Abb. 1: Kaplan-Meier-Estimatoren für Mortalität und Amputation von stationär behandelten UEAD-Patienten im Follow-up, aufgeteilt nach Geschlecht (rot = Frauen, blau = Männer) und mit bzw. ohne Co-Diagnose einer Bindegewebs- und/oder entzündlichen Erkrankung.
Die Gründe für die schlechte Prognose können mit den hier durchgeführten Analysen nur vermutet werden, jedoch gibt es kaum evidenzbasierte, einheitliche Leitlinien-Empfehlungen. So konnten wir zeigen, dass das therapeutische Management dieser heterogenen Gruppe von kardiovaskulären Patienten im Hinblick auf die notwendigen diagnostischen und interventionellen Gefäßverfahren sowie die evidenzbasierte Pharmakotherapie mit Antithrombotika und Statinen nicht ausreichend war. Nur etwa die Hälfte der UEAD-Patienten erhielten eine diagnostische Angiographie (intraarterielle-/CT-/MRT-Angiographie) und die Durchführungsrate an Revaskularisierungen (endovaskulär oder offen chirurgisch) war mit etwa einem Drittel der UEAD-Patienten noch niedriger. Unerwarteterweise erhielten Patientinnen mit UEAD während des Indexaufenthalts häufiger eine Revaskularisierung als männliche Patienten. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu bisherigen Erkenntnissen bei LEAD, wo Frauen im Vergleich zu Männern seltener vaskuläre Interventionen erhalten. Vaskuläre Prozeduren, wie die
diagnostische Angiographie oder Revaskularisierungsprozeduren, waren im Follow-up eher selten. Weiterhin nahmen nur knapp die Hälfte der UEAD-Patienten vor dem Krankenhausaufenthalt ein Statin oder Antithrombotika ein, wobei Männer diese evidenzbasierte Pharmakotherapie im Vergleich zu den Frauen häufiger bekamen. Zwei Jahre nach dem Krankenhausaufenthalt stieg die Verschreibungsrate dieser Medikamentengruppen deutlich an und die geschlechtsspezifischen Unterschiede waren weniger prägnant
Zusammenfassend konnten wir in unseren Analysen einer recht großen Kohorte von UEAD-Patienten zeigen, dass die Prävalenz dieser Erkrankung, im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung, gar nicht so selten ist. Diese eher heterogene Gruppe an kardiovaskulären Patienten leidet an einer Vielzahl weiterer Begleiterkrankungen und die UEAD muss als Multiorganerkrankung eines recht jungen Patientenkollektivs gesehen werden. Die Prognose von UEAD-Patienten war äußerst schlecht, was durch hohe Amputationsraten im und kurz nach dem Index-Aufenthalt sowie stetig steigende Mortalitätsraten im Follow-up deutlich wurde. Das bessere Outcome von Frauen kann teilweise durch die höheren Revaskularisierungsraten im Index-Aufenthalt erklärt werden. Weiterhin leiden Männer häufiger an weiteren kardiovaskulären Begleiterkrankungen, wodurch einerseits die schlechtere Prognose, aber auch die bessere Versorgung mit evidenzbasierter Pharmakotherapie erklärt werden kann.
Schlussfolgerung
Angesichts der schlechten Prognose könnte es sinnvoll sein, Patienten mit UEAD bzw. mit einem erhöhten Risiko für atherosklerotische Erkrankungen engmaschig zu überwachen. Ein recht einfaches Screening-Tool wäre zum Beispiel das Ertasten des Pulses oder die Blutdruckmessung an beiden Armen. Sobald hier ein Unterschied erkennbar wird, könnte eine Ultraschalluntersuchung oder die Überweisung zu einem Gefäßspezialisten ratsam sein. Die Tatsache, dass die Leitlinien keine evidenzbasierten, einheitlichen Screening- und/oder Therapieoptionen vorsehen, zeigt, wie wenig Aufmerksamkeit diese Krankheit genießt, obwohl sich in den letzten Jahrzehnten viele Studien auf atherosklerotische Erkrankungen wie LEAD oder Koronare Herzerkrankung fokussiert haben. Das Fehlen von derartigen Daten und spezifischen Leitlinien kann das schlechte therapeutische Management und die schlechte Prognose teilweise erklären.
Unsere Daten sind von entscheidender Bedeutung, um die Epidemiologie, die derzeitigen therapeutischen Unzulänglichkeiten und die entscheidenden Faktoren der schlechten Prognose der UEAD besser zu verstehen. Weitere Analysen und Studien sind dringend notwendig, um die Versorgung und damit auch die Prognose der UEAD-Patienten zu verbessern.