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FGM-Rekonstruktion

Forschende stellen erstmals Nervenbahn der Klitoris detailliert dar

Die realitätsnahe Darstellung der typischen Verzweigungsmuster des dorsalen Klitorisnervs mit den häufigsten Aufteilungspunkten könnte wegweisend sein für die chirurgische Rekonstruktion nach weiblicher Genitalverstümmelung oder bei geschlechtsangleichenden Operationen. 


29.05.2026
J. Gutmann
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Forschende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) haben erstmals die Nervenarchitektur der menschlichen Klitoris detailliert dargestellt. Im Fokus stand der dorsale Klitorisnerv (N. dorsalis clitoridis), der eine zentrale Rolle für die sexuelle Erregung spielt. Anhand von neun Präparaten konnten die Forschenden typische Verzweigungsmuster, anatomische Variationen und Bereiche mit unterschiedlicher Nervendichte identifizieren. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage für chirurgische Eingriffe, insbesondere für rekonstruktive Operationen nach weiblicher Genitalverstümmelung oder im Rahmen geschlechtsangleichender Eingriffe. Ihre Ergebnisse wurden im Fachmagazin Folia Morphologica veröffentlicht. 

Klitorisanatomie bislang noch weitgehend untererforscht

Die Klitoris gilt trotz ihrer funktionellen Bedeutung noch immer als unzureichend erforscht. Vor allem die genaue Nervenversorgung war bislang nur grob beschrieben. Genau hier setzt die aktuelle Studie an. Mithilfe spezieller Färbeverfahren und mikrochirurgischer Präparation machten die Forschenden selbst feinste Nervenfasern sichtbar und verfolgten deren Verlauf im Gewebe. Dabei zeigte sich: Der dorsale Klitorisnerv verzweigt sich deutlich komplexer als bisher häufig angenommen. Zwei sogenannte „Hotspots“ der Verzweigung traten besonders hervor. Einer liegt im Bereich des Aufhängebandes der Klitoris, ein weiterer im Bereich des Klitoriskörpers. 

Gleichzeitig identifizierte das Forscherteam um Erstautor Dr. Michael Wolf-Vollenbröker eine Region mit besonders geringer Nervendichte im ventralen Bereich der Klitoris. Dieser nervenarme Bereich könnte aus klinischer Sicht als „sicherer Bereich“ bei bestimmten chirurgischen Eingriffen dienen, schreiben die Studienautoren. Sie sehen direkte klinische Relevanz, da die Variabilität in der Verteilung der Nerven beeinflussen sollte, wie chirurgische Eingriffe geplant und durchgeführt werden. Operateurinnen und Operateure könnten aufgrund besserer Kenntnisse der klitoralen Nervenarchitektur künftig gezielter nervenschonend arbeiten. 

“Dieses Wissen ist im Zeitalter hochspezialisierter Mikrochirurgie essenziell und wird dazu beitragen, die Physiologie der Klitoris besser zu verstehen sowie neue chirurgische Techniken zur Wiederherstellung der Klitorisfunktion zu entwickeln.” 

Dr. Michael Wolf-Vollenbröker et al. 

Fortschritte in der FGM-Rekonstruktion nach Genitalverstümmelung

Auch im Rahmen von Geburten sowie in der Diagnostik sexueller Funktionsstörungen sind bessere anatomische Kenntnisse über das Organ von Vorteil. Insbesondere für die funktionelle Rekonstruktion der weiblichen Geschlechtsorgane nach Verstümmelung (engl. female genital mutilation/cutting – FGM/C), wie sie in manchen Kulturkreisen weiterhin durchgeführt wird, könnte ein besseres Verständnis der Nervenarchitektur zu großen chirurgischen Fortschritten führen – mit dem Ziel, Funktion und Sensibilität möglichst gut wiederherzustellen.

Nervenversorgung der Klitoris: Datenbasis von insgesamt neun Präparaten

Die Ergebnisse der Publikation basieren auf Untersuchungen von gespendetem menschlichem Gewebe, das nach dem Tod für die Forschung zur Verfügung gestellt wurde. Mithilfe spezieller Färbe- und Präparationstechniken konnten die Forschenden den genauen Verlauf des dorsalen Klitorisnervs nachvollziehen und damit die tatsächliche anatomische Grundlage im Gewebe darstellen. Mit einer Datenbasis von insgesamt neun Präparaten handelt es sich um eine vergleichsweise umfangreiche Studie zur Anatomie der menschlichen Klitoris. 

„Diese Stichprobe erlaubt uns erstmals, Aussagen über anatomische Variabilitäten und typische Muster der Nervenversorgung zu treffen. (…) Damit hat die Studie eine besonders hohe praktische Aussagekraft.“

Dr. Wolf-Vollenbröker

Trotz der Fortschritte bleibt Forschungsbedarf. Die untersuchten Präparate stammen von älteren Spenderinnen, sodass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf jüngere Frauen übertragen lassen. Dennoch markiert die Studie einen Schritt hin zu einem besseren Verständnis der weiblichen Sexualanatomie – und zu einer präziseren, patientenorientierten Chirurgie. Die Studienautoren schreiben: “Neben einem allgemeinen Verständnis des Verlaufs des dorsalen Klitorisnervs dient das gewonnene Wissen auch als Grundlage für die Entwicklung neuer sowie die Verbesserung etablierter chirurgischer Techniken zur Rekonstruktion der Klitorisfunktion nach pathologischen Veränderungen oder fehlerhaften Eingriffen wie weibliche Genitalverstümmelung.”

Autorin: Juliane Gutmann

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