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Dermatologie, Abrechnung Dermatologie Abrechnung, HAUT
IGeL-Tipp | Dermatologie

Ist Schröpfen in der hautärztlichen Praxis eine Option?

Alternative Behandlungsformen werden immer häufiger hinterfragt. Während vor gar nicht allzu langer Zeit Schröpftherapien in Vertragsarztpraxen einiger Facharztgruppen angeboten und erbracht wurden, wird diese Behandlungsmethode heute auch in hautärztlichen Praxen relativ selten eingesetzt. 


10.05.2024
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Schröpftherapien wurden schon im Altertum angewendet. Im Umgangsdeutsch hat „schröpfen“ eine ganz andere Bedeutung und wird häufig als ein Synonym für abzocken oder übervorteilen verwendet. Unklar ist, ob sich die Verwendung des Worts schröpfen im Umgangsdeutsch von dieser Behandlungsmethode ableiten lässt, vielleicht weil für diese Methode ein vermeintlich relativ hohes Honorar gefordert wurde.

Beim Schröpfen unterscheidet man blutige und unblutige Verfahren. Behandlungen mit Schröpfgläsern (Schröpfköpfen) gehören zu den unblutigen Verfahren, bei blutigen Verfahren wird die Haut vor dem Ansetzen der Schröpfköpfe angeritzt.

Wirkweise und Indikationen

Schröpfen ist die umschriebene Einwirkung auf Körpergewebe durch Erzeugung eines Unterdrucks. Dadurch können die Durchblutung und der Lymphfluss erhöht sowie Blockaden gelöst werden. Auch entfernt liegende Organe sollen reflektorisch reagieren können. Bei normaler Blutgerinnung und sachgerechter Anwendung sind Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Die in der Regel zu beobachtenden Schwellungen, Rötungen und manchmal auch Hämatome sind sozusagen „systemimmanent“ und harmlos. Indikationen sind in erster Linie chronische Entzündungen, Gelosen, Muskelverhärtungen usw.

Durchführung 

Zur Verstärkung der Wirkung kann man im Anwendungsgebiet zunächst mit Rotlicht oder mit Massage eine Hyperämie erzeugen. Dann setzt man je nach der Größe des zu behandelnden Areals bis zu zehn Schröpfköpfe auf und lässt sie für etwa 15 oder auch bis zu 30 Minuten einwirken. Die Anzahl der erforderlichen Sitzungen ist indikationsbezogen unterschiedlich. Bei akuten Beschwerden kann schon eine Sitzung ausreichend sein, bei chronischen Beschwerden sind es in der Regel sechs bis zehn Sitzungen.

Das alleinige Aufsetzen des Schröpfkopfes erzeugt keinen Unterdruck. Zur Erzeugung des gewünschten Vakuums wird vor dem Aufsetzten ein mit Benzin getränkter Watteträger entzündet und einige Sekunden lang in das Schröpfglas gehalten, wodurch durch die Verbrennung des Sauerstoffs in der Luft ein Unterdruck erzeugt wird. Das Schröpfglas wird dann so schnell wie möglich aufgesetzt. Um einen besseren Kontakt zur Hautoberfläche zu erzielen, sollte der Rand des Schöpfglases vorher eingefettet werden.
Entsprechende Fortbildungen werden von ärztlichen Organisationen angeboten, meist im Zusammenhang mit anderen ausleitenden und umstimmenden Verfahren.

Liquidation

Schröpfen ist eine IGeL. Die AOK weist ausdrücklich darauf hin, dass die Kosten nicht übernommen werden. Vor einer Schröpftherapie ist ein entsprechender Behandlungsvertrag aufzusetzen. Private Krankenversicherungen (PKV) erstatten in der Regel diese Behandlungsmethode, zumal die GOÄ mit der Nr. 747 das Schröpfen ausdrücklich als ärztliche Leistung vorsieht und der Bundesgerichtshof mit Urteil von 1996 feststellte, dass PKVen auch Methoden der „alternativen Medizin“ erstatten müssen, wenn diese zur Behandlung einer Erkrankung geeignet sind. 

Investitionen

Die Kosten zur Anschaffung entsprechender Geräte zur Durchführung der Schröpftherapie sind überschaubar. Schröpfkopfsets sind im Fachhandel schon für 50 bis 100 € erhältlich. Insofern kann die Schröpftherapie durchaus als wirtschaftlich interessant angesehen werden, auch wenn sich das mit dieser Methode erzielbare Honorar in Grenzen hält.

Tab.: Abrechnungsmöglichkeiten der Schröpftherapie als IGeL
GOÄ-Nr.LeistungFaktorBetrag
747Setzen von Schröpfköpfen, je Sitzung

2,3 (1,95)

5,90 € (5,00 €)

538Infrarotbehandlung, je Sitzung, (reduzierter Gebührenrahmen)

1,8 (1,72)

4,20 € (4,00 €)

520Teilmassage, (reduzierter Gebührenrahmen)

1,8 (1,53)

4,72 € (4,00 €)

1Beratung

2,3 (2,15)

10,72 € (10,00 €)

5Untersuchung

2,3 (2,15)

10,72 € (10,00 €)