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Allgemein- & Innere Medizin, Gefäßmedizin, Kardiologie Allgemein- & Innere Medizin Allgemein- & Innere Medizin, Gefäßmedizin
60. Diabeteskongress

Fettleber bei Typ-2-Diabetes: DDG mit aktualisierten Empfehlungen zu MASLD

Etwa 70 Prozent der Patienten mit Diabetes Typ 2 leiden auch an MASLD, die oft lange unerkannt bleibt. Im Verlauf der chronischen Krankheit drohen Leberkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der FIB-4-Index gilt als sinnvoller erster diagnostischer Schritt, wird jedoch noch zu selten angewandt. 


29.05.2026
J. Gutmann
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Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) mit dem Anfangsstadium “Fettleber”, Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Risiken stehen in engem Zusammenhang. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) im Rahmen des Diabeteskongresses 2026 hin. Demzufolge seien rund 70 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes auch von MASLD betroffen. Besonders tückisch: Die Erkrankung verursacht meist über einen langen Zeitraum keine Beschwerden. Viele Patientinnen und Patienten bleiben daher lange ohne Diagnose, gleichzeitig erhöht sich jedoch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere Folgeerkrankungen deutlich. 

MASLD als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten bis Leberkrebs

MASLD zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Es handelt sich um eine Fetteinlagerung in der Leber, bei der mindestens ein kardiometabolischer Risikofaktor wie Diabetes Typ 2 vorliegt. MASH (Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis) ist die entzündliche und aggressivere Form der MASLD. Hier kommt es neben der Fetteinlagerung oftmals zusätzlich zu einer Gewebevernarbung (Fibrose) und im weiteren Verlauf zu einer Leberzirrhose. Auch Leberkrebs gilt als mögliche Folge. In Deutschland sind zirka vier Millionen Menschen von MASH betroffen, darunter über 750.000 mit fortgeschrittener Fibrose. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes liegen die Prävalenzen nochmals deutlich höher. 

Die Auswirkungen gehen über Erkrankungen der Leber hinaus. MASLD steht in Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen, Vorhofflimmern und sogar gastrointestinalen und gynäkologischen Tumorerkrankungen. Auch Verbindungen zu Infektionen und neuropsychiatrischen Erkrankungen werden diskutiert. Menschen mit Typ-2-Diabetes gelten dabei als besonders gefährdet. So steigt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und eine erhöhte Sterblichkeit bei Diabetes-Patienten mit diagnostizierter MASLD deutlich an. Ob dabei ein kausaler Zusammenhang besteht oder die MASLD vielmehr Ausdruck einer fortgeschrittenen metabolischen Erkrankung ist, wird derzeit intensiv untersucht. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Fettleber selbst die Entstehung eines Typ-2-Diabetes fördern kann.

„Gerade bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist das Vorliegen einer MASLD mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere schwere Folgeerkrankungen verbunden.“

Prof. Nikolaos Perakakis, Dresden

Diagnose der MASLD: DDG empfiehlt Leberfibrose-Screening mit FIB-4-Index

Der Fibrosegrad der Leber gilt als wichtigster prognostischer Marker bei einer MASLD. Eine frühzeitige Therapie der Leberfibrose soll durch ein strukturiertes Screening für Menschen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes ermöglicht werden. "Die zunehmende Prävalenz von MASLD bei den häufigsten Stoffwechselkrankheiten wie Adipositas und Typ-2-Diabetes erfordert ein gezieltes Screening, d. h. Case finding, und eine sorgfältige Diagnose von Leberkrankheiten bei den Betroffenen”, heißt es in den Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. 

Als Erstverfahren eignet sich vor allem der FIB-4-Index. Er basiert auf Routinelaborwerten wie Alter und Thrombozytenzahl und ermöglicht eine erste Risikoeinschätzung für eine Leberfibrose. Die Methode ist leicht verfügbar, wird jedoch in der Versorgung noch zu selten eingesetzt, wie Perakakis im Rahmen des Diabetes Jahreskongresses kritisiert. Gründe dafür seien unter anderem fehlende Integration in Disease-Management-Programme, eingeschränkte Erstattungsmöglichkeiten und eine begrenzte Verfügbarkeit weiterführender Diagnostik wie der Leber-Elastografie. 

“Vor diesem Hintergrund gewinnt die strukturierte Implementierung eines Screenings in definierten Hochrisikogruppen zunehmend an Bedeutung. Der FIB-4-Index stellt hierfür ein niedrigschwelliges und praktikables Instrument dar, insbesondere im hausärztlichen und diabetologischen Setting."

Prof. Perakakis

Die wichtigsten Therapiesäulen in der Behandlung der MASLD

  • Anstreben von Normalgewicht
  • Körperliche Aktivität
  • Kontrolle kardiometabolischer Risikofaktoren
  • Inkretinbasierte Medikamente (ein GLP-1-Rezeptoragonist sowie ein dualer GLP-1/GIP-Agonist) 

Inkretinbasierte Therapie in der MASLD-Behandlung

Lebensstilmaßnahmen wie Gewichtsreduktion, mehr Bewegung sowie die Kontrolle kardiometabolischer Risikofaktoren sind weiterhin wichtige Säulen in der Behandlung der MASLD. Gleichzeitig entwickeln sich neue medikamentöse Therapien. So zeigen etwa inkretinbasierte Medikamente (ein GLP-1-Rezeptoragonist sowie ein dualer GLP-1/GIP-Agonist), die bereits bei Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt werden, positive Effekte auf zentrale Aspekte der MASLD. Außerdem steht mit einem selektiven Schilddrüsenhormonrezeptor-β-Agonisten eine spezifisch für die Behandlung der MASH (mit fortgeschrittener Fibrose) zugelassene pharmakologische Therapie zur Verfügung. Weitere Wirkstoffe, die eine gezieltere Behandlung ermöglichen sollen, befinden sich in der klinischen Entwicklung. 

Für die Versorgung bedeutet das: Die Möglichkeiten wachsen, doch sie müssen auch genutzt werden. Entscheidend ist, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und leitlinienbasierte Strategien konsequent umzusetzen. Gerade in der hausärztlichen und internistischen Praxis kann ein Screening hier eine Schlüsselrolle spielen.



Autorin
Juliane Gutmann
Online-Redakteurin
WPV. Wirtschafts- und Praxisverlag GmbH