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Dermatologie

Hyperandrogenämie in der Pubertät

Die pubertäre Hyperandrogenämie äußert sich klinisch oft durch Akne. Eine frühzeitige ovarielle Suppression mittels Ovulationshemmern kann die physiologische Ausreifung stören und PCO-Fehldiagnosen begünstigen. Der Beitrag beleuchtet altersgerechte, interdisziplinäre Behandlungsstrategien.


02.01.2025
D. M. Gruber
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Schlüsselwörter: Hyperandrogenämie, polyzystisches Ovarsyndroms (PCO-S), Pubertät, Akne, hormonelle Ovulationshemmer

Zitierweise: HAUT 2024;35(4):163-168

Zusammenfassung

Hinter dem klinischen Bild der Hyperandrogenämie in der Pubertät können sich komplexe Störungen der hormonellen Verschaltung verbergen. Eine alleinige symptomatische Therapie dermatologischer Manifestationen lindert zwar die Beschwerden, löst aber nicht das Problem. Meist wächst das klinische Bild sich aus, doch dies erfordert Geduld.

Die Gabe von hormonellen Ovulationshemmern soll individuell und mit Augenmaß abgewogen werden. Denn sie kann nachhaltige Folgen für die Gesundheit haben, vor allem für die Fertilität. Die Stoffwechsellage und die hormonelle Situation müssen frühzeitig untersucht und interdisziplinär behandelt werden.

Im medizinischen Alltag gibt es ein wichtiges Überschneidungsgebiet zwischen der gynäkologischen Endokrinologie und der Dermatologie. Es sind dies die klinischen Auswirkungen der Hyperandrogenämie auf die Haut. Meist ist davon die weibliche Bevölkerung ab dem Zeitpunkt der Pubertät betroffen. Die hyperandrogenämische Problematik kann sich manchmal über die gesamte reproduktive Lebensphase erstrecken und erreicht nochmals einen klinischen Gipfel während und nach der Menopause. Bei Frauen herrscht unterschiedlich großer Leidensdruck, je nachdem, wie stark die Haut und ihre Anhangsgebilde betroffen sind. Die vorrangigen Manifestationen sind Akne und Pustelbildung mit unreiner Haut aller Ausprägungsstufen. Hirsutismus ist oft gepaart mit Effluvium. In den meisten Fällen liegen bei jüngeren Frauen auch unterschiedlich starke Formen von Tempoanomalie vor, oft bis zur Amenorrhö.

Die Suche nach einer dauerhaften Lösung bei Hyperandrogenämie ist in allen Altersgruppen meist schwierig, wiewohl der haarlose weibliche Körper mit gleichzeitig vollem Haupthaar als Idealvorstellung gilt.

In dieser Übersicht soll der Schwerpunkt auf der Hyperandrogenämie in der Pubertät liegen.



Was passiert zu Beginn der Pubertät?

Mit Beginn der Pubertät treten verschiedene Hormone auf den Plan, um aus dem Kind eine geschlechtsreife Frau zu machen. Dieser Vorgang benötigt Zeit und ist mit so machen Schwierigkeiten verbunden. Vor allem bewirken die Sexualsteroide merkliche Veränderungen des äußeren Erscheinungs­bildes.

Sobald beim pubertierenden Mädchen Akne mit unschönen Hautveränderungen bemerkt wird, begibt man sich zur Ärztin oder zum Arzt. Meist liegen auch Zyklus­störungen vor und schnell ist nach der ersten Untersuchung die Diagnose „polyzystisches Ovar (-Syndrom)“ gestellt. Durch eines der diagnostischen Hauptkriterien, nämlich die Hyperandrogenämie, scheint diese Diagnose sicher zu sein. Hierbei ist allerdings große Sorgfalt notwendig, denn die Diagnosestellung verunsichert sehr – hauptsächlich die betroffene junge Frau.

Der Terminus technicus des polyzystischen Ovarsyndroms (PCO-S) setzt sich aus drei Teilen zusammen, die beunruhigend klingen.

„Poly…“ stammt aus dem Griechischen und heißt „viel“. „Zystisch“ ist ebenfalls griechisch. Eine Zyste ist im Körper meist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der in vielen Organen und Körperstrukturen vorkommen kann – in diesem Falle in den Ovarien. Das Wort „Syndrom“ (auch aus dem Griechischen) findet in der Medizin dann Verwendung, wenn mehrere krankhafte Veränderungen immer wieder gemeinsam auftreten.

Aber: Nicht jedes PCO-S ist auch wirklich eines. Denn PCO-S ist erst dann eine Enddiagnose, nachdem alle – meist vo­rübergehenden – Beschwerden und Funktionsstörungen der Pubertät in diesem Zusammenhang abgeklungen sind und ausgeschlossen werden können. Dies he­rauszufinden, kann Jahre dauern. Meist sind es die adoleszenten Jahre! Das Zustandsbild eines vermeintlichen PCO-S kann eine vorübergehende Störung sein, die oft selbst­limitierend ist.

Deshalb ist es wichtig, bei jungen Mädchen und Frauen nicht allzu voreilig die Diagnose „PCO-S“ zu stellen.

