Geschwollene Beine im Sommer – harmlos oder bedenklich?
Mit steigenden Temperaturen klagen viele Menschen über schwere, müde oder geschwollene Beine. Was häufig als lästige Begleiterscheinung des Sommers wahrgenommen wird, kann für Menschen mit Venenerkrankungen zur Belastung werden. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e. V. (DGG) hingewiesen.
21.08.2026
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Die Fachgesellschaft warnt zugleich davor, Beinschwellungen grundsätzlich als typische Sommerbeschwerden abzutun. Sie könnten auch Hinweise auf eine Thrombose sowie auf Erkrankungen des Herzens oder der Nieren sein. „Bei hohen Temperaturen wird der venöse Rücktransport des Bluts erschwert, sodass sich Blut in den Beinen staut“, sagt Dr. Siamak Pourhassan, Gefäßchirurg in Oberhausen und Vorstandsmitglied der DGG. Gleichzeitig nehme die Elastizität der Gefäße ab, sie würden durchlässiger und Flüssigkeit trete ins Gewebe aus. „Zusätzlich wird das Lymphsystem überlastet, was insgesamt zu schweren, müden oder geschwollenen Beinen führt“, so der DGG-Experte. Besonders betroffen seien Menschen mit bereits bestehenden Venenerkrankungen, wozu etwa jede fünfte Person in Deutschland zähle. „Bei ihnen können die Schwellungen vor allem an den Gelenken sehr stark ausgeprägt sein, sogar schmerzhaft“, erklärt Pourhassan.
Zur Vorbeugung empfiehlt der Experte:
Kalte Wassergüsse nach Kneipp, und zwar sollte immer von den Füßen in Richtung Herz abgeduscht werden
Regelmäßige Bewegung, kurze Spaziergänge oder wiederholtes Wippen von den Fersen auf die Zehenspitzen zur Unterstützung des Bluttransportes
Hochlagern der Beine
Ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee trinken, leichte Kost essen
Klimaregulierende Kompressionsstrümpfe und diese regelmäßig tragen. Zur Kühlung mit einer Sprühflasche mit Leitungswasser die Strümpfe am Bein befeuchten. Oder die Kompressionsstrümpfe vor dem Tragen für 5–10 min in den Kühlschrank oder ins Gefrierfach legen, am besten in einem Plastikbeutel.
Keine enge Kleidung tragen, etwa einschnürende Strümpfe oder enge Hosen, die den Blutrückfluss behindern.
Wenn nur ein Bein anschwillt, ist das ein Warnsignal
Tritt die Schwellung nur an einem Bein auf, gilt das als klares Warnsignal. „Eine seitendifferente Beinschwellung muss immer ernst genommen werden“, betont Pourhassan. Dabei könne es sich um eine Beinvenenthrombose handeln, die rasch gefäßmedizinisch abgeklärt werden sollte. Besonders gefährlich wird es, wenn zusätzlich Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen auftreten. „Dann besteht die Gefahr, dass ein Blutgerinnsel in die Lunge gewandert ist. Das ist ein medizinischer Notfall“, so Pourhassan. Weitere Alarmzeichen seien einseitige Beinschmerzen, Rötungen, eine Überwärmung oder ein seitendifferent kühleres Bein. „Ist ein Bein auffallend kalt, blass oder taub oder lässt sich schlechter bewegen, kann auch eine akute arterielle Durchblutungsstörung vorliegen, die sofort ärztlich abgeklärt werden muss“, betont der DGG-Experte. Auch anhaltende Schwellungen beider Beine sollten ärztlich untersucht werden.
Thrombose bei Flugreisen vorbeugen
Epidemiologische Studien zeigen, dass das Risiko einer Thrombose bei Flügen über vier Stunden steigt: Etwa 1 von 4.500 Passagieren erleidet eine tiefe Venenthrombose, bei Risikopatienten kann das Risiko deutlich höher sein. Folgende Maßnahmen könnten das Risiko reduzieren, rät PD Dr. Carola Hoffmann-Wieker, Speyer:
Bewegung mit regelmäßigem Aufstehen sowie Fuß- und Wadenübungen, die leicht im Sitzen durchführbar sind. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, am besten Wasser regelmäßig in kleinen Mengen trinken. Der „klassische“ Tomatensaft oder andere Fruchtsäfte sind ebenfalls gut, sie liefern neben der Flüssigkeit auch Mineralstoffe. Kaffee und Alkohol hingegen sollten nur in Maßen genossen werden. Bei Patienten mit Risikoprofil können medizinische Kompressionsstrümpfe unterstützen, die Studienlage zu einer klaren Empfehlung gibt es jedoch nicht. Bei Patienten mit hohem Risiko für eine Thrombose können darüber hinaus Antikoagulanzien verordnet werden.
Quelle: DGG
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