Prävention wird konkreter – und beginnt früher
Die Prävention bildete einen Schwerpunkt des Kongresses. Die Vortragenden zeichneten in ihren Sitzungen einen weiter individualisierten Ansatz, etwa im Rahmen der Sitzung “Darmkrebs-Vorstufen bei unter 50-Jährigen deutlich häufiger”. Bei unter 50-Jährigen werden zunehmend Adenome entdeckt, besonders häufig in der Altersgruppe von 40 bis 49 Jahren. Das könnte die Diskussion über eine frühere oder stärker risikobasierte Darmkrebsvorsorge vorantreiben.
Außerdem Thema im Rahmen der Sitzung “Leberzirrhose: Muskelsteifigkeit sagt Überleben voraus”: Bei Leberzirrhose könnte die Messung der Muskelsteifigkeit per Ultraschall künftig helfen, das individuelle Risiko besser einzuschätzen. Beim Lynch-Syndrom zeigen neue Daten deutliche Unterschiede im Tumorrisiko – abhängig vom betroffenen Gen. Auch Ernährung bleibt ein wichtiger Präventionsbaustein, wobei unter anderem KI-gestützte Ansätze zur Identifizierung individueller Unverträglichkeiten untersucht werden. Die zentrale Botschaft für die Praxis: Prävention entwickelt sich weg vom „One-size-fits-all“-Ansatz hin zu einer stärker personalisierten Risikoeinschätzung.
Kongress-Highlights auf einen Blick
Gastroenterologie: Ernährung und KI, Leberzirrhose und Sonografie, Immuntherapie bei Leberkrebs, genetische Risikostratifizierung beim Lynch-Syndrom und neue Therapieansätze bei primär sklerosierender Cholangitis.
Endoskopie: Darmkrebsvorsorge bei Jüngeren, neue endoskopische Therapien, Langzeiterfolge bei Schluckstörungen und der Einsatz von KI bei der Koloskopie.
Was bleibt für die Praxis? Prävention wird individueller, Früherkennung risikoadaptierter und KI zunehmend zum Werkzeug.
KI in der Endoskopie: Nicht jede Patientengruppe profitiert
Künstliche Intelligenz gehörte ebenfalls zu den großen Kongressthemen. In der Gastroenterologie wird sie zunehmend zum praktischen Werkzeug. Neue Forschung zeigt, dass KI in der Endoskopie die Untersuchungszeit verkürzen kann, ohne die Adenomdetektionsrate zu verschlechtern. Gleichzeitig zeigen die Daten: Nicht jede Patientengruppe profitiert automatisch zusätzlich von KI. Gerade bei Hochrisikopatienten mit Lynch-Syndrom zeigte sich kein zusätzlicher Vorteil gegenüber einer bereits hochwertigen Standardendoskopie. Auch bei der Beurteilung von Auffälligkeiten ergab sich kein relevanter Vorteil.
Auch bei Ernährung und Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden KI-gestützte Anwendungen erprobt, etwa zur Identifizierung individueller Auslöser. Für die Praxis heißt das: KI kann Prozesse unterstützen und personalisieren, ihr konkreter Zusatznutzen muss aber für die jeweilige Anwendung belegt sein.
„Mit Prof. Wolfram Gerlich zeichnet die DGVS einen Wissenschaftler aus, dessen Arbeit beispielhaft dafür steht, wie aus grundlegender virologischer Forschung konkrete Fortschritte für Prävention, Diagnostik und Patientensicherheit entstehen können."
Univ.-Prof. Dr. med. Elke Roeb, Kongresspräsidentin der Viszeralmedizin 2026
DGVS Kongress 2026: Thannhauser-Medaille verliehen
Wie weit wissenschaftliche Erkenntnisse die Medizin verändern können, zeigte auch die Verleihung der Thannhauser-Medaille. Die DGVS ehrte Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Wolfram H. Gerlich für sein Lebenswerk in der Hepatitis-B-Forschung. Seine Arbeiten prägten unter anderem das Verständnis des Hepatitis-B-Virus, die Diagnostik und die Entwicklung von Impfstoffen. Auch die Sicherheit von Blutprodukten verbesserte er maßgeblich. Gerlichs Karriere passt damit bemerkenswert gut zum Kongressmotto: Aus Grundlagenforschung wird konkrete Prävention und bessere Versorgung.