Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Allgemein- & Innere Medizin, Dermatologie, Gefäßchirurgie, Medizin Dermatologie Dermatologie
Alterungsprozess

Implikationen anatomischer Erkenntnisse auf ästhetische Behandlungen im Mittelgesicht

Der Alterungsprozess zeigt sich größtenteils im Mittelgesicht, in Form eines Volumendefizits. Eine Voluminisierung und ein Lifting sind hier möglich durch Injektion in das Sub-orbicularis-oculi-Fettkompartiment (SOOF). Bei der minimalinvasiven Nasenkorrektur mit Injektionen in die subkutane Schicht besteht die Gefahr vaskulärer Komplikationen. Daher sollten Filler hierbei besser in die supraperiostale oder supraperichondrale Schicht appliziert werden, vorzugsweise mit einer Kanüle. Schlüsselwörter: Alterungsprozess, Fettkompartimente, Knochen, Bänder, Gefäße


17.04.2019
S. Cotofana, K. Frank
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Abstract

Age-related changes affect majorly the mid-face. Here, the deep midfacial fat compartments are located and here the major changes of the facial skeleton occur. Minimally-invasive treatment options for the midface could focus on the volumization of the sub-orbicularis oculi fat (SOOF) compartment. Treatment options of the nose should generally target the supra-periosteal or the supra-perichondreal plane, as here the risk for adverse vascular events are reduced, especially when trying to utilize a cannula.   
Key words: aging process, fat compartiments, bones, ligaments, vessels

Das Mittelgesicht ist jene Region, die das Aussehen am meisten beeinflusst und am meisten über das Alter eines Menschen aussagt. Es ist der zentrale Stützpfeiler des Aussehens, wird vom oberen Gesichtsdrittel signifikant beeinflusst und beeinflusst auch selbst signifikant das untere Gesichtsdrittel. Daher ist es wichtig, dass ein Therapieplan erstellt wird, der nach Möglichkeit von oben nach unten gerichtet ist, und dass die jeweiligen Schritte gestaffelt und in mehreren Sitzungen durchgeführt werden. Manchmal bedarf es eines weit geringeren Aufwands, die Hamsterbacken (jowls) oder die Mari­onettenfalte (Sulcus labiomandibularis) zu therapieren, wenn zuerst die Schläfen und der Jochbogen behandelt wurden. 

Auf der anderen Seite stellt das Mittelgesicht eine große Herausforderung dar, denn keine andere Region des Gesichts ist so mobil und wird derart von den Bewegungen der mimischen und der Kaumuskulatur beeinflusst. Man beachte nur die Bewegungen der Wangen beim Sprechen, Kauen oder beim Spielen eines Blasinstruments. Entsprechend müssen die Therapieoptionen so angepasst werden, dass Funktionalität und Mimik nicht beeinträchtigt werden. Leider ist genau dies in der Vergangenheit zu oft passiert. Bilder von solchen Patienten sind immer noch in den sozialen Medien oder in Vorträgen zu finden, wenn es um Negativbeispiele in der ästhetischen Medizin geht. Diese Negativbeispiele stammen nicht nur aus der plastischen Chirurgie, sondern auch aus anderen Fächern, die sich mit dem Erscheinungsbild des alternden Menschen beschäftigen. Daher soll im Folgenden das Mittelgesicht von anatomischer Seite her betrachtet werden, um ein besseres Verständnis für dieses Gesichtsdrittel und die jeweils relevanten minimalinvasiven Therapieoptionen zu erlangen.

Der Alterungsprozess

Im Gesicht, wie in allen anderen Regionen des menschlichen Körpers, kann nicht eine einzige Struktur für einen alternden Gesichtsausdruck verantwortlich gemacht werden. Folgende Gewebe sind hierbei jedoch „federführend“: Haut, Fett, Muskel, Bänder, Knochen1-3. Was hinzukommt, ist, dass jedes dieser fünf Gewebe zu einem anderen Zeitpunkt zu altern beginnt und das Altern noch dazu mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fortschreitet (die Haut altert anders als der Knochen). Dass dieser Prozess bei Frauen und Männern, bei verschiedenen Individuen desselben Geschlechts und bei Individuen unterschiedlicher ethnischer Gruppen anders abläuft und dadurch jeweils ein unterschiedliches Erscheinungsbild nach sich zieht, vereinfacht das Ganze sicherlich nicht. 

Ein Beispiel: Mit zunehmendem Alter wird das superfizielle subkutane Fett abgebaut und umgelagert. Aus dem Unterhautdepot entnommen, wird es nach intraabdominell, intrahepatisch und intramedullär transportiert4. Dieser subkutane Volumenverlust wird erst ab der fünften Lebensdekade ersichtlich und geht einher mit einer Veränderung der Köpersilhouette, da der Bauchumfang in einem ähnlichen Maße zunimmt. 

Die Veränderungen des Knochens können vielmehr als Umbauprozesse charakterisiert werden, die letztendlich zu einer Vergrößerung/ Verkleinerung (je nach Lokalisation) der Oberflächenwinkel führen. Am wichtigsten von allen beschriebenen Winkeln ist der Winkel der Maxilla (maxillary angle). Dieser Winkel wird mit zunehmendem Alter kleiner, was mit einer Verschiebung der Oberfläche der Maxilla in Richtung Hinterhaupt einhergeht. Dieser Prozess kann als Einwärtsdrehung bemessen werden und hat die größte Amplitude in der vierten Lebensdekade. Interessanterweise ist dies das Alter, in dem die meisten Fillerinjektionen stattfinden, basierend auf der statistischen Auswertung der American ­Society of Plastic Surgeons.