Warum ist es so wichtig, die Veränderungen im Zeitverlauf der Pubertät zu interpretieren? Weil damit das Köpergewicht, die Haut und die Haare, das Zyklusgeschehen und somit – ganz wesentlich – die zukünftige Fruchtbarkeit zusammenhängt.

Jedes Mädchen macht in der Pubertät ein Mehr-/ Vielzysten (PCOides) -Stadium an den Eierstöcken durch! Das heißt, jeder Eierstock ist mit Beginn der Pubertät polyzystisch oder besser: multifollikulär. Und das ist auch gut so, denn ohne dieses Vielzysten-Übergangsstadium kann sich kein hormonelles Gleichgewicht im pubertierenden weiblichen Körper einstellen. Es ist sozusagen eine hormonelle Notwendigkeit, ohne die ein Funktionieren der endokrinen Signalwege (Feedback-Schleifen) der späteren Jahre nicht oder nur zögerlich oder auch in einer pathologischen „Ordnung“ zustande kommen kann.

Was passiert mit den Eierstöcken in der Pubertät?

In der Pubertät werden vom Gehirn pulsatil hormonelle Signale in den ganzen Körper geschickt, welche die Metamorphose des Mädchens zur fortpflanzungsfähigen Frau ermöglichen.

Die männlichen Hormone

Die Pubertät beginnt im Hypothalamus mit der Bildung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH), welches zuerst verschiedene männliche Hormone aus dem Eierstock freisetzt1. Es sind dies Testosteron, Andro­stendion und DHEA-S (Dehydroepiandro­steron). Die am deutlichsten sichtbaren Folgen davon sind, dass die Haut unrein wird, das Haar fettig, aber auch dichter und glänzender – und es kann Akne entstehen. Die erstmalig eingetretene Regelblutung lässt oft weitere Male unterschiedlich lange auf sich warten oder setzt vorübergehend ganz aus. Die Psyche macht einen Wandel durch und der Blickwinkel auf die Welt verändert sich. Das Körpergewicht steigt meistens und die Fettverteilung verlagert sich. Sobald die Eierstöcke genug männliche Hormone gebildet haben, wird diese Produktion gedrosselt und umgestellt und es werden weibliche Hormone vom Eierstock synthetisiert.

Die weiblichen Hormone

Sobald die männlichen Hormone nicht mehr im Übermaß gebildet werden, geht es an die „Vollendung“ der weiblichen Schönheit und die Östrogene treten auf den Plan. Das, was die männlichen Hormone sozusagen „angerichtet“ haben, wird „bereinigt“: Die Haut beruhigt sich, die Pickel verschwinden wieder und es stellt sich eine monatliche Regelblutung ein. Die Östrogene machen diese Beruhigung und Regulierung möglich. Die hormonelle Umstellung kann man auch an den Eierstöcken beobachten, deren Größe zugenommen hat und deren kleine Zysten weniger geworden sind. Auch die Gebärmutter hat an Größe zugenommen und zeigt meist schon den Aufbau einer deutlichen Schleimhautschichtung, wodurch das regelmäßige Bluten gewährleistet ist. Doch ganz sind die Eierstöcke noch nicht fertig. Es fehlt die Ovulation.

Das Progesteron

Ohne Ovulation kein Progesteron! Es ist die „Höchstleistung“ der weiblichen Eierstöcke, Progesteron zu bilden. Erst wenn alle vorher beschriebenen hormonellen Schritte (1. Androgene, 2. Östrogene) geordnet und in Ruhe ablaufen konnten, wird von der Natur der Eierstock auf den letzten Schritt vorbreitet. Dieser findet nur einmal pro Monat statt und ist eine logistische und energetisch-metabolische Meisterleistung. Einmal im Monat reift eine Eizelle heran. Damit im Falle einer Befruchtung auch die besten Voraussetzungen gegeben sind, ist Progesteron – das Hormon der zweiten Zyklushälfte – notwendig. Es wird unter gleichzeitiger Erhöhung der Körpertemperatur für 14 Tage von jenem Ort bereitgestellt, in dem die Eizellen zwei Wochen heranreifen konnten (Ovarfollikel, dann Corpus luteum). Kommt es zu keiner Schwangerschaft, fallen alle Hormone nach 2 Wochen ab und die Regel­blutung tritt ein. Ein Monatszyklus ist erfolgreich etabliert.

Die Zeit ist wichtig

Die Schritte der gesunden hormonellen Entwicklung vom Mädchen zur geschlechtsreifen Frau sind unterschiedlich lang und ein genauer Zeitraum kann nicht wirklich angegeben werden. Meist dauert es bis zu 5 Jahre, bis alles funktioniert. Die Menarche tritt im Durchschnitt zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr ein und somit kann man den ungefähren Zeitraum abschätzen, den die hormonelle Reifung einnimmt. Dasselbe gilt, wenn die erste Regelblutung früher, aber auch später beginnt. Der Körper und die Eierstöcke brauchen Zeit. Hat er die nicht, können sich daraus Probleme für alle Organe und Körpersysteme (z. B. Knochen) ergeben, die langfristige gesundheitliche Folgen für die Frau mit sich bringen können und vor allem die Fruchtbarkeit nach­teilig beeinflussen werden.