Die folgenden fünf Beispiele zeigen mögliche Einsatzbereiche, die sich für viele ärztliche Praxen anbieten.
KI als Dokumentationshilfe
Die bürokratische Selbstverwaltung kann in der ärztlichen Praxis um die 60 Tage im Jahr beanspruchen.1 Um den hohen Arbeitsaufwand der Dokumentation zu mildern, können moderne KI-Systeme eingesetzt werden, die Arzt-Patienten-Gespräche in Echtzeit erfassen und strukturiert aufbereiten. Grundlage sind Spracherkennung, Natural Language Processing (die automatische Verarbeitung menschlicher Sprache) und speziell für den medizinischen Kontext trainierte Sprachmodelle.
KI-Scribes (Modelle, die gesprochene Sprache automatisch in strukturierte schriftliche Dokumentation umwandeln) zeigen im medizinischen Kontext, wie relevante Inhalte, z. B. Anamnese, Symptome oder Diagnosen, automatisiert erkannt werden können. Das spart Zeit und verbessert die Qualität der Dokumentation, da Informationen vollständiger und konsistenter vorliegen.2 Im Jahr 2026 gibt es neben Assistenzmodellen auch solche, die als Medizinprodukt nach EUMDR (CE-Kennzeichnung) für den medizinischen Einsatz in Deutschland zugelassen sind.
Unterstützung der informierten Diagnose
KI-basierte Software zur klinischen Entscheidungsunterstützung agiert auf Basis strukturierter medizinischer Daten und kann Symptome, Befunde oder Laborwerte analysieren und Hinweise auf Differenzialdiagnosen, leitlinienrelevante Aspekte oder potenzielle Risiken geben. Für den Einsatz im ärztlichen Alltag gibt es mehrere solcher KI-gestützter zugelassener Medizinprodukte, die medizinisches Fachwissen gliedern und kontextbezogen bereitstellen. Solche Systeme ersetzen keine ärztliche Entscheidung, helfen jedoch dabei, Informationen schneller zu priorisieren und die diagnostische Sicherheit zu erhöhen – insbesondere bei komplexen Fragestellungen oder hoher Arbeitsbelastung.3
Digitale Patienten-Kommunikation
Digitale Kommunikation wird zunehmend zu einem zentralen Faktor im Praxisalltag. KI-gestützte Chat- und Voicebots (digitale Assistenten, die gesprochene oder geschriebene Sprache verstehen und automatisch darauf reagieren) können Routineanfragen von Patientinnen und Patienten übernehmen, etwa zu Rezeptbestellungen oder organisatorischen Rückfragen, und entlasten so das Praxisteam.4
Kodier- und Abrechnungsassistenz
KI-gestützte Abrechnungs- und Kodierassistenzen können vorhandene Inhalte analysieren, weisen auf potenziell abrechnungsfähige Leistungen hin und machen Vorschläge für Gebührenpositionen. Wichtig ist dabei, dass die eingesetzten Lösungen primär bei der Zuordnung von ICD-Codes nachvollziehbare und überprüfbare Vorschläge liefern, da dieser Bereich nach wie vor anspruchsvoll ist. Für Praxen ergeben sich dennoch klare Vorteile: Honorarverluste können reduziert und Verwaltungsaufwand spürbar gesenkt werden, ohne die ärztliche Verantwortung aus der Hand zu geben.
Effizientes Terminmanagement
Ein weiterer zentraler Hebel zur Entlastung von Arztpraxen liegt im Terminmanagement. Digitale Buchungssysteme und KI-gestützte Assistenzfunktionen ermöglichen es, Termine automatisiert zu vergeben, zu verschieben oder zu bestätigen. So können u. a. Telefonaufkommen und Ausfallquoten reduziert werden. Für Praxen bedeutet dies: besser planbare Abläufe, kürzere Wartezeiten, geschonte Ressourcen und eine höhere Zufriedenheit bei Patienten wie auch im Praxisteam.