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vasomed 4/24

Innovationsfondsprojekt IP-Wunde schafft bessere Praxis in der Praxis

An chronischen Wunden leiden meist ältere Menschen, deren Grunderkrankung (z. B. Durchblutungsstörungen oder Diabetes mellitus) häufig die Wundheilung behindert. Allein im Bundesland Bremen gibt es 25.000 Betroffene. Für eine bestmögliche Wundversorgung (WV) ist eine fachliche Spezialisierung bei der Therapieführung und eine über alle Akteure hinweg transparente und koordinierte Behandlung unerlässlich. 


01.07.2024
S. Hornemann, A. Albers
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ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(4): 128-129

Die Konsequenzen einer Unter- und Fehlversorgung sind gravierend: lange Anschlusszeiten von durchschnittlich 3,5 Jahren bis zur fachärztlichen Behandlung (1), enorme Fallkosten von ca. 10.000 € pro Patienten und Jahr (2–4) sowie erhebliche Komplikationen. Laut AOK Bremen/Bremerhaven entfallen von den durchschnittlichen Behandlungskosten allein 48 % auf Verbandmittel, dicht gefolgt von Kosten der Krankenhausbehandlung. Dabei ist der Anteil, der Pflegehonorare und ärztlichen Honorare mit 4 % bzw. 3 % sehr gering.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen setzt gemeinsam mit IVPNetworks, der AOK Bremen/Bremerhaven und dem Kompetenzzentrum für Klinische Stu­dien Bremen das Innovationsfondsprojekt „Infrastruktur und Prozesse für optimierte Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden – dezentral und regelversorgungsnah in Bremen: IP-Wunde“ um. Ziel des Projektes ist es, Wundkomplikationen, Heilungsdauer und die Gefahr von Komplikationen bei Betroffenen zu verringern und so ihre Lebensqualität zu verbessern.

Förderung für vier Jahre

Mit IP-Wunde soll ein Ansatz geschaffen werden, die WV nachhaltig zu verändern und bestehende Defizite auszugleichen. Es wurde ein flächendeckendes Behandlernetzwerk im Land Bremen geschaffen, bei dem acht ambulante, spezialisierte Wundpraxen (SWP) die Basis bilden. Die SWP zeichnen sich durch Ärztinnen und Ärzte mit hoher fachlicher Expertise und medizinische Fachangestellte mit zertifizierter Wundfortbildung aus. Primärversorgende Haus- und Fachärztinnen und -ärzte (PV) erweitern das Netzwerk und können Patientinnen und Patienten nach der Einschreibung an eine SWP weiterleiten und die gemeinsame WV starten. 

Über eine digitale Plattform mit digitaler Wundfallakte können Informationen einfach und schnell ausgetauscht werden, wodurch Expertenwissen aus den SWPs den PV patientenspezifisch zur Verfügung steht. 

Nach knapp 30 Monaten Projektlaufzeit lässt sich bereits eine positive Bilanz ziehen. Knapp 60 Bremer Haus- und Facharztpraxen sind Teil des Behandlernetzwerks und haben über 420 Patientinnen und Patienten im Rahmen des Projektes behandelt. 

Digitale Wundfallakte für das Netzwerk

Um Teile der genannten Defizite auszugleichen, greift IP-Wunde auf die digitale Wundfallakte in der IVPnet zurück. Sie dient als gemeinsame Behandlungsplattform, in der alle zur Diagnostik und Therapie notwendigen Daten der jeweiligen Patientinnen und Patienten strukturiert erfasst und gespeichert werden. Die beteiligten Medizinerinnen und Mediziner können jederzeit darauf zugreifen, sich austauschen und ihre Expertise einbringen. Die Patientinnen und Patienten werden bedarfsorientiert von einer SWP oder gemeinsam mit den PV behandelt. Neben bekannten Kommunikationsmöglichkeiten wurden auch erweiterte Funktionen wie die Videosprechstunde oder ein digitales Wundboard eingeführt. Ebenso können die Betroffenen mittels Patientenzugang einen unkomplizierten Zugriff auf die eigene Patientenakte erhalten. 

IP-Wunde fördert die Weiterbildung

Ein weiterer Teil des Projektes ist neben der Schaffung nachhaltiger Versorgungsstrukturen insbesondere die Qualifizierung der Ärzteschaft und medizinischer Fachangestellter. In Kooperation mit der Ärztekammer Bremen konnten bereits drei Wundmanagement-Kurse für medizinische Fachanstellte angeboten werden, die jeweils vollständig ausgebucht waren. Auch der vierte Kurs im September 2024 ist bereits voll. 

Zusätzlich findet seit Anfang des Jahres eine ärztliche Fortbildungsreihe mit insgesamt sechs Terminen statt. Die hohe Nachfrage zeigt, wie groß der Bedarf und gleichzeitig das Interesse der Bremer  Praxen ist, ihre Patientinnen und Patienten optimal zu versorgen.

Der Beitrag beruht auf einem Vortrag auf dem DEWU Deutscher Wundkongress & Bremer Pflegekongress, der vom 15.–17.05.2024 in Bremen stattfand.

Literatur
1 Storck M, Dissemond J, Gerber V, Augustin M. Expertenrat Strukturentwicklung Wundmanagement: Kompetenzlevel in der Wundbehandlung. Gefäßchirurgie 2019;24:388-389. 
2. Diener H, Debus E, Herberger SK et al. Versorgungssituation gefäßmedizinischer Wunden in Deutschland. 2017;22(8):548-557. 
3. Fischer T, Baczako A, Konstantinow A, Volz T. Chronische Wunden richtig behandeln. Hautnah dermatologie 2019;35(5):44-51.
4. Aykac V. Versorgung chronischer Wunden. Klinikarzt 2017;46(12):630-634.

Autorinnen:
S. Hornemann1, A. Albers2
1 Kassenärztliche Vereinigung Bremen
2 IVPNetworks



Korrespondenzadresse

Alice Albers
Projektmanagement – IP-Wunde
IVPNetworks GmbH
Conventstraße 8-10 | Haus D
22089 Hamburg
aalbers(at)ivpnetworks.de