Und woher wissen Sie, welche Patienten genauerer Beobachtung bedürfen?
Dr. Maaßen: Mit dem Fragebogen wird geklärt, ob der Patient ein neues Arzneimittel bekommen hat, ob er Schmerzen hat, wie stark die Schmerzen sind, das gleiche für den Juckreiz und vieles mehr. Es wird also ganz genau abgefragt, wie es dem Patienten geht und wie zufrieden er mit der Therapie ist. Wenn dann unerwünschte Antworten gegeben werden, erscheint auf dem iPad ein Ausrufezeichen. So wissen wir von vornherein, dass das ein Patient ist, den wir uns ansehen müssen. Bei einem Patienten, der stabil eingestellt und völlig erscheinungsfrei ist, gibt es keine Notwendigkeit, diesen in mein Zimmer zu holen. Ich sehe den Patienten erst im Rahmen vom Hautkrebsscreening wieder und spreche den Patienten kurz auf die Fragebögen der letzten Kontrollbesuche an. Wenn dann alles in Ordnung ist, bekommt er sein E-Rezept ausgestellt – das Ganze ist eine Kontaktzeit von unter einer Minute.
Kollidieren da nicht auch mal Termine? Man legt ja als Praxis die Kontrolle über die Termine komplett in die Hände der Patienten.
Dr. Maaßen: Das passiert nicht. Sie müssen sich vorstellen, wenn wir 200 Tage im Jahr die Praxis geöffnet haben und wir arbeiten angenommen mit 200 Patienten, die ein Biologikum erhalten und je 4 Visiten haben, dann sind das durchschnittlich 4 Fragebögen am Tag. Und wenn Patienten gleichzeitig kommen, haben wir von den iPads genug, dass sie die Fragebögen parallel ausfüllen können. Es muss ja nur ein Blick darauf geworfen werden, ob die Scores in Ordnung sind und ob der Patient zufrieden ist oder Nebenwirkungen angibt. Und dass man die Patienten rauspickt, bei denen etwas nicht in Ordnung ist – das haben wir mal untersucht – das ist ungefähr bei 5 bis 10 % der Patienten der Fall.
Scheint, als würde nicht nur eine Seite profitieren?
Dr. Maaßen: Richtig. Ich als Arzt habe eine vollständige Dokumentation, die mir erlaubt, die betroffene Körperoberfläche zu bestimmen oder eine Schweregrad-Einschätzung zu treffen. Vierteljährlich erfolgt auf diese Weise ein Depressions- und Arthritis-Screening. Gleichzeitig dient der elektronische Fragebogen als Dokumentation für die Selektivverträge DermaOne und DermAktiv. Hinzu kommt natürlich der Zeitgewinn in der Praxis. Der Arbeitsaufwand bei der Formularverwaltung reduziert sich erheblich. Die Patienten haben eine durchschnittliche Verweildauer von 15 Minuten für eine komplette Quartalsvisite. Und diese 15 Minuten können Sie jetzt auch noch frei wählen.
Patienten können außerdem selbst entscheiden, ob sie zum Beispiel ihre Dokumente, die sie ausgefüllt haben, als PDF-Anhang per E-Mail bekommen möchten. Wenn sie auf dem Fragebogen ihre E-Mailadresse angeben, dann wird ihnen alles zugeschickt. So kann der Patient seine komplette Praxishistorie mit Befunden relativ einfach einsehen. Gleichzeitig werden die gesamten Dokumente in das Praxisverwaltungsprogramm übernommen.
Wie schätzen Sie die Umsetzung in anderen Praxen ein? Lohnt sich das für jeden?
Dr. Maaßen: Ich gehe mal davon aus, dass junge Kollegen, die sich neu niederlassen, nicht auf die Idee kommen, es anders zu gestalten. Aber die Generation der Boomer, so wie ich einer bin, ist vermutlich deutlich zurückhaltender mit der Digitalisierung. Viele fragen sich: „Soll ich das vor meiner Rente noch angehen? Lohnt sich das noch?“ Ich kann nur sagen: Ja. Der größte Aufwand ist das Generieren der Formulare. Und diese Formulare stellen wir vom Psoriasis-Praxisnetz Süd-West zur Verfügung. Ich habe alle meine QM-Dokumente, die für andere Praxen relevant sein könnten, bei uns auf der Homepage zum Download für die Vereinsmitglieder vom Praxisnetz bereitgestellt. Das heißt, es muss sich keiner die Arbeit machen, diese Formulare zu generieren. Und damit fällt ein ganz großer Teil der Arbeit weg. Anpassungen auf bestimmte Fragen kann dann jeder selbst noch für seine Praxis übernehmen.
Was können Sie unseren Leserinnen und Lesern zusammenfassend mitgeben?
Dr. Maaßen: Kurz und knapp zusammengefasst gibt es von meiner Seite an die Kollegen einfach eine ganz klare Empfehlung für eine elektronische Umstrukturierung.
Lieber Herr Maaßen, vielen Dank für das spannende Interview.
Merle Twesten