Gesundheitssystem: Experten sehen strukturelle Defizite
Der Gesundheitsausschuss hat sich mit dem Fachkräfte-Gutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen und in der Pflege (SVR) befasst.
Ratsmitglieder machten in der Sitzung am 26. Juni 2024 erneut deutlich, dass Strukturreformen im Gesundheitssystem unerlässlich seien, um trotz knapper Personalressourcen in einigen Bereichen eine gute Versorgung gewährleisten zu können.
Der Vorsitzende des Gremiums, Michael Hallek, wies darauf hin, dass Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerung über einen hohen Anteil an Gesundheitsfachkräften verfüge. Dieser Befund überrasche zunächst. Wenn jedoch die Fachkräftezahl in Bezug gesetzt werde zu den Krankenhausfällen, stehe Deutschland nicht gut da. Es gebe zu viele Fälle, die Pflegekräfte und Ärzteschaft belasteten. Hallek sprach von strukturellen Defiziten. Eine das System gefährdende Überalterung der Beschäftigten könne derzeit nicht festgestellt werden.
Melanie Messer ging auf die Pflegebranche ein, die von erheblichen Personalengpässen betroffen sei. Als Folgen würden die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit gefährdet. Sie forderte u. a. bessere Arbeitsbedingungen und die Modernisierung pflegerischer Aufgaben.
Jonas Schreyögg mahnte, die Einstellung ausländischer Pflegefachleute werde nicht ausreichen, um die Engpässe zu überwinden. Die Lösung könne nachhaltig nur durch einen Strukturwandel gelingen. Zentraler Hebel sei die Reduzierung der stationären Belegungstage. Viele Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte seien im stationären Sektor aktiv, für den ambulanten Sektor blieben nicht genügend Fachkräfte übrig. Mit weniger stationären Belegungstagen könne das Problem überwunden werden. Nötig seien etwa eine Notfallreform und eine sektorengleiche Vergütung.
Quelle: heute im bundestag (hib), 446/2024