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Allgemein- & Innere Medizin, Neurologie, Schmerztherapie, Medizin Allgemein- & Innere Medizin, Neurologie Allgemein- & Innere Medizin, Neurologie, TEST Katrin Breitenborn
Deutscher Schmerzkongress 2025

Innovative Therapien und digitale Lösungen bei Migräne

Beim Deutschen Schmerzkongress im Oktober 2025 in Mannheim stellten Expertinnen und Experten neue medikamentöse, psychologische und digitale Behandlungsansätze für Migräne vor. 


24.10.2025
K. Breitenborn
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Allerdings, so die Kritik, erhalten trotz klarer Empfehlungen der kürzlich veröffentlichten S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ viele Betroffene in Deutschland noch immer keine leitliniengerechte  Behandlung.   

Deutscher Schmerzkongress

Der Deutsche Schmerzkongress der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG) fand vom 22.–25. Oktober 2025 in Mannheim statt.

Die medikamentöse Therapie bei Migräne bleibt in Bewegung: Zwar sind und bleiben Triptane die Standard-Medikamente zur Behandlung akuter Migräneattacken. Gleichzeitig erweitern jedoch auch die neuen Wirkstoffe Lasmiditan und Rimegepant das Behandlungsspektrum. „Diese Substanzen bieten insbesondere für Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen neue Optionen, da sie nicht gefäßverengend wirken“, sagte PD Dr. Lars Neeb, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG), anlässlich der Kongress-Pressekonferenz. Für Lasmiditan konnte gezeigt werden, dass es auch bei Patienten, die auf Triptane nicht angesprochen haben, wirkt. Auch in der Prophylaxe gibt es Fortschritte: Mit Atogepant und Rimegepant stehen seit Kurzem orale CGRP-Rezeptorantagonisten zur Verfügung, die in Studien wirksam und gut verträglich sind. „Patientinnen und Patienten profitieren von einer individualisierten Therapie, die Medikamente, digitale Tools und nicht-medikamentöse Verfahren kombiniert“, betonte Neeb. 

Unzureichende Versorgung bei Migräne

Trotz dieser wissenschaftlichen Fortschritte und vielfältigen Therapieoptionen bleibt die Versorgung vieler Betroffener unzureichend. „Daten aus dem DMKG-Kopfschmerzregister zeigen, dass moderne, spezifische Migräneprophylaktika häufig erst spät im Krankheitsverlauf eingesetzt werden – oftmals nach Jahren unzureichender Behandlung“, so Neeb weiter. Ein frühzeitiger Zugang zu wirksamen Therapien sei jedoch wichtig, da er das Risiko einer Chronifizierung deutlich senken kann.

Nicht-medikamentöse Verfahren bei Migräne

Neben Medikamenten gewinnen nicht-medikamentöse Verfahren zunehmend an Bedeutung. „Kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen, Biofeedback sowie Ausdauer- und Kraftsport haben nachweislich positive Effekte und sollten fester Bestandteil jeder Migränebehandlung sein“, erläuterte Kongresspräsident Dr. Thomas Dresler, Tübingen. Zudem würden digitale Anwendungen ermöglichen, dass Betroffene entsprechend ihrer Symptome selbst aktiv werden könnten: „Mit der DMKG-App oder der SinCephalea-App können Patientinnen und Patienten ihre Migräne gezielt beobachten und selbst Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen“, so Dresler weiter.

Vorgestellt auf dem Deutschen Schmerzkongress: Projekt MIGRA-MD 

Wie sich zur Verbesserung der Migränetherapie Leitlinienwissen, digitale Unterstützungsangebote und multimodale Behandlungsformen kombinieren lassen, zeigt das vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit 5,3 Mio. Euro geförderte Projekt MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital. Betroffene führen innerhalb dieses Projektes einen digitalen Kopfschmerzkalender via DMKG-App und füllen einen digitalen Kopfschmerzfragebogen aus. Die Daten werden im Arztportal strukturiert dargestellt und erleichtern die leitliniengerechte Anamnese und Verlaufskontrolle. 

Ergänzend bietet die Lernplattform MIGRA-MD Wissen den Patienten Videos zu medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapien, erstellt von einem interdisziplinären Expertenteam. „Durch diese Kombination aus digitaler Begleitung und fachärztlicher Expertise wollen wir die Selbstwirksamkeit der Betroffenen stärken und neben der medikamentösen Behandlung die Nutzung nichtmedikamentöser Ansätze fördern“, so PD Dr. Ruth Ruscheweyh, München, Präsidiumsmitglied der DMKG. An der begleitenden Studie werden bundesweit 1.000 Patientinnen und Patienten an 50 Zentren teilnehmen.

Interdisziplinäre und patientenzentrierte Therapie der Migräne auf dem Deutschen Schmerzkongress gefordert

Die Expertinnen und Experten betonten, dass eine Migränebehandlung nicht auf die Gabe von Medikamenten beschränkt bleiben dürfe. Eine interdisziplinäre, multimodale Schmerztherapie (IMST), bei der Fachleute aus Schmerzmedizin, Psychologie, Physiotherapie und Pflege eng zusammenarbeiten würden, zeige nachweislich  bessere Ergebnissen und verhindere Chronifizierung. „Eine erfolgreiche Schmerztherapie berücksichtigt immer körperliche, psychische und soziale Faktoren zugleich“, fasste Dresler zusammen. Ziel müsse es sein, Betroffene dazu zu befähigen, den Umgang mit ihrer Erkrankung aktiv mitzugestalten – mit einem klaren Ziel: weniger Kopfschmerztage, mehr Lebensqualität.    

Quelle: Pressekonferenz am 23.10.2025 anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. in Mannheim.