Harninkontinenz nach einer Prostatektomie beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich, doch wirksame nichtinvasive Therapien sind bislang begrenzt. Die prospektive, randomisierte, einfach verblindete klinische Ein-Zentrum-Studie von Niu et al. wurde an einem Krankenhaus in Nanjing/China von Juli 2021 bis November 2024 durchgeführt. Die 20-wöchige Nachbeobachtung wurde im März 2025 abgeschlossen. Sie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit der Elektroakupunktur bei Patienten mit früher Harninkontinenz nach radikaler Prostatektomie.
Eingeschlossen wurden Männer mit lokalisiertem Prostatakarzinom, die sich einer robotisch assistierten radikalen Prostatektomie unterzogen hatten und vier bis sechs Wochen postoperativ an Harninkontinenz litten (definiert als Verwendung von ≥ 2 Einlagen pro Tag). Sie wurden konsekutiv in die Studie aufgenommen und im Verhältnis 1 : 1 randomisiert entweder der Elektroakupunktur-Gruppe oder der Schein-Stimulationsgruppe zugeteilt.
Patienten mit vorheriger neoadjuvanter Hormontherapie, vorherigen Prostataoperationen, früheren Beckenoperationen oder einer vor der Prostatektomie bestehenden Harninkontinenz wurden ausgeschlossen. Drei Teilnehmer schieden vor Beginn der Intervention aus. 101 (91,8 %) schlossen die Nachbeobachtung ab. Die Auswertung erfolgte nach dem Intention-to-treat-Prinzip.
Elektroakupunktur über sechs Wochen
Die Patienten der Elektroakupunktur-Gruppe erhielten Elektroakupunktur an den bilateralen Akupunkturpunkten Ciliao, Zhongliao und Xialiao. Dabei wurde eine Elektrostimulation (abwechselnd 2 und 15 Hz) für 30 Minuten pro Sitzung angewendet, dreimal pro Woche über sechs Wochen. Die Schein-Stimulationsgruppe erhielt ein identisches Vorgehen mit stumpfen, nicht eindringenden Flachspitz-Nadeln an versetzten Punkten.
Der primäre Endpunkt war Harnkontinenz definiert als Verwendung von null bis einer Einlage pro Tag sechs Wochen nach der ersten Elektroakupunktursitzung.
Wiederherstellung der Kontinenz wird gefördert
Insgesamt wurden 110 Männer randomisiert (medianes Alter 69 Jahre [IQR 67–72]). In Woche sechs zeigte die Intention-to-treat-Analyse, dass die Elektroakupunktur-Gruppe eine signifikant höhere Kontinenzrate erreichte als die Schein-Stimulationsgruppe (24 von 55 [43,6 %] vs. 12 von 55 [21,8 %]; relatives Risiko 2,00; 95 %-KI 1,12–3,59; p = 0,02).
Schlussfolgerungen und Relevanz
Die Ergebnisse dieser randomisierten klinischen Studie zeigten, so die Autoren, dass Elektroakupunktur die Wiederherstellung der Harnkontinenz nach Prostatektomie signifikant beschleunigen könne und möglicherweise eine sichere Ergänzung zur Standardbehandlung darstelle. Die Ergebnisse unterstützten so die Integration der Elektroakupunktur in multimodale Rehabilitationsprogramme, um die Belastung durch frühe Harninkontinenz zu verringern.
Katrin Breitenborn